Rückgang der Arbeitslosigkeit, aber neue Arbeitsstellen bleiben aus

30.04.2026 | Presseinfo Nr. 12

Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Thüringen Südwest ist im April saisontypisch gefallen, konkret um 0,2 Prozentpunkte auf einen Wert von 5,6 %. 

„Es sind zwar immer noch 12.827 Frauen und Männer ohne Arbeit, dennoch ist der Rückgang um 255 Personen gegenüber dem Monat März erfreulich“, analysiert Holger Bock, Geschäftsführer Operativ der Suhler Arbeitsagentur. „Der Winter war zwar kalt, aber es gab keine langen Niederschlagsphasen und in den Außenberufen im Tief- und Hochbau sowie den Garten- und Landschaftsberufen konnte die Arbeit frühzeitig wieder aufgenommen werden. Im Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) sind aktuell gegenüber dem Vormonat 187 Personen weniger arbeitslos, im Rechtskreis SGB II (Grundsicherung) ist die Zahl um 68 zurückgegangen.

Die Agentur Thüringen Südwest ist neben der Agentur Thüringen Nord eine von nur zwei Agenturen in der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, die im Vergleich zum Vorjahresmonat April 2025 einen Bestandsrückgang an Arbeitslosen aufweist. Diese Senkung wird ausschließlich durch die Entwicklung im Rechtskreis SGB II getragen. Hier sind es jetzt 412 Arbeitslose weniger, im Rechtskreis SGB III sind aktuell 234 Personen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen.“

Geschäftsführer Bock rät vor diesem Hintergrund vor zu hohen Erwartungen ab. „Die Lage am Arbeitsmarkt präsentiert sich verhalten. Das Verhältnis von Zugängen in Arbeitslosigkeit und Abgängen in Erwerbstätigkeit hat sich gegenüber dem Frühjahr 2025 leicht verbessert, trotzdem halten sich die Zahlen neuer Arbeitsloser und Personen, die wieder in Arbeit gekommen sind, im Moment in etwa die Waage. Das ist saisonuntypisch, eigentlich sollten die Einstiege in Arbeit jetzt deutlich überwiegen. Eine Frühjahrsbelebung ist derzeit noch nicht ersichtlich. Was uns im April auch Sorgen bereitet, sind die rückläufigen Stellenzugänge aus Industrie, Handel und Handwerk. Die Zahl von 623 neu gemeldeten Arbeitsstellen ist gegenüber dem März 2026 mit -153 Stellen um fast ein Fünftel zurückgegangen.“ 

„Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Agenturbezirk ist ein weiterer wichtiger Indikator zur Beurteilung der aktuellen konjunkturellen Situation. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg ist dieser Wert im April wiederholt abgesunken. Derzeit sind im Agenturbezirk 150.496 Frauen und Männer in Arbeit, 197 weniger als im März. Im Vorjahreszeitraum lag der Wert noch fast bei 155.000 Beschäftigten. Nach wie vor sind auch die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Krieges noch nicht in der Statistik der Bundesagentur angekommen. Unter unveränderten Rahmenbedingungen bleibt zu befürchten, dass eine maßgebliche Besserung am Arbeitsmarkt kurzfristig nicht eintreten wird.“

 

Fakten zum Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote der Agentur für Arbeit Thüringen Südwest wird im April mit 5,6 % berechnet und ist die mit Abstand niedrigste im Land Thüringen (6,5 %). Sachsen-Anhalt hat derzeit eine Quote von 8,1 %. Statistisch zusammengefasst bedeutet das für die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen eine Arbeitslosenquote von 7,3 %. Im Agenturbezirk Thüringen Südwest sind im April 12.827 Personen ohne Arbeit. Der Bestand an Arbeitslosen ist gegenüber dem Vormonat März um 255 Personen gesunken, das ist ein Rückgang von 1,9 %. Im Vergleich mit dem April 2025 ist der Bestand um 178 Personen und um -1,4 % zurückgegangen.

