Saisonbedingter Anstieg der Arbeitslosigkeit, neu gemeldete Arbeitsstellen weiterhin auf niedrigem Niveau, auch Angebot an Lehr-stellen geht zurück

31.07.2026 | Presseinfo Nr. 22

Zitat:

„Nach einem kontinuierlichen Rückgang der Arbeitslosenquote seit Jahresanfang 2026 verzeichnen wir erstmals wieder einen leichten Anstieg um 0,2 %-Punkte. Dieser Effekt ist saisontypisch und wird durch die Urlaubs- und Ferienzeit verstärkt.“ 

Mit dieser Beurteilung eröffnet Marion Hecklau, Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit Thüringen Südwest, die Analyse der frischen Arbeitsmarktzahlen für den Juli 2026. „Gegenüber dem Monat Juni sind derzeit 564 Personen mehr ohne Arbeit, fast drei Viertel der Zugänge zum Bestand der Personen ohne Beschäftigung kommen aus dem Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung. Nach wie vor befinden wir uns in einer Phase der wirtschaftlichen Stagnation.

Die Unternehmen unseres Agenturbezirkes haben im Juli 679 neue Stellen gemeldet. Das sind 90 Stellen mehr als im Juni, gegenüber dem Vorjahr 32 Stellen mehr. Der aktuelle Bestand von 3.319 verfügbaren Stellen ist um 30 höher gegenüber dem Vormonat, liegt aber immer noch um 170 Stellen hinter dem Vorjahr zurück.“

Im Verhältnis aus Zugängen in Arbeitslosigkeit und Abgängen aus Arbeitslosigkeit überwiegen im Juli erstmals wieder deutlich die Neueintritte in Arbeitslosigkeit. Die 3.097 Zugänge in Arbeitslosigkeit können durch die 2.516 Abgänge an Arbeitslosen nicht kompensiert werden. Im Juli mussten sich 1.197 Frauen und Männer aus Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos melden, im selben Zeitraum kamen nur 776 Personen direkt wieder in Arbeit.

Die Arbeitslosigkeit im Juli ist in allen Personengruppen angestiegen. Eine überdurchschnittlich starke Zunahme ist bei den Jüngeren und Jugendlichen in der Altersklasse von 15 bis unter 20 Jahren zu verzeichnen. Bereichsleiterin Hecklau äußert dazu: „Das ist ebenfalls ein typischer Effekt in den Sommermonaten.  Das Schuljahr 2025/2026 endet derzeit und für viele der Jugendlichen ist eine Ausbildung oder ein sich anschließendes Studium noch nicht in Sicht. Auch werden nicht alle Jugendlichen nach dem Abschluss einer Ausbildung vom Lehrbetrieb übernommen oder wechseln unmittelbar nach der Ausbildung lückenlos in die Berufspraxis in ein anderes Unternehmen.“

Wenn es aus besagten Gründen nach dem Schulende nicht nahtlos weitergeht, kann auch das Kindergeld eine Übergangsphase von längstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten überbrücken. Auch nach der Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes bzw. nach dem Ende der Schulausbildung kann für Eltern ein Anspruch auf Kindergeld bestehen bleiben, wenn das Kind eine schulische oder duale Berufsausbildung, ein Studium oder ein Praktikum absolviert.

Bereichsleiterin Hecklau rät: 

Zitat:

„Alle anderen Jugendlichen, die noch nicht wissen, wie es nach der Schule weitergeht, sollten sich so schnell wie möglich online bei der Agentur für Arbeit melden. Dann können wir ihnen die bestmögliche Unterstützung geben!“

Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten im Agenturbezirk ist weiterhin rückläufig. Zwar ist ein Teil des Rückgangs des Erwerbspersonenpotenzials auf die demografische Entwicklung zurückzuführen, dennoch tun sich die Unternehmen in der Region unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen schwer damit, Beschäftigung aufzubauen, speziell in den Sommermonaten. Aktuell sind im Agenturbezirk Thüringen Südwest 147.378 Personen in Beschäftigung, 1.186 Beschäftigte weniger als im Monat Juni, gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl im Vergleichszeitraum um 3.771 Personen zurückgegangen.

Weitere Fakten zum Arbeitsmarkt

Für die Agentur für Arbeit Thüringen Südwest errechnet sich im Juli 2026 eine Arbeitslosenquote von 5,6 %. Auch im Land Thüringen ist die Quote im Juli um 0,2 %-Punkte auf 6,5 % gestiegen. Das Land Sachsen-Anhalt hat aktuell eine Quote von 8,1 % (Juni 7,9 %). Für die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen ergibt sich in der Statistik eine Arbeitslosenquote von 7,3 % (Juni 7,1 %). Im Agenturbezirk Thüringen Südwest sind im Juli 12.599 Personen ohne Arbeit. Der Bestand an Arbeitslosen ist gegenüber dem Vormonat Juni um 564 Personen angestiegen, das ist ein Zuwachs von 4,7 %. Im Vergleich mit dem Juli 2025 ist der Bestand um 145 Personen (-1,1 %) zurückgegangen.

Die Branchen mit den größten Beständen an Arbeitslosen sind mit 2.482 Personen die Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufe mit einem Anteil von fast 20,0 % am Bestand aller Arbeitslosen. In den Verkehrs- und Logistikberufen sind 1.739 Personen von Arbeitslosigkeit betroffen (13,8 %), gefolgt von den Handelsberufen mit 1.139 Arbeitslosen (9,0 %). Mit 140 Personen arbeitslos gemeldeten Personen sind Beschäftigte in der Informationstechnik und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen am geringsten betroffen.

