Beschäftigte im (Un)Ruhestand - Im Agenturbezirk Sachsen-Anhalt Nord gehen fast 10.000 Altersrentner einer Beschäftigung nach

- Erwerbstätigkeit im Ruhestand heute wesentlich stärker verbreitet als früher

- überwiegend soziale und persönliche Motive, aber auch finanzielle Ursachen

- Unternehmen sollten rechtzeitig an Wissenstransfer denken

17.02.2026 | Presseinfo Nr. 17

„Wir beobachten, dass immer mehr Betriebe Menschen im Rentenalter einstellen oder im Unternehmen halten, oft auf geringfügiger Basis, aber auch sozialversicherungspflichtig. Diese Arbeitnehmer punkten mit umfangreicher Erfahrung und Fachwissen. Viele sind zudem noch agil, leistungsfähig und zeichnen sich durch eine hohe Zuverlässigkeit aus“, erklärt Matthias Kaschte, Leiter der Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt Nord.

„Gleichzeitig kommt ein vollständiger Ausstieg aus dem Arbeitsleben für immer mehr ältere Arbeitnehmer nicht infrage. Vielmehr ist es ihnen wichtig, weiterhin berufliche soziale Kontakte zu pflegen und eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben. Um genügend Freiraum für private Interessen und Erholung zu haben, sind die Beschäftigungsverhältnisse aber meist geringfügig oder in Teilzeit. Im Zusammenhang steigender Lebenshaltungskosten sind aber auch finanzielle Ursachen ein Grund noch über den Renteneintritt hinaus zu arbeiten“, so Kaschte.

Der Beginn des Bezugs einer Altersrente oder Pension ist heute nicht mehr gleichbedeutend mit dem Ende der Erwerbsarbeit. Im Agenturbezirk Sachsen-Anhalt Nord arbeiteten im vergangenen Jahr 9.847 Menschen über der Regelaltersgrenze in einer sozialversicherungspflichtigen oder geringfügigen Beschäftigung. Das entspricht einem Anteil von 3,5 Prozent an allen Beschäftigten im Agenturbezirk. Damit folgt die Beschäftigung dieser älteren Arbeitnehmer dem Trend in Ostdeutschland (3,4 Prozent) und liegt leicht unter dem Anteil im Bundegebiet (3,8 Prozent).

Die Anzahl der arbeitenden Rentner hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich erhöht spiegelt damit die demografische Entwicklung und eine älter werdende Gesellschaft wider. So waren im Jahr 2015 nur 6.406 Alternsrentner beschäftigt.

 

Mehr Männer als Frauen arbeiten im Rentenalter, meist aber in Minijobs

Im vergangenen Jahr sind insgesamt 5.746 Männer einer Beschäftigung im Rentenalter nachgegangen. Dem gegenüber standen 4.101 Frauen. 

Die Beschäftigungsverhältnisse sind dabei sowohl bei den Männern (4.171, ca. 73 Prozent der beschäftigten Altersrentner), als auch bei den Frauen (3.229, ca. 79 Prozent der beschäftigten Altersrentnerinnen) meist geringfügige Minijobs. 

 

Gründe für die Erwerbstätigkeit im Ruhestand

Die Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB Kurzbericht 8/2022) auf der Grundlage repräsentativer Befragungsdaten kommt zu dem Schluss, dass Erwerbstätigkeit im Ruhestand heute wesentlich stärker verbreitet ist als noch vor 30 Jahren. 

Als Grund für die Erwerbstätigkeit gaben die Befragten überwiegend soziale und persönliche Motive an, also Freude an der Arbeit oder der Wunsch, weiterhin eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Erwerbsarbeit dient jedoch auch dazu, das verfügbare Einkommen im Ruhestand zu erhöhen. Etwa 40% der befragten Rentenbezieher - vor allem bei geringfügig entlohnten Beschäftigten - gaben an, auch aus finanziellen Gründen im Ruhestand weiterzuarbeiten. 

Unter den nicht erwerbstätigen Rentnern sehen gut 20% der Befragten den Grund ihrer Nichterwerbstätigkeit im fehlenden Angebot passender Stellen.

Mit dem Ruhestandsübergang der geburtenstarken „Babyboomer“-Jahrgänge wird die Zahl der im Ruhestand arbeitenden Menschen zukünftig voraussichtlich noch weiter steigen. 

„Für den Erfolg der Unternehmen bleiben die Potentiale und das Fachwissen älterer Arbeitnehmer ein wichtiger Schlüssel. Junge Arbeitnehmer und Nachwuchskräfte sind aber das Betriebspotential von morgen. Unternehmen sollten daher auch rechtzeitig an die Aus- und Weiterbildung sowie die Personalentwicklungen ihrer jüngeren Belegschaft denken. Die                 Duale Ausbildung im eigenen Betrieb ist dabei für viele junge Menschen der erste Schritt ins Berufsleben. Dabei können die Jüngeren auch noch von den Erfahrungen der Älteren profitieren, was zusätzlich zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens beiträgt“, erklärt Matthias Kaschte.

 

Weiterführende Information