Chancen geben, Fachkräfte gewinnen

Vier junge Menschen, vier unterschiedliche Wege, ein gemeinsames Ziel: eine Zukunft in der Pflege. 

06.07.2026 | Presseinfo Nr. 27

Bernburg: 

Fabrice Kabre beugt sich leicht zu Michael Rogau, der im Rollstuhl sitzt. „Herr Rogau, ich möchte Blutdruck messen. Ich brauche Ihren rechten Arm.“ Geschickt legt er die Manschette an und beginnt die Messung. Fabrice Kabre ist 31 Jahre alt und kommt aus Burkina Faso. Dort hat er eigentlich Wirtschaft studiert. Seit fast zwei Jahren unterstützt er die Mitarbeitenden im AWO Seniorenzentrum Bernburg Zepziger Weg. Den B1-Abschluss in Deutsch hat er schon am Goethe-Institut in Ouagadougou gemacht. Die schriftliche Prüfung für den Abschluss der Ausbildung als Pflegeassistent hat er inzwischen abgelegt. Im August steht noch die praktische Prüfung an. Ab September wird er im Frieda-Fiedler-Haus als ausgebildeter Pflegeassistent arbeiten und im August 2027 seine Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen.

Es sind Menschen wie Fabrice, die den Mangel an Arbeitskräften im Pflegebereich abmildern. Schon heute ist jede vierte Pflegefachkraft im Salzlandkreis älter als 55 Jahre. Bis 2035 müssen 1.700 Stellen in der ambulanten und stationären Pflege nachbesetzt werden. Damit das gelingt, müssen Pflegeeinrichtungen neue Wege gehen.

Der Weg beginnt oft mit einem Praktikum

„In unseren Einrichtungen in Bernburg, Barby und Schönebeck arbeiten viele junge Menschen im Ehrenamt, im Praktikum oder einem Freiwilligendienst“, erläutert Katrin Köppe, Geschäftsführerin der AWO Soziale Dienste Sachsen-Anhalt GmbH. „Viele junge Menschen gewinnen durch diese Möglichkeiten einen Einblick in den Pflegealltag und entscheiden sich deshalb für eine Ausbildung in der Pflege.“

Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit im Salzlandkreis stimmt ihr zu: „Wir erkennen immer wieder, wie wichtig gerade praktische Erfahrungen bei der Entscheidung für oder gegen einen Beruf sind. Die Arbeitsagentur investiert deshalb viel in den Übergang von der Schule in den Beruf.“ 

Eine zweite Chance für den Traumberuf

Bei Laura Sophie Dinkloh war eine von der Arbeitsagentur unterstützte Einstiegsqualifizierung (EQ) der Grund dafür, sich nach einer abgebrochenen Ausbildung zur Pflegefachkraft doch gegen einen Büroberuf zu entscheiden. Laura wird nach ihrem Langzeitpraktikum eine einjährige Ausbildung zur Pflegeassistenz machen. Sie ist damit eine von zehn Auszubildenden, die im September diese Ausbildung beginnen. 

„80 Prozent unserer Praktikantinnen, Praktikanten, Ehrenamtler und Freiwilligendienstler beginnen im Anschluss eine Ausbildung bei uns“, erklärt Nicole Hönig. Sie leitet den Sozialen Dienst im Seniorenzentrum. „Sie möchten arbeiten, benötigen am Anfang aber oft Unterstützung. Es ist unser Job, sie zu begleiten und ihre Stärken zu finden. Wenn sie dann noch das Herz am rechten Fleck haben, finden wir immer eine Lösung.“

Menschen fördern, statt aussortieren

Emily Kötter (21) begleitet Bewohnerin Renate Schmidt ehrenamtlich bei einem kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Man sieht ihr an, wie gerne sie das macht. Dass sie im September eine Ausbildung zur Pflegefachkraft beginnen kann, war für sie ein langer Weg. In der Oberstufe am Gymnasium erkrankte sie an Epilepsie und hat deshalb das Abitur nicht bestanden. Auch eine Ausbildung zur Ergotherapeutin musste sie wegen der Erkrankung abbrechen. Inzwischen ist sie medikamentös gut eingestellt und hat keine epileptischen Anfälle mehr. 

„Wir fördern Inklusion und bieten Menschen mit Unterstützungsbedarf Möglichkeiten der beruflichen Weiterentwicklung an“, erklärt Katrin Köppe. Diese Einstellung ist der Grund, warum Emily nun nicht auf eine Ausbildung in einem Büroberuf ausweichen muss. Bei der AWO kann sie das tun, was sie wirklich gerne macht: Menschen helfen und begleiten.

Auch Angelina Holtz brauchte anfänglich Unterstützung. Begonnen hat sie bei der AWO als ehrenamtliche Helferin. Inzwischen leistet sie einen Bundesfreiwilligendienst. Am Anfang durfte sie nur Essen austeilen und Tische abwischen oder sich um die Haustiere kümmern. Inzwischen darf sie mehr. Auch sie startet im September die einjährige Pflegeassistenzausbildung. 

Alle Ausbildungsstellen 2026 sind besetzt

„Wir geben Chancen. Jedes Jahr wieder. Wir fahren gut damit. Unsere acht Ausbildungsstellen für die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft und die zehn Ausbildungsstellen für die einjährige Ausbildung zur Pflegeassistenz konnten wir dieses Jahr schon alle besetzen“, freut sich Einrichtungsleiter Marco Kählke.

Vier junge Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebenswegen beginnen im September ihre Ausbildung. Für sie ist es der Einstieg in einen neuen Beruf. Für das AWO Seniorenzentrum ein Baustein gegen den wachsenden Fachkräftemangel.