Die Zugänge zum Bestand der Arbeitslosen werden aktuell mit insgesamt 2.558 Personen gezählt, damit 56 Personen und +2,2 % mehr als im März. Davon kommen 1.045 Betroffene direkt aus der Erwerbstätigkeit und 499 aus Ausbildung oder sonstigen Maßnahmeteilnahmen.

Der Abgang aus Arbeitslosigkeit ist im April 2.799 Personen gelungen, 101 Frauen und Männern und + 10,8 % mehr als im Vormonat. Von diesen Personen konnten gegenwärtig 1.037 Menschen wieder in Erwerbstätigkeit kommen. In Ausbildung und sonstige Maßnahmen sind weitere 486 ehemalige Arbeitslose eingemündet. 

Für den April wurden 632 Zugänge an gemeldeten Arbeitsstellen ausgewiesen. Damit liegen diese Neuzugänge um 153 Stellen niedriger als im Vormonat, das bedeutet einen Rückgang von exakt -19,5 %. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt der aktuelle Wert um 20 Stellen niedriger (-3,1 %). Der aktuelle Bestand an 3.384 offenen Stellen ist um 10 Stellen gesunken (-0,3 %) und liegt damit um 287 Stellenangebote (-7,8 %) unter dem April-Wert von 2025.

Die Branchen mit den größten Beständen an Arbeitslosen sind mit 2.658 Personen die Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufe mit einem Anteil von 20,7 % am Bestand aller Arbeitslosen. In den Verkehrs- und Logistikberufen sind 1.826 Personen von Arbeitslosigkeit betroffen (14,2 %), gefolgt von den Handelsberufen mit 1.132 Arbeitslosen (8,8 %). Die geringste Betroffenheit gibt es für Beschäftigte in der Informationstechnik und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen. Im April haben sich aus dieser Branche 138 Personen arbeitslos gemeldet. 

Neu gemeldete Arbeitsstellen sollten die Beschäftigungsverhältnisse kompensieren, die durch das Eintreten von Arbeitslosigkeit frei werden, allerdings in deutlich unterschiedlichem Maße. Im Bestand gibt es gegenüber dem März 10 neue Stellen weniger (-0,3 %). Von den 3.384 im April gemeldeten Stellen im Agenturbezirk entfallen 1.330 neue Jobangebote wiederum auf die Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufe. In medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen sind 494 neue Stellen zu besetzen, in den Berufen der Verkehrs- und Logistikbranche werden 321 neue Stellen angeboten. Im Vergleich mit dem Vorjahr liegt die Zahl der Neuzugänge an Arbeitsstellen über alle Branchen hinweg aber aktuell um 287 niedriger als im Monat April 2025 (-7,8 %).

Im April 2026 lagen der Agentur für Arbeit Thüringen Südwest 21 Anzeigen zu Kurzarbeit aus wirtschaftlichen und konjunkturellen Gründen vor. Das Kurzarbeitergeld ist eine Lohnersatzleistung, sie soll den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen ihre Arbeitsplätze erhalten und den Betrieben ihre eingearbeiteten Arbeitskräfte. Überwiegend kamen die Anzeigen aus Unternehmen der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie mit Schwerpunkt in der Wartburgregion und aus den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen sowie Hildburghausen. Betroffen waren dabei 514 Personen, für die Kurzarbeit anstehen könnte. 

 

Fakten zum Ausbildungsmarkt

Für das Ausbildungs- und Berichtsjahr 2025/2026 haben sich im März 2026 im Agenturbezirk Thüringen Südwest bereits 1.559 Jugendliche als Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen registrieren lassen, damit schon 69 Personen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Als Angebot an ausgeschriebenen Berufsausbildungsstellen werden derzeit 1.595 Stellen ausgewiesen. Momentan noch führen statistische Ungenauigkeiten bei der Abbildung dieser Stellen dazu, dass die Zahlen in geringem Maße unterzeichnet sind. An einer Berichtigung wird bereits gearbeitet, bis zum Juni / Juli werden wieder korrekte Werte vorliegen.

