Der Februar brachte dem Nordosten Deutschlands nicht nur Frost und Schnee. Auch der Arbeitsmarkt wirkte in diesem Monat wie eingefroren. 11.816 Männer und Frauen waren im Bezirk der Arbeitsagentur Stralsund ohne Job. Das waren akkurat so viele wie im Januar. Die Arbeitslosenquote blieb damit wie im Vormonat unverändert bei 10,5 Prozent.
„Dass sich die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat nicht verändert hat, bedeutet nicht, dass es gar keine Bewegung am Arbeitsmarkt gegeben hat“ so Thorsten Nappe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stralsund. „Fast 2.000 Männer und Frauen haben sich in den letzten vier Wochen arbeitslos gemeldet. Aber die Zahl der Abmeldungen aus der Beschäftigungslosigkeit lag auf dem gleichen Niveau. In der Gesamtbetrachtung führt das zu der Stagnation, die wir momentan beobachten.“
Die Region Vorpommern-Rügen ist mit dieser Entwicklung im Übrigen nicht allein. In allen Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns und selbst in den angrenzenden norddeutschen Bundesländern gibt es keine oder nur kaum spürbare Veränderungen der Arbeitslosenzahlen. Besonders deutlich wird das im Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald. Der Arbeitsmarkt bewegte sich hier fast im Gleichklang mit Vorpommern-Rügen. Die Beschäftigungslosigkeit lag hier um gerade einmal zwei Personen unter dem Niveau des Vormonats. Damit verharrt die Arbeitslosenquote auch im zweiten vorpommerschen Landkreis unverändert auf dem Wert des Januars.
„Wir bewegen uns aktuell auf dem Höhepunkt der Winterarbeitslosigkeit“, so Thorsten Nappe. „Ich rechne fest damit, dass wir ab dem März wieder sinkende Zahlen beobachten können. Zumindest registrieren wir aktuell verstärkt Abmeldungen von Arbeitslosen zum anstehenden Saisonstart.“
Die Tourismussaison beginnt an der Küste traditionell mit dem Ostergeschäft und das steht Ende März an. Viele Unternehmen der Hotel- und Gastronomiebranche aber auch aus dem Handel werden daher schon im Laufe der nächsten Wochen ihr Personal aus der Arbeitslosigkeit zurückholen.
Spürbar ist das auch bei den Stellenmeldungen. Fast 2.100 offene Arbeitsstellen sind aktuell bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter gemeldet. Das sind 217 mehr als im Vormonat. Mit dabei sind neben den Tourismusberufen auch der Fertigungsbereich und das Baugewerbe. „Die langanhaltende Frostperiode hat dazu geführt, dass Außenarbeiten in den letzten Monaten nicht möglich waren. In den vergangenen Jahren war das anders. Da hatte die milde Witterung dafür gesorgt, dass die Baubetriebe zum Teil auch über die kompletten Wintermonate hindurch arbeiten konnten. Zum Start in das Frühjahr erwarte ich daher auch hier einen steigenden Bedarf an Arbeitskräften.“
Interessant ist auch ein Blick auf die aktuelle Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr. Im Februar 2025 waren noch 12.088 Männer und Frauen ohne Job. Heute sind es 272 Personen weniger. Die Arbeitslosenquote lag vor 12 Monaten noch bei 10,7 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte über dem heutigen Niveau. „Es wird spannend, ob und wann wir wieder das Arbeitslosenniveau der Vor-Coronazeit erreichen“, so Thorsten Nappe. Im Februar 2020 – also kurz vor den Einschränkungen der Coronamaßnahmen – lag die Arbeitslosenquote noch bei 9,8 Prozent. 11.025 Personen waren damals arbeitslos gemeldet. Das war mit Abstand der niedrigste Februar-Wert seit der Wiedervereinigung. „Die Tendenz zeigt bei uns bereits in die richtige Richtung: Wir nähern uns den damaligen Werten langsam wieder an. Aber eben langsam.“