„Die Arbeitslosigkeit in Südwestthüringen ist weiter rückläufig. Das klingt erst einmal recht positiv, ist aber nur ein Teil der Wahrheit“, äußert Holger Bock, Geschäftsführer Operativ der Suhler Arbeitsagentur zu den aktuellen Statistikzahlen zum Arbeitsmarkt im Juni.
„Zunächst ist es erfreulich, dass der Bestand der Arbeitslosen wiederum gesunken ist. Der Gesamtbestand von 12.035 Arbeitslosen liegt um 337 Personen niedriger als im Mai und ist sogar um 532 Frauen und Männer geringer als im Vorjahreszeitraum. Die aktuelle Arbeitslosenquote von 5,4 % ist gegenüber dem Mai um 0,1 %-Punkte gesunken und ist mit Abstand die niedrigste in den Ländern Thüringen und Sachsen-Anhalt. Dennoch schätzen wir die wirtschaftliche Lage nach wie vor als stagnierend ein.
Unsere Unternehmen haben im Juni 589 neue Stellen gemeldet. Dieser Wert liegt um 69 Stellen unter dem Vormonatsergebnis, aber um 20 Stellen höher als im Vorjahr zur selben Zeit. In 2025 waren im Juni insgesamt 3.583 Stellen zu besetzen, in diesem Jahr stehen nur 3.289 Stellen zur Besetzung an, 294 weniger.
Aktuell bekommen wir bei der Agentur immer wieder Rückmeldungen von unseren Arbeitgebern, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum investiert wird. Ebenso stark ist die Zurückhaltung beim Schaffen neuer Beschäftigungsmöglichkeiten in den Betrieben.“
Wie im Mai gestaltet sich der Saldo aus den Zugängen in Arbeitslosigkeit und den Abgängen aus Arbeitslosigkeit auch im Juni positiv zugunsten der Beschäftigten. Die 2.514 Abgänge aus Arbeitslosigkeit überwiegen die 2.204 Zugänge an Arbeitslosen insgesamt. Im Juni mussten sich 749 Frauen und Männer arbeitslos melden, im selben Zeitraum sind 779 Personen wieder direkt in Erwerbstätigkeit eingetreten.
Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Agenturbezirk ist weiter rückläufig. Aktuell sind im Agenturbezirk 148.564 Personen in Beschäftigung. Gegenüber der Mai-Analyse sind das 1.426 Beschäftigte weniger, im Vorjahr lag waren noch 4.374 Personen mehr in Arbeit.
Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) stärker gesunken, hier sind gegenüber dem Vormonat 224 Personen weniger arbeitslos. Im Rechtskreis SGB II (Grundsicherung) wurden 113 Arbeitslose weniger gezählt. Unter Beachtung der Vorjahreswerte hat sich der Rückgang der Arbeitslosenzahlen maßgeblich in der Grundsicherung vollzogen.
Fakten zum Arbeitsmarkt:
Die Arbeitslosenquote der Agentur für Arbeit Thüringen Südwest wird im Juni 2026 mit 5,4 % berechnet. Auch im Land Thüringen ist die Quote im Juni um 0,1 %-Punkte auf 6,3 % gefallen. Das Land Sachsen-Anhalt hat derzeit eine Quote von 7,9 %. Für die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen ergibt sich nach statistischer Zusammenfassung eine Arbeitslosenquote von 7,1 %. Im Agenturbezirk Thüringen Südwest sind im Juni 12.035 Personen ohne Arbeit. Der Bestand an Arbeitslosen ist gegenüber dem Vormonat Mai um 337 Personen gesunken, das ist ein Rückgang von -2,7 %. Im Vergleich mit dem Juni 2025 ist der Bestand um 532 Personen (-4,2 %) zurückgegangen.
Die Statistik zählt aktuell 2.204 Zugänge zum Bestand der Arbeitslosen, das sind 117 Personen und -5,0 % weniger als im Mai. Davon kommen 749 Betroffene direkt aus der Erwerbstätigkeit und 530 aus Ausbildung oder sonstigen Maßnahmeteilnahmen.
Für 2.514 Personen erfolgte im Juni ein Abgang aus Arbeitslosigkeit, 237 Frauen und Männern und -8,6 % weniger als im Vormonat. 779 Personen konnten wieder in Erwerbstätigkeit gelangen. In Ausbildung und sonstige Maßnahmen konnten weitere 462 ehemalige Arbeitslose einmünden.
