Die angespannte wirtschaftliche Situation in ganz Deutschland war im vergangenen Jahr auch am Arbeitsmarkt im Kreis Steinfurt zu spüren. Die Agentur für Arbeit Rheine zieht Bilanz zu den Entwicklungen im vergangenen Jahr. Die gute Nachricht: Es haben sich weniger Menschen arbeitslos gemeldet als im Vorjahr.
Die Entwicklung von Arbeitskräftenachfrage und Arbeitslosigkeit
„Die Situation war am Arbeitsmarkt im Jahr 2025 durchaus angespannt“, berichtet Reiner Zwilling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rheine. Zu spüren war das insbesondere an einer gestiegenen Arbeitslosigkeit. Mit 14.034 Arbeitslosen waren im Jahresdurchschnitt 748 Personen mehr arbeitslos als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,2 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als noch 2024. „Wir hören und lesen ja alle regelmäßig in den Medien, dass die Konjunktur nach wie vor eher im Krisenmodus läuft. In abgemilderter Form hat sich das auch bei der Arbeitslosigkeit in unserer Region ausgewirkt,“ berichtet Zwilling.
Zwar hätte es im abgelaufenen Jahr erfreulicherweise keine Entlassungswellen gegeben, allerdings weiterhin eine spürbare Zurückhaltung der Unternehmen bei der Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So meldeten die Personalverantwortlichen in den letzten 12 Monaten insgesamt 9.742 neue freie Stellen bei der Arbeitsagentur. „Das ist der zweitniedrigste Wert in den letzten 10 Jahren“, wie Zwilling erklärt. Er fügt an: „Wenn die Auftragslage unsicher ist, wird die Einstellung neuer Mitarbeiter in der Regel erstmal zurückgestellt.“ Zwilling betont aber, dass die Tendenz zuletzt leicht nach oben ging, denn im Berichtsjahr wurden 367 freie Stellen mehr gemeldet als noch in 2024. „Das ist immerhin ein Anstieg um 5,8 Prozent und damit eine gute Nachricht“, betont der Agenturchef.
Positiv hebt der Arbeitsmarktexperte auch hervor, dass sich weniger Menschen arbeitslos melden mussten, als noch im Vorjahr. Insgesamt 29.862 Personen kamen hierzu auf die Arbeitsagentur oder das Jobcenter des Kreises Steinfurt zu. Das waren 115 weniger als im Vorjahr. Damit waren es in den letzten zehn Jahren nur In den Jahren von 2021 bis 2023 weniger. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet haben gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Insgesamt konnten sich demnach 29.934 Personen aus der Arbeitslosigkeit wieder abmelden, 1.711 mehr als im Vorjahr. Mehr waren es zuletzt 2019. „Noch sehen wir hier keine spürbare Trendwende, allerdings zeigt sich an vielen Punkten eine Bewegung in eine positive Richtung“, ordnet Reiner Zwilling die Entwicklungen des zurückliegenden Jahres ein.
Besonders die letzten Monate des Jahres hätten sich positiv entwickelt. So lag die Arbeitslosigkeit ab Oktober jeweils niedriger als im Vorjahr. Verursacht wurde dies vor allem durch einen Rückgang im Bereich der Grundsicherung (SGB II), da immer mehr Ausländer, die als Geflüchtete zu uns gekommen sind, inzwischen eine Beschäftigung aufnehmen konnten.
Im Bereich der von der Arbeitsagentur betreuten Arbeitslosenversicherung (SGB III) wurde hingegen die konjunkturelle Situation sichtbar. Hier stieg die Arbeitslosigkeit durch einzelne Entlassungen und die verhaltene Personalnachfrage zuletzt etwas an. „Da, wo wie Betriebe größere Probleme mit der Auftragslage haben, lassen sich einzelne Entlassungen nicht immer vermeiden“, sagt Zwilling.
Der Blick auf Kurzarbeit und Insolvenzen
Einen Eindruck von der aktuellen wirtschaftlichen Situation in der Region gibt auch der Blick auf die Kurzarbeit. „Erfreulicherweise ist das Instrument der Kurzarbeit im Jahr 2025 eher weniger in Anspruch genommen worden. Das spricht dafür, dass die Situation bei einigen Betrieben zwar durchaus angespannt sein kann, im Großen und Ganzen gesehen aber offenbar recht stabil ist“, betont der Agenturleiter. So waren im August (aktuellster Datenstand) 45 Betriebe in Kurzarbeit, gleich viele wie im August des Vorjahres. Allerdings ist die Zahl der Betroffenen in Kurzarbeit im gleichen Vergleich von 961 auf 485 Personen gesunken. Damit liegt die Kurarbeiterquote aktuell bei 0,3 Prozent. Die Zahl der Insolvenzen scheint hingegen etwas angestiegen zu sein, wie Zwilling berichtet: „Noch liegen die finalen Zahlen nicht vor, aber der Trend in den ersten drei Quartalen zeigt einen leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Ausblick 2026
„Aktuell ist es schwer, eine konkrete Prognose für das kommende Jahr abzugeben. In der Weltpolitik sind derzeit viele Faktoren in Bewegung, die natürlich auch Einfluss auf den Regionalen Arbeitsmarkt haben können“, erklärt Zwilling. Prognosen des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) erwarten jedoch ein niedriges Wirtschaftswachstum. „Das würde dann auch bei uns zu einem Anstieg der Beschäftigung und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen“, so der Arbeitsmarktexperte. Gemeinsam mit den weiteren Akteuren am Arbeitsmarkt agiere man auch in Zukunft gut abgestimmt, um Unternehmen und Menschen der Region zu unterstützen und zusammen zu bringen, unterstreicht Zwilling.