Erfolgsmodell Teilzeit-Ausbildung: Agentur für Arbeit Stuttgart rückt flexible Ausbildungswege in den Mittelpunkt

Zum 15-jährigen Bestehen des landesweiten Netzwerks Teilzeitausbildung Baden-Württemberg läuft im Juni 2026 der offizielle „Monat der Teilzeitausbildung“.

12.06.2026 | Presseinfo Nr. 17

Bis zum 30. Juni 2026 initiieren die Agenturen für Arbeit gemeinsam mit Netzwerkpartnern in der Region verstärkt Informationsangebote, um das flexible Ausbildungsmodell bei Unternehmen und Ausbildungssuchenden gezielt zu bewerben. Für die Agentur für Arbeit ist die Teilzeitberufsausbildung ein wirksamer Hebel, um verborgene Fachkräftepotenziale auf dem Arbeitsmarkt zu erschließen und Arbeitslosigkeit zu verringern.


Vorteile für Bewerbende und Unternehmen

Ist eine reguläre Ausbildung in Vollzeit aufgrund familiärer Verpflichtungen, gesundheitlicher Einschränkungen oder individueller Gegebenheiten nur schwer durchführbar, kann eine Ausbildung in Teilzeit eine Lösung sein. So kann die individuelle Lebenslage berücksichtigt und trotzdem eine qualifizierte Ausbildung realisiert werden. Nicht nur für Arbeitnehmende, sondern auch für Betriebe hat das Modell der Teilzeitberufsausbildung viele Vorteile: Sie können ihre Attraktivität als Arbeitgebende steigern, den potenziellen Kreis an Bewerberinnen oder Bewerbern erweitern, die Abbruchquote senken und die Bindung der Fachkräfte erhöhen. So kann die Ausbildung in Teilzeit ein Baustein im Kampf gegen den Fachkräftemangel darstellen.


Digitaler Türöffner: Der neue Online-Teilzeitrechner der BA

Gerade vor dem Hintergrund von Fachkräftemangel und Jugendarbeitslosigkeit braucht es mehr direkte Wege in Ausbildung und weniger Umwege über das Übergangssystem. Die Teilzeit-Ausbildung kann hier ein echter Türöffner sein: Sie ermöglicht jungen Menschen, die zusätzliche Sprachförderung benötigen oder mehr Zeit für die Familie brauchen, den direkten Einstieg.

Zur praktischen Unterstützung im Beratungsprozess bietet die BA ab sofort ein neues, digitales Hilfsmittel:

Der Online-Teilzeitrechner der Bundesagentur für Arbeit: Direkt über die Webseite der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit lässt sich das interaktive Tool aufrufen. Um einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu gewährleisten, steht der Rechner in mehreren Sprachen zur Verfügung.
Fundierte Gesprächsgrundlage: Der Rechner macht individuelle Wege planbar. Er zeigt konkret auf, was passiert, wenn eine Ausbildung mit reduzierter Arbeitszeit absolviert wird: Verlängert sich die Ausbildungsdauer? Oder greifen Regelungen aus dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), die eine Verkürzung ermöglichen? Das schafft Transparenz und eine ideale Basis für Gespräche zwischen Auszubildenden, Betrieben und Beratenden.

Zukunftssichere Flexibilität: Eine Ausbildung, die zunächst in reduzierter
Arbeitszeit startet, kann jederzeit flexibel in eine Vollzeit-Berufsausbildung überführt werden – ein innovativer Ansatz, der langfristige Perspektiven schafft und mehr Teilhabe ermöglicht.


Gezielte Förderung sichert den Ausbildungserfolg

Dass schwierige Startbedingungen oder komplexe Lebenslagen kein Hindernis für eine erfolgreiche Integration auf dem Arbeitsmarkt sind, beweisen vier aktuelle, vollständig anonymisierte Praxisbeispiele aus der täglichen Beratung der Agentur für Arbeit Stuttgart. Sie zeigen, wie die Berufsberatung Ausbildungssuchende und betriebliche Partner erfolgreich zusammenbringt und dauerhaft begleitet:

Fall 1: Neustart im kaufmännischen Bereich – Enge Verzahnung mit regionalem Betrieb

  • Die Ausgangslage: Nach dem mittleren Schulabschluss und einem
    abgebrochenen Erstversuch verzögerte eine mehrjährige Phase der
    Alleinerziehung unter stark belastenden Rahmenbedingungen den Einstieg. Das Ziel einer Ausbildung verlor die junge Mutter jedoch nicht aus den Augen.
  • Der Erfolgsweg: Die Agentur für Arbeit Stuttgart ermöglichte den Einstieg über eine kaufmännische Teilzeit-Ausbildung im Modell der außerbetrieblichen Ausbildung (BaE). Während ein Bildungsträger den Rahmen koordiniert, findet die praktische Ausbildung direkt in einem Kooperationsbetrieb statt. Die Arbeitszeit ist flexibel auf die familiären Betreuungszeiten abgestimmt, um den vollwertigen Abschluss in der regulären Dreijahreszeit zu erreichen.
  • Erfolgsfaktor: Das Zusammenspiel aus privater Kinderbetreuung und der prozessbegleitenden Unterstützung durch die Berufsberatung, den Träger und den ausbildenden Partnerbetrieb.