Im Juni 2026 wurden 589 Zugänge an gemeldeten Arbeitsstellen ausgewiesen. Damit ist diese Zahl um 69 gegenüber dem Vormonat zurückgegangen (-10,5 %). Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt der aktuelle Wert um 20 Stellen höher (+3,5 %). Der aktuelle Bestand an 3.289 offenen Stellen ist im Juni um 108 Stellen gesunken (-3,2 %) und liegt damit um 294 Stellenangebote (-8,2 %) unter dem Juni-Wert von 2025.
Die Branchen mit den größten Beständen an Arbeitslosen sind mit 2.407 Personen die Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufe mit einem Anteil von 20,0 % am Bestand aller Arbeitslosen. In den Verkehrs- und Logistikberufen sind 1.717 Personen von Arbeitslosigkeit betroffen (14,3 %), gefolgt von den Handelsberufen mit 1.100 Arbeitslosen (9,1 %). Die geringste Betroffenheit gibt es für Beschäftigte in der Informationstechnik und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen. Im Juni haben sich aus dieser Branche 130 Personen arbeitslos gemeldet.
Am Arbeitsmarkt vollzieht sich ein ständiger Ausgleich, neu gemeldete Arbeitsstellen sind allerdings unterschiedlich über die Branchen verteilt. Im Bestand gibt es gegenüber dem Mai 108 neue Stellen weniger (-3,2 %). Von den 3.289 im Juni gemeldeten Stellen im Agenturbezirk entfallen 1.281 neue Jobangebote wiederum auf die Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufe. In medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen sind 483 neue Stellen zu besetzen, in den Berufen der Verkehrs- und Logistikbranche werden 344 neue Stellen angeboten.
Im Juni lagen der Agentur Thüringen Südwest 19 Anzeigen zu Kurzarbeit aus wirtschaftlichen und konjunkturellen Gründen vor, im Vormonat waren es noch 14 Anzeigen. Betroffen waren dabei 428 Personen, für die Kurzarbeit anstehen könnte. Mit der Zahlung von Kurzarbeitergeld als Lohnersatzleistung sollen die Arbeitsplätze für die Beschäftigten erhalten bleiben, die Unternehmen können zudem ihre eingearbeiteten Arbeitskräfte halten. Die aktuellen Anzeigen kamen überwiegend aus Unternehmen des Wartburgkreises sowie des Landkreises Schmalkalden-Meiningen.
Fakten zum Ausbildungsmarkt:
Für das Ausbildungs- und Berichtsjahr 2025/2026 haben sich im Mai 2026 im Agenturbezirk Thüringen Südwest 1.680 Jugendliche als Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen registrieren lassen, damit 62 Personen mehr als im Vorjahreszeitraum.
Als Angebot an ausgeschriebenen Berufsausbildungsstellen werden derzeit 1.678 Stellen ausgewiesen. Noch führen statistische Ungenauigkeiten bei den Ausbildungsstellen dazu, dass die Zahlen nicht in der tatsächlichen Höhe abgebildet werden. Mit der Statistikveröffentlichung zum 31.07.2026 werden diese Unschärfen dann behoben sein sind.
Personengruppen:
Der Bestand der arbeitslosen Frauen hat sich im Juni 2026 um 106 Personen verringert, bei den Männern verringerte sich die Arbeitslosenzahl um 231.
Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen schlägt sich in diesem Monat in allen Altersklassen nieder. Der Bestand der Jüngeren im Alter von 15 bis unter 25 Jahren ist um 24 Jugendliche zurückgegangen (-1,9 %). In dieser Altersklasse werden gegenwärtig 1.219 Jugendliche durch die Agentur betreut, 6 mehr als im Vorjahr (+0,5 %).
In der Altersklasse der Älteren über 50 Jahren werden im Juni 4.602 Frauen und Männer gezählt, 143 Personen weniger gegenüber dem Vormonat Mai (-3,0 %). Gegenüber dem Juni 2025 sind in dieser Altersgruppe 261 Personen weniger arbeitslos (-5,4 %).
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) werden von den 5.457 Arbeitslosen derzeit 728 Personen als Langzeitarbeitslose gezählt, 20 Personen weniger als im Mai (-2,7%). Gegenüber dem Vorjahr sind es derzeit im Rechtskreis SGB III 116 Langzeitarbeitslose mehr (+19,0 %).