Die stagnierende wirtschaftliche Gesamtsituation wirkt sich auch auf den Ausbildungsmarkt aus. „Aus den Unternehmen ist Verunsicherung und Zurückhaltung zu verspüren, daher werden momentan auch weniger Ausbildungsstellen angeboten. Angesichts der wirtschaftlich angespannten Situation sollte jedoch die Ausbildung eines gut ausgebildeten und verlässlichen Nachwuchses nicht vernachlässigt werden“, mahnt Geschäftsführer Holger Bock. „Die Ausbildung von eigenen Fachkräften ist eine wichtige Investition in die Zukunft unserer Unternehmen und ist angesichts der demografischen Entwicklung dringend notwendig.

Für die Jugendlichen ihrerseits ist es derzeit sehr wichtig, sich frühzeitig zu informieren und zu orientieren. Dann klappt es auch in der Regel mit einer Ausbildung in der Region. Darüber hinaus stehen ihnen die Berufsberaterinnen und Berufsberater der Agentur und die Angebote unseres Berufsinformationszentrum (BIZ) jederzeit mit ihren vielfältigen Beratungsangeboten zur Verfügung!“

 

Personengruppen

Der Bestand der arbeitslosen Frauen hat sich im März um 28 Personen verringert, die arbeitslosen Männer verringerten sich um 227.

Von der positiven Entwicklung konnten im April 2026 alle Altersklassen der Arbeitslosen profitieren. Im Alterssegment der Jüngeren im Alter von 15 bis unter 25 Jahren sind gegenüber dem Vormonat 76 Personen weniger arbeitslos (-5,4 %). Dennoch werden gegenwärtig in dieser Altersklasse 1.323 Jugendliche durch die Agentur betreut, 31 mehr als im Vorjahr (+2,4 %). 

In der Altersklasse der Älteren über 50 Jahren sind im April 4.918 Frauen und Männer (38,3 %) zu finden. Dieser Bestand hat sich gegenüber dem Monat März um 26 Personen (0,56 %) verringert. Auch gegenüber dem April 2025 sind in dieser Altersgruppe weniger Personen betroffen, ein Rückgang von 39 Älteren bedeutet -0,8 %.

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) werden von 5.967 Arbeitslosen derzeit 751 Personen als Langzeitarbeitslose gezählt, 47 Personen mehr als im März (+6,7 %). Der Bestand an Langzeitarbeitslosen ist gegenüber dem April 2025 um 164 Personen angewachsen (+27,9 %).

Über 54 % der 6.860 Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) sind von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Nach der Aprilzählung sind unverändert 3.721 Frauen und Männer ein Jahr oder länger arbeitslos. Damit ist der Stand gegenüber dem Vormonat konstant geblieben und liegt um -58 Personen leicht unter dem Vorjahresniveau (-1,5 %).

In Südwestthüringen gelten im März 970 Arbeitslose als schwerbehindert. Diese Zahl ist gegenüber dem Vormonat um 5 Personen zurückgegangen.

In Agenturbezirk sind aktuell 2.556 Ausländer arbeitslos – gegenüber dem Vormonat ein Rückgang von 28 Personen (-1,1 %). Im Vergleich mit dem April 2025 sind derzeit 188 ausländische Personen weniger arbeitslos (-6,9 %). 

Der Anteil der ausländischen Mitbürger am Bestand aller Arbeitslosen im Agenturbezirk Thüringen Südwest beträgt 19,9 %. Im Landkreis Sonneberg (25,9 %) und im Wartburgkreis (21,6 %) haben Ausländer den größten Anteil an der arbeitslosen Bevölkerung. Danach folgen die Stadt Suhl mit einer Quote von 20,4 %, der Landkreis Hildburghausen mit 18,5 % und der Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit einem Anteil von 14,4 % Ausländern an den Arbeitslosen.

 

Entwicklung in den Regionen

Auch in den Landkreisen und der Stadt Suhl haben sich sie Arbeitslosenbestände fast durchweg verringert.

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen sind aktuell 3.174 Personen ohne Beschäftigung, 63 weniger als im März (-1,9 %). Die Arbeitslosenquote ist um 0,1 Prozentpunkte gefallen auf einen Wert von 4,9 %.  Dabei sind im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung 41 Frauen und Männer weniger arbeitslos, in der Grundsicherung sind es 22 Personen weniger.

