Der Salzlandkreis ist eine wichtige Tourismusregion in Sachsen-Anhalt und liegt besonders bei Radtouristen im Trend. Damit das so bleibt, braucht es Menschen, die Gäste beherbergen und versorgen. Das Gastgewerbe gehört zu den wichtigsten Branchen im Landkreis.
Weniger Beschäftigte, mehr Minijobs
Im Juni 2019 arbeiteten im Salzlandkreis 1.680 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in 280 Betrieben des Gastgewerbes. 2025 waren es noch 1.650. Jeder fünfte deutsche Beschäftigte hat in diesem Zeitraum das Gastgewerbe verlassen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der ausländischen Beschäftigten fast verdoppelt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden immer älter. Inzwischen ist fast jeder vierte Beschäftigte älter als 55 Jahre. 2019 war es nur jeder fünfte.
Anders als im Landkreis Harz, sank die Zahl der Minijobber im Salzlandkreis von 1.230 im Jahr 2019 auf 1.090 im Jahr 2025. Der Rückgang ist allein auf die deutschen Minijobber zurückzuführen. Ihre Zahl sank um 230. Die Zahl der geringfügig beschäftigten Ausländer hat sich verdoppelt und liegt jetzt bei 190 Personen.
„Das Gastgewerbe spürt die wirtschaftliche Lage sehr deutlich. In guten Zeiten läuft das Geschäft, in Krisen wird es schnell schwieriger. Damit die Branche auch zukünftig ihren Bedarf an Fachkräften sichern kann, muss sie neue Wege gehen. Dazu gehören Qualifizierung, moderne Arbeitszeitmodelle und neue Geschäftsmodelle“, erklärt Anja Huth, Chefin der Arbeitsagentur im Salzlandkreis „Vor allem lebt die Branche von den Menschen, die sich jeden Tag engagiert um Gäste kümmern. Viele Betriebe wären heute ohne Mitarbeitende und Azubis aus dem Ausland nicht mehr handlungsfähig. Diese Menschen bringen Erfahrung, Einsatz und neue Perspektiven mit. Sie sind ein echter Gewinn für unsere Betriebe und den Landkreis.“
Die Zahl der Betriebe ist seit 2019 leicht gesunken und lag 2025 bei 270. Das Medianentgelt im Gastgewerbe Sachsen-Anhalt lag Ende 2024 bei 2.413 Euro brutto im Monat. Damit gehört das Gastgewerbe weiterhin zu den Branchen mit niedrigeren Einkommen.
Folgen der Corona-Pandemie wirken nach
Das Gastgewerbe war besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen. Viele Beschäftigte wechselten in andere Branchen. Dort fanden sie oft bessere Bezahlung oder familienfreundlichere Arbeitszeiten. Viele erfahrene Fachkräfte kehrten nicht zurück.
Weniger offene Stellen gemeldet
Im Jahr 2019 wurden der Arbeitsagentur im Salzlandkreis durchschnittlich 40 freie Stellen im Gastgewerbe gemeldet. Im Jahr 2025 waren es noch 30. Vor allem Stellen für Fachkräfte gingen deutlich zurück. Ihre Zahl hat sich mehr als halbiert. Die Zahl der gemeldeten Helferstellen hat sich verdoppelt.
Mögliche Gründe für den Rückgang der Stellenmeldungen:
Viele Betriebe arbeiten nach den Krisenjahren mit kleinerem Personalbestand.
Kürzere Öffnungszeiten reduzieren den Personalbedarf.
Schwache Konjunktur und steigende Kosten bremsen Neueinstellungen.
Ausbildungsmarkt verändert sich
Bis Ende September 2019 standen 13 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern 47 Ausbildungsstellen in der Hotellerie und Gastronomie gegenüber. Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2025 kamen 14 Bewerberinnen und Bewerber auf 6 Ausbildungsstellen. Junge Menschen haben heute viele Wahlmöglichkeiten. Sie achten stärker auf Arbeitszeiten, Einkommen und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. 2025 konnten trotzdem alle offenen Ausbildungsstellen besetzt werden.
Beschäftigte aus dem Ausland
2025 hatte einer von zehn Gastronomiebetrieben mindestens einen ausländischen Beschäftigten. 3 Prozent hatten einen Azubi mit ausländischem Pass.
Ausländische sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Wirtschaftszweig Gastronomie (WZ 2008 I) TOP-10-Staatsangehörigkeiten 2025
Salzlandkreis | Stichtag 30. September 2025
Staatsangehörigkeit | Zahl der svB |
Albanien | 51 |
Vietnam | 48 |
Ukraine | 35 |
Griechenland | 34 |
Arabische Republik Syrien | 24 |
Rumänien | 23 |
Indien | 22 |
Polen | 16 |
Pakistan | 16 |
Nordmazedonien | 15 |
2025 hatten im Salzlandkreis zwei Dritter der Azubis im Bereich Gastgewerbe einen ausländischen Pass. Die ausländischen Azubis kamen aus Vietnam (29) und Usbekistan (4).
2025 haben im Salzlandkreis 24 Auszubildende mit ausländischer Staatsbürgerschaft eine Ausbildung in der Gastronomie begonnen. Das sind sieben mehr im Vergleich zum Ausbildungsbeginn 2019
Drei Viertel der ausländischen Azubis mit Ausbildungsbeginn 2025 kommt aus Vietnam.
Hinweis:
Zum Gastgewerbe zählen zwei Bereiche: Beherbergung und Gastronomie. Zur Beherbergung gehören zum Beispiel Hotels, Pensionen und Gasthäuser. Zur Gastronomie zählen Restaurants, Bars, Kantinen, Systemgastronomie und Caterer. Die Branche ist sehr vielfältig. Sie reicht vom Campingplatz bis zum Fünf-Sterne-Hotel und von der kleinen Kneipe bis zum großen Gastronomieunternehmen.