- Arbeitslosigkeit steigt weiter: 28.894 Personen
- Wieder deutlich mehr neue Stellen / Steigender Bedarf im Gesundheitswesen
- Kurz vor Ausbildungsbeginn stehen viele Entscheidungen noch aus
Entscheidungsfreudige profitieren von verbesserten Chancen auf Ausbildungsplatz durch fehlenden Abiturjahrgang und gestiegenes Platzangebot
Ende Juli zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 28.894 arbeitslose Menschen und damit 730 mehr als im Vormonat (+2,6 Prozent). Gleichzeitig waren dies 195 weniger als im Juli letzten Jahres (-0,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote erhöhte sich auf 8,7 Prozent und lag damit um 0,1 Punkte unter Vorjahresniveau.
„Wie in jedem Jahr ist kurz vor dem Start des Ausbildungsjahres reges Treiben auf dem Ausbildungsmarkt zu verzeichnen. Noch fast ein Drittel aller Jugendlichen, die in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen möchten, hat sich noch nicht auf eine Stelle festgelegt. Gleichzeitig steht auch noch etwas mehr als jede dritte gemeldete Stelle zur Verfügung“, beschreibt Agenturchef Frank Benölken die derzeitige Lage. An beide Seiten appelliert er, entscheidungsfreudig zu sein: „Die Grundvoraussetzungen müssen stimmen, der Rest ist eine Frage der gemeinsamen Ausgestaltung und Entwicklung in den nächsten drei Jahren – es wäre utopisch zu glauben, dass Stelle oder Azubi von Beginn an in jeder Hinsicht perfekt sein können.“
Auf dem Arbeitsmarkt hingegen habe die Dynamik im Juli spürbar nachgelassen, so Benölken. Während es bereits im Juni einen leichten Anstieg an Arbeitslosen gegeben hätte, fiele dieser im aktuellen Monat wesentlich stärker aus: „Über 700 arbeitslose Menschen mehr sind Ausdruck verschiedener Kräfte, die auf den Arbeitsmarkt wirken. Dazu zählen konjunkturelle und saisonale Effekte ebenso wie der drastische Rückgang von Industriearbeitsplätzen. Positiv zu bewerten ist jedoch der Anstieg an neu gemeldeten Stellen, was als Bekenntnis zum Standort Recklinghausen gewertet werden kann.“
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Personenkreis | Bestand | Veränderungen zum Vormonat | |
Jüngere unter 25 Jahre | 2.573 | +231 | +9,9% |
darunter Jugendliche unter 20 Jahre | 520 | +35 | +7,2% |
50 Jahre und älter | 10.637 | +65 | +0,6% |
Langzeitarbeitslose | 14.029 | +92 | +0,7% |
Schwerbehinderte | 2.328 | +36 | +1,6% |
Ausländer | 10.348 | +233 | +2,3% |
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen
Geschäftsstellenbezirk | Arbeitslosenquote | ||
Juli 2026 | Juni 2026 | Juli 2025 | |
Recklinghausen | 7,9 | 7,7 | 8,3 |
Castrop-Rauxel | 7,9 | 7,7 | 7,8 |
Datteln | 7,2 | 7,0 | 7,4 |
Dorsten | 7,1 | 6,8 | 6,7 |
Herten | 9,1 | 9,0 | 9,7 |
Marl | 10,9 | 10,8 | 10,7 |
Gladbeck | 11,3 | 10,9 | 11,3 |
Agenturbezirk RE | 8,7 | 8,4 | 8,8 |
Stellenzugang erholt sich, Bestand nimmt weiter ab
Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 809 neue Stellenangebote, 241 mehr (+42,4 Prozent) als im Juni. Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 4.802 Stellen zur Besetzung aus, 142 weniger als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand um 19 Stellen höher.
Zweidrittel aller neuen Stellen (66 Prozent) bezogen sich auf das Gesundheits- und Sozialwesen, sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (z.B. Vermietung von beweglichen Sachen, Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Reisebüros, Wach- und Sicherheitsdienste, Garten- und Landschaftsbau), freiberufliche Dienstleistungen (z.B. Rechts- und Steuerberatung) sowie den Handel.
Der Ausbildungsmarkt
Von Oktober 2025 bis Juli 2026 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 3.883 Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 227 weniger als im letzten Jahr (-5,5 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 3.144 und stieg damit um 207 (+7,0 Prozent).
Es befinden sich im Juli noch 1.353 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 159 weniger (-10,5 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Aus-bildungsstellen liegt bei 1.162 und damit um 139 unter dem Wert des letzten Jahres. Auf 100 betriebliche Berufsausbildungsstellen kommen in diesem Jahr 126 Ausbildungsinteressierte gegenüber 142 im letzten Jahr. Aktuell stehen jedem noch unversorgten Jugendlichen 0,9 Stellen zur Verfügung.
Die mit Abstand meisten noch offenen Stellen stehen im Einzelhandel (Kaufleute sowie Verkäufer) zur Verfügung. Daneben gibt es noch zahlreiche offene Stellen für angehende Kaufleute im Büromanagement, Fachwirte im Handel, medizinische sowie zahnmedizinische Fachangestellte, Elektroniker, Metallbauer und Anlagenmechaniker. Und auch in anderen Branchen finden sich noch offene Stellen, die auch nach dem offiziellen Start des Ausbildungsjahres besetzt werden können.
„Auch wenn die Sommerferien schon in vollem Gange sind und das Ausbildungsjahr in Kürze startet: Noch ist es nicht zu spät, einen Ausbildungsvertrag für dieses Jahr zu unterschreiben, denn die Kammern tragen noch bis in den Herbst neue Ausbildungsverhältnisse ein. Ich empfehle es daher jedem Jugendlichen, ein paar Ferientage in interessanten Betrieben zu verbringen, um auf diese Weise den eigenen Traumjob zu finden oder sich darin noch zu bestärken. Keine Hochglanzbroschüre verrät so viel über den zukünftigen Job wie das, was man mit eigenen Augen beobachtet. Und wer dabei noch Unterstützung braucht oder sich kurzentschlossen noch auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz machen möchte, findet in der Berufsberatung genau die richtigen Ansprechpartner“, so Frank Benölken. Für ihn steht fest: „Wer dieses Jahr leichtfertig die Chance auf Ausbildung vergibt, rennt ihr im nächsten Jahr hinterher. Denn dann sind auch Abiturienten aus den Gymnasien wieder auf der Suche und erhöhen die Konkurrenzsituation.“
Über die kreisweite Hotline 02361/402021 können Beratungen (auch per Video) stattfinden, Termine vereinbart und Fragen geklärt werden. Arbeitgeber können freie Ausbildungsstellen unter 0800 / 4 5555 20 melden.