
Dezember 2025: Arbeitslosigkeit 3 % unter Vorjahreswert
Das vergangene Jahr endete mit positiven Nachrichten –12.290 Arbeitslose verzeichnete die Agentur für Arbeit Thüringen Nord, 2,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. „Die Jugendarbeitslosigkeit im Dezember war allerdings höher als vor einem Jahr. Menschen ohne Berufsabschluss und Berufserfahrung verlieren in wirtschaftlich angespannten Zeiten eher ihren Job. Deshalb werden wir auch im neuen Jahr unsere Anstrengungen vor allem auf Bildung richten. Nordthüringens Arbeitsmarkt braucht bereits heute und künftig noch mehr gut ausgebildete Fachkräfte“, betont Karsten Froböse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Thüringen Nord beim Pressegespräch zum Jahresrückblick. Ausbildung ist dabei die stärkste Säule. Mit dem Ziel, mehr Ausbildung in der Region erfolgreich umzusetzen wurde vor vier Jahren der Tag in der Praxis pilotiert. „Wir hatten 3,5 Prozent mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im letzten Jahr als 2024! Das bestätigt uns – die Anstrengungen aller, die sich für Berufsorientierung und Ausbildung engagieren, lohnen sich!“, so Froböse. Bundesweit war die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse rückläufig.
Anhaltend hoher Beschäftigungsrückgang im 1. Halbjahr 2025

Ende Juni 2025 waren 115.857 Personen sozialversicherungspflichtig in Nordthüringen beschäftigt – 2.195 weniger als noch ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang der Beschäftigung um 1,9 Prozent zum Vorjahreswert. Damit gehört der Agenturbezirk zu den zehn am stärksten betroffenen Bezirken bundesweit. Vor allem die Zeitarbeit und das Verarbeitende Gewerbe verloren in den vergangenen 1,5 Jahren Beschäftigte. Im Juni waren 2.040 Personen weniger in diesen Wirtschaftsbereichen tätig als im Juni 2024.
Neben der Konjunktur sorgt auch die demografische Entwicklung für weniger Beschäftigung in Nordthüringen: 26,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind älter als 55 Jahre. Sie treten zunehmend aus dem Erwerbsleben aus und hinterlassen Lücken in den Betrieben, die allein durch bereits beschäftigte Jüngere nicht zu füllen sind. Weniger als zehn Prozent aller Beschäftigten sind jünger als 25 Jahre. Das Beschäftigungspotential deutscher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nimmt ab und wird auch in den kommenden Jahren weiter sinken.
Daher ist die Beschäftigung von Ausländern wichtig, um den Arbeitskräftebedarf zu decken. Ende Juni 2025 waren 9.587 Ausländer in Nordthüringen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 239 Personen bzw. 2,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anteil ausländischer Beschäftigter lag bei 8,3 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. Etwa die Hälfte von ihnen stammt aus dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz. Die Zahl der Beschäftigten aus diesen Ländern sank jedoch zum Vorjahresmonat um 11,4 Prozent. Zugenommen hat die Zahl der Beschäftigten aus Drittstaaten: Inzwischen arbeiten fast 5.000 von ihnen in Nordthüringen, 20,2 Prozent mehr als im Juni 2024.
Weniger Arbeitslose trotz negativer Beschäftigungsentwicklung
Trotz der angespannten Lage am Arbeitsmarkt entwickelten sich die Arbeitslosenzahlen im letzten Jahr besser als erwartet. Über den Jahresverlauf waren durchschnittlich 12.539 Frauen und Männer arbeitslos, 200 Personen bzw. 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote für den Agenturbezirk betrug 6,8 Prozent, 2024 lag sie bei 6,9 Prozent. „Weniger Arbeitslose als vor einem Jahr, das ist in vielen Regionen Deutschlands aktuell leider nicht der Fall. Dieses Ergebnis ist vor allem auf die erfolgreiche Integrationsarbeit in den Jobcentern zurückzuführen. Dort ist es über das gesamte Jahr hinweg gelungen, die Arbeitslosigkeit zu senken“, erläutert der Agenturleiter. Im Landkreis Nordhausen entwickelten sich die Arbeitslosenzahlen am günstigsten. Mit 3.403 arbeitslosen Frauen und Männern im Jahresdurchschnitt 2025 sank die Arbeitslosigkeit hier um 3,4 Prozent zum Vorjahr. Auch im Kyffhäuserkreis und im Eichsfeld waren 2025 im Durchschnitt weniger Personen arbeitslos als im Vorjahr. Im Unstrut-Hainich-Kreis hingegen stieg die Arbeitslosigkeit zum Vorjahr leicht an. 2025 waren hier 3.676 Arbeitslose gemeldet, 0,9 Prozent bzw. 34 Personen mehr als 2024. Während das Jobcenter Unstrut-Hainich-Kreis 2,3 Prozent weniger Arbeitslose betreute, stieg die Zahl der Arbeitslosen in der Arbeitsagentur konjunkturbedingt um 7,4 Prozent.