Fall 2: Spitzenleistung im Lebensmitteleinzelhandel – Vom Praktikum zur
Festanstellung

  • Die Ausgangslage: Ein schlechter Hauptschulabschluss und die alleinige Verantwortung für ein Kind erschwerten den Zugang zum regulären Ausbildungsmarkt erheblich. Das primäre Ziel der jungen Mutter war es, nicht in unqualifizierten Helferjobs zu verbleiben, sondern eine solide berufliche Basis zu schaffen.
  • Der Erfolgsweg: Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Stuttgart vermittelte die Kundin in eine zweijährige BaE-Teilzeit-Ausbildung zur Verkäuferin. Die gesamte praxisbezogene Ausbildung durchlief sie in einem Kooperationsbetrieb des Lebensmitteleinzelhandels.
  • Das Ergebnis: Sie schloss ihre Gesellenprüfung mit herausragenden Noten ab und wurde als jahrgangsbeste Absolventin ihres Berufs im gesamten Kammerbezirk ausgezeichnet. Unmittelbar nach dem Abschluss übernahm sie ihr Praktikumsbetrieb in ein festes, dauerhaftes Arbeitsverhältnis.

Fall 3: Sprachbarrieren gemeistert – Direkte Ausbildung im Friseurbetrieb

  • Die Ausgangslage: Die heute Ende 40-Jährige zog vor einigen Jahren aus dem europäischen Ausland nach Deutschland. Ohne anerkannte Ausbildung, mit drei Kindern und anfänglich erheblichen Sprachbarrieren stand sie vor großen Hürden.
  • Der Erfolgsweg: Die Kundin wurde über das Instrument der Assistierten Ausbildung (AsA) direkt bei einem Friseurbetrieb angestellt. Die Agentur für Arbeit Stuttgart finanzierte die begleitende Unterstützung durch einen Bildungsträger, der im Hintergrund sprachbedingte Krisen und Lernschwierigkeiten in der theoretischen Berufsschule abfederte.
  • Das Ergebnis: Dank der kontinuierlichen Begleitung bestand sie die Prüfung, wurde vom Ausbildungsbetrieb fest übernommen und arbeitet dort bis heute erfolgreich in ihrem Beruf.

Fall 4: Struktur und Stabilität im Büromanagement – Erfolgreiche Übernahme

  • Die Ausgangslage: Nach dem mittleren Schulabschluss folgten für die junge Frau unstete Jahre mit insgesamt drei abgebrochenen Ausbildungen. Als alleinerziehende Mutter stand sie ohne Berufsabschluss vor einer ungewissen wirtschaftlichen und persönlichen Zukunft.
  • Der Erfolgsweg: Der Wendepunkt gelang über eine dreijährige BaETeilzeitausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Die gesamte betriebliche Praxisphase absolvierte sie bei einem festen wirtschaftlichen Kooperationsbetrieb.
  • Das Ergebnis: Die Flexibilität der reduzierten Arbeitszeit in Kombination mit der engmaschigen sozialpädagogischen Begleitung gab ihr die nötige Stabilität. Sie schloss die Ausbildung erfolgreich ab und wurde im Anschluss nahtlos von ihrem Kooperationsbetrieb übernommen, wo sie bis heute tätig ist.

Die Erfahrungen in der Beratungsarbeit der Agentur für Arbeit Stuttgart zeigen deutlich: Eine Teilzeit-Ausbildung bietet Menschen mit unterschiedlichen Herausforderungen und Lebensentwürfen eine gute Chance auf einen vollwertigen Berufsabschluss. Für die Agentur für Arbeit Stuttgart ist dieses Modell ein wichtiges Instrument zur nachhaltigen Fachkräftesicherung. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im engen Zusammenspiel der Partner – von der Berufsberatung über die Bildungsträger bis hin zu den engagierten regionalen Betrieben, die im Rahmen von BaE und AsA Verantwortung übernehmen und motivierten Talenten eine Chance in der Praxis geben.

Weitere Informationen und Beratung bietet der Arbeitgeber-Service der
Agentur für Arbeit Stuttgart.