Landkreis Harz: Der Arbeitsmarkt im Gastgewerbe

Kein Landkreis in Sachsen-Anhalt hat mehr Betriebe im Gastgewerbe als der Harz. Einer von sechs Beschäftigten landesweit arbeitet hier. Die Branche lebt vom Anstieg der ausländischen Beschäftigung

05.06.2026 | Presseinfo Nr. 20

Der Landkreis Harz ist eine der wichtigsten touristischen Regionen in Sachsen-Anhalt und liegt auch bundesweit im Trend. Damit das so bleibt, braucht es Menschen, die Gäste beherbergen und versorgen. Das Gastgewerbe gehört zu den wichtigsten Branchen im Landkreis. 

 

Weniger Beschäftigte, mehr Minijobs

Im Juni 2019 arbeiteten im Landkreis Harz 4.040 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in 590 Betrieben des Gastgewerbes. 2025 waren es noch 3.975. Jeder fünfte deutsche Beschäftigte hat in diesem Zeitraum das Gastgewerbe verlassen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der ausländischen Beschäftigten fast verdoppelt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden immer älter. Inzwischen ist jeder vierte Beschäftigte älter als 55 Jahre. 2019 war es nur jeder fünfte.                               

Anders entwickelte sich die Zahl der Minijobs. Sie stieg von 2.040 im Jahr 2019 auf 2.220 im Jahr 2025. Das Wachstum der geringfügigen Beschäftigung ist fast ausschließlich auf die Zahl der geringfügig beschäftigten Ausländerinnen und Ausländer zurück zu führen. Sie stieg von 100 auf 270 und hat sich somit fast verdreifacht.       

 

„Das Gastgewerbe spürt die wirtschaftliche Lage sehr deutlich. In guten Zeiten läuft das Geschäft, in Krisen wird es schnell schwieriger. Damit die Branche auch zukünftig ihren Bedarf an Fachkräften sichern kann, muss sie neue Wege gehen. Dazu gehören Qualifizierung, moderne Arbeitszeitmodelle und neue Geschäftsmodelle“, erklärt Anja Huth, Chefin der Arbeitsagentur im Harz.  „Vor allem lebt die Branche von den Menschen, die sich jeden Tag engagiert um Gäste kümmern. Viele Betriebe wären heute ohne Mitarbeitende und Azubis aus dem Ausland nicht mehr handlungsfähig. Diese Menschen bringen Erfahrung, Einsatz und neue Perspektiven mit. Sie sind ein echter Gewinn für unsere Betriebe und den Landkreis.“

                                     

Die Zahl der Betriebe liegt unverändert bei 590. Das Medianentgelt im Gastgewerbe Sachsen-Anhalt lag Ende 2024 bei 2.413 Euro brutto im Monat. Damit gehört das Gastgewerbe weiterhin zu den Branchen mit niedrigeren Einkommen.

Folgen der Corona-Pandemie wirken nach

Das Gastgewerbe war besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen. Viele Beschäftigte wechselten in andere Branchen. Dort fanden sie oft bessere Bezahlung oder familienfreundlichere Arbeitszeiten. Viele erfahrene Fachkräfte kehrten nicht zurück.

 

Weniger offene Stellen gemeldet

Im Jahr 2019 wurden der Arbeitsagentur im Harz durchschnittlich 160 freie Stellen im Gastgewerbe gemeldet. Im Jahr 2025 waren es noch 110. Vor allem Stellen für Fachkräfte gingen deutlich zurück. Ihre Zahl hat sich mehr als halbiert. Dagegen stieg die Zahl der Helferstellen leicht an.

Mögliche Gründe für den Rückgang der Stellenmeldungen:

  • Viele Betriebe arbeiten nach den Krisenjahren mit kleinerem Personalbestand.

  • Kürzere Öffnungszeiten reduzieren den Personalbedarf.

  • Schwache Konjunktur und steigende Kosten bremsen Neueinstellungen.

     

Ausbildungsmarkt bleibt schwierig

Bis Ende September 2019 standen 40 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern rund 150 Ausbildungsstellen in der Hotellerie und Gastronomie gegenüber. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2025 kamen 14 Bewerberinnen und Bewerber auf 62 Ausbildungsstellen. Junge Menschen haben heute viele Wahlmöglichkeiten. Sie achten stärker auf Arbeitszeiten, Einkommen und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Deshalb bleiben gerade im Gastgewerbe viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Im September 2025 waren rund 50 Ausbildungsstellen in Hotellerie und Gastronomie noch offen.

Beschäftigte aus dem Ausland

2025 hatte einer von acht Gastronomiebetrieben mindestens einen ausländischen Beschäftigten. Jeder zehnte hatte einen Azubi mit ausländischem Pass.

 

Ausländische sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Wirtschaftszweig Gastronomie (WZ 2008 I) TOP-10-Staatsangehörigkeiten 2025

Landkreis Harz | Stichtag 30. September 2025

 

Staatsangehörigkeit

Zahl der svB

Ukraine

87

Vietnam

87

Türkei

83

Griechenland

47

Polen

36

Bulgarien

27

Ungarn

23

Italien

19

Indonesien

19

Nordmazedonien

16

 

Ausländische Auszubildende im Wirtschaftszweig Gastronomie (WZ 2008 I) TOP-10-Staatsangehörigkeiten 2025

Landkreis Harz | Stichtag 30. September 2025

 

Staatsangehörigkeit

Zahl der Azubis

Vietnam

                       96

Indonesien

                       25

Ukraine

                         7

Marokko

                         5

Türkei

                         4

Georgien

                         4

Kolumbien

                         3

Aserbaidschan

                         3

Sri Lanka

                         3

Kirgisistan

                         3

 

 

2025 haben im Landkreis Harz 98 Auszubildende mit ausländischer Staatsbürgerschaft eine Ausbildung in der Gastronomie begonnen. Im Vergleich zum Ausbildungsbeginn 2019 hat sich diese Zahl nahezu verdoppelt.

Die Hälfte der ausländischen Azubis mit Ausbildungsbeginn 2025 kommt aus Vietnam. 

 

Hinweis:

Zum Gastgewerbe zählen zwei Bereiche: Beherbergung und Gastronomie. Zur Beherbergung gehören zum Beispiel Hotels, Pensionen und Gasthäuser. Zur Gastronomie zählen Restaurants, Bars, Kantinen, Systemgastronomie und Caterer. Die Branche ist sehr vielfältig. Sie reicht vom Campingplatz bis zum Fünf-Sterne-Hotel und von der kleinen Kneipe bis zum großen Gastronomieunternehmen.