Berufsorientierung 2.0: TiP revolutioniert den Berufseinstieg in Nordthüringen

Gegen den Bundestrend: In Nordthüringen wurden letztes Jahr 3,5 % mehr betriebliche Ausbildungsverträge abgeschlossen – Auch Pascal fing letztes Jahr eine Ausbildung an. Seinen Ausbildungsbetrieb lernte er während seinem „Tag in der Praxis“ kennen.

14.01.2026 | Presseinfo Nr. 2

Bessere Berufsorientierung, mehr Ausbildung vor Ort, weniger Ausbildungsabbrüche – Im Jahr 2022 pilotierten die Agentur für Arbeit Thüringen Nord, das Nordthüringer Schulamt, die regionale IHK und die örtlichen Kreishandwerkerschaften gemeinsam den Tag in der Praxis (TiP) an drei Regelschulen im Bezirk. Seitdem wächst die Initiative und zeigt ihre ersten Erfolge. 

„Wir verbessern mit TiP den Übergang von der Schule in den Beruf. Damit helfen wir auch den Unternehmen bei der Fachkräftesicherung. So gewinnt am Ende die gesamte Region“, ist Karsten Froböse, Vorsitzender der Agentur für Arbeit Thüringen Nord, überzeugt. Die Zahlen geben ihm Recht: 2025 wurden 3,5 Prozent mehr neue Ausbildungsverträge in Nordthüringen abgeschlossen als im Jahr zuvor. Bundesweit lag die Zahl 2,6 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Eine der Pilotschulen aus dem Jahr 2022 ist die Staatliche Regelschule Franzberg in Sondershausen. Inzwischen ist TiP hier fester Bestandteil der Berufsorientierung. Pascal Buchwald (17) hat in der Franzberg-Schule seinen Realschulabschluss absolviert. Über TiP lernte er die isoplus Fernwärmetechnik GmbH kennen. Heute ist er Auszubildender Maschinen- und Anlagenführer im Unternehmen und auch nach inzwischen fünf Monaten sehr zufrieden mit seiner Entscheidung. 

Pascal zeigt, was kontinuierliche Berufsorientierung bewirkt: Über ein Jahr hinweg hat er vier verschiedene Betriebe kennengelernt. Neben gewerblich-technischen Berufen setzte er sich auch mit handwerklichen Berufen auseinander. Nach seinem Praktikum bei ISOPLUS stand für ihn fest, dass er dort seine Ausbildung machen möchte: Schweißen lernen und mit hochmodernen Robotern arbeiten reizten ihn besonders. Die isoplus Fernwärmetechnik GmbH bedient eine wachsende Branche – Fernwärmetechnik wird zunehmend nachgefragt, motivierte Mitarbeitende werden gebraucht, betont Axel Kirstein, Geschäftsführer des 1991 gegründeten Unternehmens. Am Tag in der Praxis (TiP) beteiligt sich der Betrieb deshalb von der ersten Stunde an. Allein bei ISOPLUS können Schülerinnen und Schüler fünf Ausbildungsberufe kennenlernen. „Mit TiP haben wir frühzeitig Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern, lernen die Menschen hinter den Zeugnisnoten kennen und können sie bestenfalls langfristig an unser Unternehmen binden“, weiß Kirstein. Auch Florian Richter, Personalreferent im Unternehmen bestätigt: „Wer beim Tag in der Praxis Interesse zeigt und sich gut macht, spart sich das Bewerbungsverfahren für eine Ausbildung.“

Pascal steht exemplarisch für 1.314 Auszubildende, die im Jahr 2025 eine betriebliche Berufsausbildung in Nordthüringen aufgenommen haben. Das waren 3,5 Prozent mehr Ausbildungsverträge als im Jahr 2024 - eine auffällig positive Entwicklung gegen den Bundestrend. Trotz stabiler Beschäftigung sank die Anzahl der neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbildungsverträge deutschlandweit um 2,6 Prozent zum Vorjahr - Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist durch wirtschaftliche Unsicherheiten gebremst. Nordthüringen hingegen gehört zu den zehn Regionen bundesweit mit dem stärksten Beschäftigungsrückgang. Vor allem Betriebe, die als Zulieferer für die Automobilindustrie arbeiten, gerieten in den letzten drei Jahren unter Druck. Aber auch Altersabgänge zeigen sich immer deutlicher in der Beschäftigungsstatistik: 100 über 55-jährigen Beschäftigten stehen nur 37 unter 25-jährige gegenüber. „Konjunktur und die Demografie sorgen für einen starken Beschäftigungsrückgang im Agenturbezirk“, ordnet Froböse ein. Doch die demografische Entwicklung wirkt kontinuierlich und branchenunabhängig. Mit TiP haben die örtliche Arbeitsagentur, das Schulamt, die regionale IHK und die Kreishandwerkerschaften vor vier Jahren eine Initiative gestartet, die dem demografisch bedingten Fachkräftemangel begegnen soll. Das Plus an Azubis in der Region belegt deutlich: Die Bemühungen um eine bestmögliche Berufsorientierung sind eine gewinnbringende Investition. Inzwischen beteiligen sich mehr als 60 Prozent der Regelschulen in Nordthüringen und über 1.200 Betriebe am Tag in der Praxis. Ab diesem Jahr führt auch ein Förderzentrum TiP durch. „Gerade junge Menschen mit Förderbedarfen brauchen unsere Unterstützung für den erfolgreichen Übergang von der Schule in das Berufsleben“, betont der Agenturleiter. 
 

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Pascal Buchwald (17), AuszubildenderMaschinen- & Anlagenführer, Anlagenführer bei isoplus Fernwärmetechnik GmbH,Foto: Agentur für Arbeit Thüringen Nord