Berufliche Weiterbildung bringt weiter

Integration einer syrischen Ärztin am nordthüringer Arbeitsmarkt

19.03.2024 | Presseinfo Nr. 19

Vor zwei Jahren kam Sahar Abbas über das Aufnahmeprogramm aus Syrien ins Eichsfeld nach Heilbad Heiligenstadt. Die junge Frau beschreibt einen schwierigen Weg zur Berufserlaubnis als Ärztin. Vor allem ihre Familie half ihr dabei die Sprache, die Leute, ihre Gedanken und die Regeln besser zu verstehen. Aber auch ihre Vermittlerin in der Arbeitsagentur war ein bedeutsamer Partner an Sahars Seite auf diesem Weg.

Die deutsche Sprache, das ist ein Schlüssel für mich. Und gleichzeitig war sie die größte Herausforderung. Sahar verfügte bei ihrer Einreise über ein abgeschlossenes Medizinstudium und Berufserfahrung mit UNFBA, IPPF und UNICEF sowie über Sprachkenntnisse im Englischen, Französischen und ihrer Muttersprache Arabisch. Aber um hier in ihrem Beruf arbeiten zu können braucht es mehr. Die deutsche Sprache beschreibt sie als elementar um sich unterhalten, bewerben, Vorstellungsgespräche absolvieren und mit Patienten kommunizieren zu können. Da nach ihrer Einreise kein Sprachkurs in näherem Umfeld zu finden war, brachte sie sich deutsch über digitale Medien selbst bei. So schaffte sie es mithilfe von

YouTube, Instagram und Facebook sich auf die B1-Prüfung vorzubereiten. Ein anschließender Freiwilligendienst bei der Caritas verhalf ihr dabei, ihre Kenntnisse anzuwenden und auszubauen. Ihr gelang der erfolgreiche Abschluss der B2-Prüfung ohne an einem Kurs teilgenommen zu haben. Für die Fachsprachprüfung war ein Vorbereitungskurs jedoch unumgänglich. Sahar hätte die Kosten dafür nicht allein tragen können. Es war ihre Chefin bei der Caritas, die sie zur Arbeitsagentur schickte. Mithilfe eines Bildungsgutscheins konnte sie an dem Kurs teilnehmen. Innerhalb von drei Monaten bereitete sich die ehrgeizige Frau in Vollzeit auf die Prüfung vor und bestand sie im ersten Versuch.

Ich bin wirklich dankbar, dass mir Frau Bachmann von der Arbeitsagentur in Leinefelde gezeigt hat, wie ich eine Stelle als Ärztin finden kann. Noch hat Sahar keine Berufserlaubnis als Ärztin. Hierfür benötige sie die Zustimmung des Thüringer Landesverwaltungsamts und eine Einstellungszusage. Ihre Arbeitsvermittlerin, Andrea Bachmann, zeigte ihr, wie sie nach Stellen suchen und sich darauf bewerben kann: „Frau Bachmann hat mir den Computer geöffnet und mir gezeigt, wie ich eine Stelle finden kann.“ Nach zehn Bewerbungen hatte die junge Ärztin ihre erste Einladung zu einem Vorstellungsgespräch im Eichsfeldklinikum. „Der Chefarzt war zum Glück sehr nett und wollte mir helfen“, erinnert sie sich glücklich. Sie erhielt die Chance eines vergüteten Praktikums und die Zusage anschließend als Assistenzärztin für Anästhesie und Intensivmedizin zu arbeiten.

Wir müssen sehr viel lernen aber es lohnt sich. Erst seit April 2023 bestünde für syrische Ärzte die Möglichkeit ihre Berufserlaubnis für zwei Jahre zu bekommen. Anschließend sei es erforderlich die Kenntnisprüfung vor der Ärztekammer abzulegen. Sahar schätzt das Gesundheitssystem in Deutschland, die Erfahrungen und Qualifikationen der Oberärzte und das Versicherungssystem über welches Patienten Zugang dazu erhalten. Bevor sie nach 

Deutschland gekommen ist, habe sie auch über die USA oder Großbritannien als Zielländer nachgedacht. Es wäre schon wegen der Sprache einfacher für sie gewesen. Ihre Entscheidung für Deutschland und dafür, hier als Ärztin tätig werden zu wollen, traf sie bewusst. Dabei nahm sie bürokratische Hürden und eine völlig neue Sprache erlernen zu müssen, mutig in Kauf.

Sahar Abbas ist sicher, dass es wichtig sei um miteinander arbeiten zu können, sich gegenseitig zu akzeptieren und Verständnis für unterschiedliche Denk- und Sichtweisen aufzubauen. Ihr Beispiel macht deutlich, dass selbst bei guter Qualifikation und hoher Motivation die berufliche Integration Geflüchteter viel Zeit in Anspruch nimmt. Sie erfordert es aufeinander zuzugehen und eng zusammen zu arbeiten. Die Arbeitsagentur nimmt hierbei Mittlerfunktion ein, berät sowohl Arbeitsuchende als auch Betriebe und unterstützt durch finanzielle Förderung. „Denken wir an unsere Zukunft. Gemeinsam kommen wir weiter“, fasst Karsten Froböse, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Thüringen Nord zusammen.

PI-SYR

Foto: Agentur für Arbeit 

Adrea Bachmann, Agentur für Arbeit Leinefelde-Worbis (links), unterstützt Sahar Abbas, Ärztin aus Syrien (rechts), durch Förderung der beruflichen Weiterbildung und persönliche Beratung auf dem Weg in den nordthüringer Arbeitsmarkt