Die Unternehmen des Landkreises haben 166 neue Arbeitsstellen gemeldet, 68 Stellen weniger als im Februar. Der Bestand an verfügbaren Arbeitsstellen beträgt aktuell 921.

Der Wartburgkreis hat im Agenturbezirk den größten Strukturanteil und damit auch die größte Anzahl von Beschäftigten. Der Bestand an Arbeitslosen ist dort im März um 136 Personen gesunken (-2,6 %), davon 78 aus dem Rechtskreis SGB III und 58 aus dem Rechtskreis SGB II. Ohne Arbeit sind derzeit 5.133 Menschen, die Arbeitslosenquote beträgt 6,2 % (März 6,3 %). Für Bewerberinnen und Bewerber standen im März 1.162 offene Stellen zur Verfügung.

Die Zahl neu geschaffener Stellen beträgt 210, das sind 53 Stellen weniger als im Vormonat.

Im Landkreis Sonneberg sind insgesamt 1.719 Personen ohne Arbeit, 25 mehr als im Vormonat. Davon kommt 1 Person aus dem Rechtskreis SGB III und 24 aus dem Rechtskreis SGB II. Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 5,9 % mit einem leichten Aufwuchs von 0,1 Prozentpunkten gegenüber dem März. 

Insgesamt stehen in der Region um Sonneberg 629 offene Stellen zur Verfügung. Davon sind im April 128 neu gemeldet worden, 36 weniger als im letzten Monat. 

Der Landkreis Hildburghausen hat auch im April 2026 wieder die geringste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk mit 4,7 % (März 4,8 %). Insgesamt sind es 52 Arbeitslose weniger geworden, davon 58 Abgänge im Rechtskreis SGB III und ein Zugang von 6 Personen aus dem Rechtskreis SGB II. Aktuell sind im Landkreis 1.523 Personen auf der Suche nach Arbeit. Zur Besetzung stehen derzeit 454 Stellen zur Verfügung, durch die Unternehmen wurden 82 Jobs neu gemeldet, 29 weniger als im Vormonat.

Die Stadt Suhl hat mit 7,2 % wieder den höchsten Wert bei der Arbeitslosenquote, allerdings um 0,2-Prozentpunkte niedriger als im Vormonat. Der Bestand von 1.278 Arbeitslosen in Suhl hat sich gegenüber dem März um 29 Personen reduziert. Davon sind im Rechtskreis SGB III 11 und im Rechtskreis SGB II 18 Personen betroffen.  In Suhl wurden im Januar durch die Arbeitgeber 46 neue Stellen gemeldet, 25 weniger als im Vormonat, 218 Stellen waren zur Besetzung offen.

 

Entwicklung in den Rechtskreisen

5.967 arbeitslos gemeldete Menschen sind dem Rechtskreis SGB III zugeordnet. Ihr Anteil am gesamten Bestand der Arbeitslosen beträgt 46,5 % und verringerte sich gegenüber dem Vormonat um 187 Betroffene (-3,0 %). Im Vergleich zum April-Wert 2025 liegt der Wert um 234 Personen und +4,1 % höher.

6.860 Arbeitslose bzw. 53,5 % am gesamten Bestand werden im Rechtskreis SGB II von vier Jobcentern in gemeinsamer Einrichtung und einem zugelassenen kommunalen Träger betreut. Das bedeutet gegenüber dem Vormonat eine Verringerung des Bestandes um 68 Betroffene (-1,0 %). Im Vergleich mit dem April 2025 ist das ein Rückgang von 412 Arbeitslosen (-5,7 %).

Die Anzahl der aktuell 9.365 Bedarfsgemeinschaften im Agenturbezirk ist gegenüber dem Februar um 141 und damit um -1,5 % zurückgegangen. Die Anzahl der 11.869 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Bürgergeldbezug verringerte sich zum Vormonat um 180 Personen und -1,5 %.