Ausländerarbeitslosigkeit gesunken
Bis 2023 war die Zuwanderung Geflüchteter in den Agenturbezirk ausschlaggebend für steigende Arbeitslosenzahlen. Betroffen davon waren vor allem die Jobcenter. Den Höchststand erreichte die Ausländerarbeitslosigkeit im Jahr 2023 mit mehr als 2.700 Personen. In den vergangenen zwei Jahren konnte diese Zahl allerdings gesenkt werden: 2.411 Ausländer waren im Jahresdurchschnitt 2025 arbeitslos gemeldet, 10,3 Prozent weniger als 2024. Die Arbeitslosenquote betrug 21,4 Prozent. 2024 lag sie noch bei 26,9 Prozent.
Dieser Effekt trat in allen vier Landkreisen des Agenturbezirks auf. Am stärksten war er 2025 in Nordhausen. Während hier die Arbeitslosenquote der Ausländer im Jahr 2024 bei 33,8 Prozent lag, konnte sie im Jahresdurchschnitt 2025 auf 25,3 Prozent gesenkt werden. „Auch das ist noch eine sehr hohe Quote. Es bleibt deshalb weiterhin unsere Aufgabe, arbeitslose Migrantinnen und Migranten zu qualifizieren und zu vermitteln“, erklärt Froböse.
3 von 4 arbeitslosen Jugendlichen haben keinen (anerkannten) Berufsabschluss
Jeder zehnte Arbeitslose war im vergangenen Jahr jünger als 25 Jahre. Insgesamt betreuten die Arbeitsagenturen und Jobcenter Nordthüringens 1.275 arbeitslose Jugendliche. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen betrug 7,4 Prozent.
Die höchste Jugendarbeitslosigkeit wies der Landkreis Nordhausen auf. Die Arbeitslosenquote der Jüngeren belief sich auf 9,7 Prozent und lag damit im Jahresdurchschnitt 0,1 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Im Jahresverlauf zeigten sich jedoch auch die Erfolge der Maßnahmen zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit. Seit September 2025 lag die Zahl arbeitsloser unter-25-Jähriger unter dem jeweiligen Vorjahreswert.
Im Eichsfeld, dem Kyffhäuserkreis und dem Unstrut-Hainich-Kreis konnte die durchschnittliche Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen zum Vorjahr gesenkt werden. Im Unstrut-Hainich-Kreis war die Differenz zum Jahresdurchschnittswert 2024 am größten. Dort betrug die Arbeitslosenquote der 15-25-Jährigen 8,5 Prozent. Im Vorjahr lag sie noch bei 9,4 Prozent.
75 Prozent (956) aller arbeitslosen Jugendlichen verfügten über keinen oder keinen anerkannten Berufsabschluss. Ohne Qualifikation steigt das Risiko arbeitslos zu werden maßgeblich: Die Arbeitslosenquote von Hilfskräften lag 2024 thüringenweit bei 18,9 Prozent. Damit war sie fünfmal so hoch wie die von Fachkräften. Deshalb haben Aus- und Weiterbildung auch 2026 besondere Bedeutung für die Fachkräftesicherung in der Region.
Tragendes Element bleibt die duale Berufsausbildung. Damit sichern Nordthüringens Betriebe ihre Personalbedarfe von morgen. Doch das eine ist es, Ausbildungsplätze anzubieten, das andere, sie zu besetzen. In Nordthüringen arbeiten Schule, Arbeitsagentur, und Kammervertreterinnen und -vertreter seit Jahren Hand in Hand, um den Übergang von Schule in den Beruf erfolgreich zu gestalten. Von besonderer Bedeutung ist die berufliche Orientierung junger Menschen. Je früher und besser sie die Betriebe der Region kennen, desto höher ist die Chance, dass sie eine Ausbildung vor Ort aufnehmen. Unter dieser Prämisse wurde der Tag in der Praxis (TiP) 2022 an drei Regelschulen pilotiert. Binnen vier Jahren wuchs die Nordthüringer Initiative auf inzwischen 28 teilnehmende Regelschulen und mehr als 1.200 Praktikumsbetriebe. Denn inzwischen haben sich die Vorteile der kontinuierlichen Berufsorientierung herumgesprochen: Mit TiP gewinnt die gesamte Region! Schülerinnen und Schüler können sich besser für ihren Beruf entscheiden, Betriebe haben die Chance, junge Menschen frühzeitig an sich zu binden und mit ihnen ihre Ausbildungsplätze zu besetzen und langfristig profitiert Nordthüringens Wirtschaft von ausgebildeten Fachkräften. Der Anfang dafür ist getan, belegen die Zahlen der neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge: „In Nordthüringen haben letztes Jahr 1.314 junge Menschen eine betriebliche Ausbildung neu begonnen. Das sind 3,5 Prozent mehr Ausbildungsverträge als 2024 – und das in einer Zeit, in der wir starken Beschäftigungsrückgang haben“, stellt Karsten Froböse deutlich hervor. Bundesweit ging die Zahl der neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge um 2,6 Prozent zurück.