Von den 6.578 Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) sind mit 3.667 Personen über die Hälfte von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Nach der Zählung im Juni sind 3.667 Frauen und Männer ein Jahr oder länger arbeitslos. Damit hat sich der Bestand gegenüber dem Vormonat um 29 Personen verringert (-0,8 %) und liegt auch um 136 Personen unter dem Vorjahresniveau (-3,6 %).
In Südwestthüringen gelten im Juni 932 Arbeitslose als schwerbehindert. Diese Zahl ist gegenüber dem Vormonat um 26 Personen zurückgegangen (-2,7 %).
In Agenturbezirk sind im Juni 2.409 Ausländer arbeitslos – gegenüber dem Vormonat ein Rückgang von 45 Personen (-1,8 %). Im Vergleich mit dem Vorjahresmonat sind derzeit 148 Personen mit ausländischem Pass weniger arbeitslos (-5,8 %).
Der Anteil der Ausländer am Bestand aller Arbeitslosen im gesamten Agenturbezirk Thüringen Südwest beträgt 20,0 %. Im Landkreis Sonneberg (23,2 %) und im Wartburgkreis (22,8 %) haben Ausländer den größten Anteil an der arbeitslosen Bevölkerung. Danach folgen die Stadt Suhl mit einer Quote von 19,1 %, der Landkreis Hildburghausen mit 16,8 % und der Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit einem Anteil von 15,7 % Ausländern an den Arbeitslosen.
Entwicklung in den Regionen:
Durchweg in allen Regionen des Agenturbezirkes haben sich die Arbeitslosenbestände verringert.
Der Landkreis Hildburghausen hat im Juni 2026 wieder die geringste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk mit konstant 4,3 %. Insgesamt sind es 7 Arbeitslose weniger geworden, davon 5 Zugänge im Rechtskreis SGB III und 12 Abgänge im Rechtskreis SGB II. Aktuell sind im Landkreis 1.378 Personen auf der Suche nach Arbeit.
Durch die Unternehmen wurden 57 Stellen neu gemeldet, 50 weniger als im Vormonat. Zur Besetzung stehen derzeit 435 Stellen zur Verfügung.
Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen sind aktuell 2.950 Personen ohne Beschäftigung, 138 weniger als im Mai (- 4,5%). Die Arbeitslosenquote hat sich um 0,3 %-Punkte auf einen Wert von 4,6 % verringert. Dabei gibt es im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung 60 Arbeitslose weniger, in der Grundsicherung ist die Zahl um 78 zurückgegangen.
Die Unternehmen des Landkreises haben 156 Arbeitsstellen neu gemeldet, genauso viel wie im Mai. Der Bestand an verfügbaren Arbeitsstellen beträgt derzeit 881.
Im Landkreis Sonneberg sind insgesamt 1.536 Personen ohne Arbeit, 60 weniger als im Vormonat. Im Rechtskreis SGB III gab es 65 Abgänge, im Rechtskreis SGB II sind 5 Arbeitslose hinzugekommen. Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 5,4 % mit einem Rückgang von 0,2 Prozentpunkten gegenüber dem Mai.
Insgesamt stehen in der Region um Sonneberg 580 offene Stellen zur Verfügung. Davon sind im Juni 78 neu gemeldet worden, 17 weniger als im vergangenen Monat.
Im Wartburgkreis ist der Bestand an Arbeitslosen im Mai um 95 Personen gesunken (-1,9 %). Im Rechtskreis SGB III sind es 95 Arbeitslose weniger, im Rechtskreis SGB II hat sich der Bestand um 18 Personen reduziert. Ohne Arbeit sind aktuell 4.923 Menschen, die Arbeitslosenquote beträgt 6,0 % (Mai 6,1 %).
Im Mai standen im Landkreis 1.159 offene Stellen zur Verfügung. Die Zahl neu gemeldeter Stellen beträgt 226, eine Stelle mehr als im Vormonat.
Die Stadt Suhl hat mit 7,2 % den höchsten Wert bei der Arbeitslosenquote, um 0,3-Prozentpunkte geringer als im Vormonat. Der Bestand von 1.248 Arbeitslosen in Suhl hat sich gegenüber dem Mai um 37 Personen verringert, 27 aus dem Rechtskreis SGB III und 10 aus der Grundsicherung.
In Suhl wurden im Mai durch die Arbeitgeber 72 neue Stellen gemeldet, 3 weniger als im Vormonat, 234 Stellen waren zur Besetzung offen.