In welchen Branchen gehört Pendeln zur Tagesordnung? Wohin zieht es die Einwohner des Harzes beruflich? Welche Chancen ergeben sich daraus für Jobsuchende und Arbeitgeber?
Jeder Vierte pendelt zur Arbeit in einen anderen Kreis. Das sind 22.040 Auspendler. Gleichzeitig kommen 10.150 Beschäftigte aus anderen Kreisen für ihre Arbeit in den Harz.
„Viele Menschen finden an ihrem Wohnort keine passende Arbeitsstelle, die zu ihrer Ausbildung oder Qualifikation passt. Deshalb ist Pendeln für sie normal. Oft bleiben die Wege innerhalb eines Landkreises, aber besonders in Grenzregionen ist es üblich, in einem anderen Landkreis oder Bundesland zu arbeiten. Das zeigt, dass es gute regionale und branchenübergreifende Jobmöglichkeiten gibt“, erklärt Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt West.
Pendeln – Licht und Schatten auf dem Weg zur Arbeit
Pendeln ist mehr als nur das Zurücklegen einer Strecke zwischen zwei Orten. Es ist auch eine Zeit, die individuell gestaltet werden kann. Die Pendelzeit wird zunehmend bewusst genutzt. Manche hören Podcasts oder Hörbücher, andere lesen Nachrichten, planen den Tag oder lassen ihre Gedanken einfach schweifen. Für einige wird der Arbeitsweg zu einem Moment der Konzentration, für andere zu einer Gelegenheit, Abstand vom Arbeitsalltag zu gewinnen.
Gleichzeitig kann der Weg zur Arbeit aber auch Stress bedeuten. Staus, Zugausfälle und Verspätungen im Nahverkehr sorgen für Termindruck im Arbeits- und Privatleben. Bei langen Fahrzeiten und -wegen ist das Pendeln mit einem großen zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Gerade hier lohnt sich für Pendler ein Blick auf Arbeitsstellen in der Region. So bieten sich Chancen für Unternehmen mit einem attraktiven Arbeitsangebot.
„Bei der Wahl eines Arbeitgebers spielen vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen eine wichtige Rolle. Arbeitgeber können attraktiver werden, wenn sie das Pendeln erleichtern, z. B. durch Jobtickets oder Fahrrad-Leasing“, so Huth. „Außerdem ermöglicht die Digitalisierung zunehmend flexibles Arbeiten über größere Entfernungen. Homeoffice reduziert Pendelzeiten und senkt Kosten vor allem in Zeiten hoher Spritpreise.“
Aktuelle Daten der Pendler-Statistik
Pendler im Landkreis Harz sind in den meisten Fällen gut qualifiziert: Drei von vier Auspendlern haben einen anerkannten Berufsabschluss (16.200 Auspendler). Rund 3.300 Auspendler sind Akademiker. Bei den Einpendlern haben zwei von drei einen anerkannten Berufsabschluss (6.700 Auspendler) und fast jeder Fünfte ist Akademiker (1.750 Auspendler).
Das TOP-Ziel für die 22.040 auspendelnden Harzer ist der Landkreis Goslar (3.280 Auspendler), gefolgt vom Salzlandkreis (2.780 Auspendler) und der Landeshauptstadt Magdeburg (1.670 Auspendler). Vier von zehn Harz-Auspendlern arbeiten in Niedersachsen, hier insbesondere im Landkreis Goslar, in der Stadt Braunschweig und in den Landkreisen Wolfenbüttel und Salzgitter. Die Auspendler nach Niedersachsen profitieren von der günstigen Verkehrsanbindung und den dort gezahlten höheren Entgelten.
Die meisten Einpendler kommen aus dem Salzlandkreis (2.100 Einpendler), dem Landkreis Börde (1.190 Einpendler) und dem Landkreis Goslar (1.160 Einpendler).
Die meisten Auspendler arbeiten im Verarbeitenden Gewerbe (4.080 Auspendler), im Gesundheits- und Sozialwesen (3.260 Auspendler) und im Bereich Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (2.630 Auspendler).
In den Landkreis Harz zieht es vor allem Beschäftigte aus den Branchen Verarbeitendes Gewerbe (2.180 Einpendler), Verkehr und Lagerei (1.460 Einpendler) und Gesundheits- und Sozialwesen (1.250 Einpendler).
Hinweis:
Die Pendler-Statistik der Bundesagentur für Arbeit bildet die Zahl der pendelnden Menschen und ihre Wohn- und Arbeitsorte ab. Pendler sind dabei alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die nicht an ihrem Wohnort arbeiten. Einpendler wohnen nicht an ihrem Arbeitsort, Auspendler arbeiten nicht an ihrem Wohnort.