Am Arbeitsmarkt vollzieht sich ein ständiger Ausgleich, allerdings unterschiedlich stark über die Branchen verteilt.  Im Bestand gibt es gegenüber dem Juni 30 neue Stellen mehr +0,9 %). Von den 3.319 im Juli gemeldeten Stellen im Agenturbezirk entfallen 1.309 neue Jobangebote auf die Fertigungs- und fertigungstechnischen Berufe. In medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen sind 461 neue Stellen zu besetzen, in den Berufen der Verkehrs- und Logistikbranche werden 349 neue Stellen angeboten. 

Im Juli lagen der Agentur Thüringen Südwest 12 Anzeigen zu Kurzarbeit aus wirtschaftlichen und konjunkturellen Gründen vor. Betroffen waren dabei 107 Personen, für die Kurzarbeit anstehen könnte. Die aktuellen Anzeigen kamen überwiegend aus Unternehmen des Landkreises Schmalkalden-Meiningen.

Fakten zum Ausbildungsmarkt

Die statistischen Ungenauigkeiten der letzten Monate bei der Zählung der Ausbildungsstellen wurden mit der Veröffentlichung der Juli-Statistik behoben, alle Zahlen des Ausbildungsmarktes werden wieder in der tatsächlichen Höhe abgebildet.

Seit Beginn des Ausbildungsjahres bis Ende Juli meldeten sich 1.709 Interessierte als Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium bei der Berufsberatung der Agentur. Dabei konnte die Agentur Thüringen Südwest bereits 58 Jugendliche mehr aktivieren als im Vergleichszeitraum des letzten Ausbildungsjahres, gegenüber dem Schuljahr 2023/2024 sind es sogar 106 Personen mehr. Darunter befinden sich auch 207 Ausländerinnen und Ausländer, davon haben 120 einen Hintergrund mit Fluchtmigration.

Von allen Bewerberinnen und Bewerber gehören 1.407 in die Altersklasse „Unter 20 Jahre“, im Alter von „20 bis unter 25 Jahren“ sind 235 Jugendliche und 67 Personen sind älter als 25 Jahre beim Antritt einer Ausbildung. 

Bei den Bewerbern sind die Jungen mit 1.042 Personen und ca. 61 % vertreten, die 667 Mädchen mit ca. 39 %. Die Zahlen der weiblichen Bewerberinnen mögen niedrig erscheinen, Mädchen entscheiden sich aber in stärkerem Maße für weiterführende Schulbesuche und werden damit nicht als Ausbildungssuchende gezählt.

Von den gemeldeten Ausbildungssuchenden verfügen 929 Personen (54,4 %) über einen Realschulabschluss, 467 Personen (27,3 %) haben einen Hauptschulabschluss in der Tasche und 178 Jugendliche (10,4 %) bewerben sich mit einem Abitur auf die offenen Stellen. Der überwiegende Teil von 1.077 Jugendlichen hat die Schule im aktuellen Berufsberatungsjahr beendet, die Übrigen schon in den Jahren davor.

Die aktuell 1.709 Bewerber können sich in Südwestthüringen zwischen 1.777 Berufsausbildungsstellen entscheiden. Davon sind 1.758 Ausbildungsstellen betrieblich und 19 außerbetrieblich. Im Vergleich zum Jahr 2024/2025 meldeten die Betriebe in Südwestthüringen damit 197 Stellen weniger (-10,0 %). Im Ausbildungsjahr 2023/2024 wurden durch die regionalen Unternehmen noch 404 Stellen mehr angeboten, das entspricht einem Rückgang von -18,5 %. 

Es wird kaum gelingen, alle Ausbildungsstellen des Agenturbezirks mit regionalen Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen. Rein rechnerisch kommen auf 100 betriebliche Berufsausbildungsstellen ca. 97 Bewerberinnen und Bewerber.

Derzeit münden schon 728 Jugendliche in eine Berufsausbildung ein. Für die noch 539 unversorgten Bewerberinnen und Bewerber ohne Ausbildungsvertrag gilt es, sich möglichst umgehend um eine Lehrstelle oder einen Studienplatz zu bemühen. So kann der reguläre Einstieg ins neue Ausbildungsjahr noch gelingen. Aber auch ein etwas späterer Start ist durchaus möglich.

Von allen Berufsausbildungsstellen sind derzeit noch 666 unbesetzt und stehen zur Auswahl. Die Chancen stehen aktuell sehr gut für eine Ausbildung im Verkauf (ohne Produktspezialisierung), hier sind noch 161 Stellen unbesetzt. In den regional traditionellen Berufen der Metallbearbeitung und der Maschinenbau- und Betriebstechnik werden jeweils noch über 50 Auszubildende gesucht. Auch in der Lagerwirtschaft und im Güterumschlag gibt es noch für 35 Interessenten Ausbildungsstellen in der Region. Für kurzfristige Auskünfte stehen die Berufsberater der Agentur Thüringen Südwest jederzeit mit ihrem gesamten Beratungsangebot bereit!

Personengruppen

Der Bestand der arbeitslosen Frauen hat sich im Juli 2026 um 381 Personen erweitert, bei den Männern ist die Arbeitslosenzahl um 183 angestiegen.

Der Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist diesem Monat in allen Altersklassen nachweisbar. Der Bestand der Jüngeren im Alter von 15 bis unter 25 Jahren ist um 183 Jugendliche angestiegen (+15,0 %). In dieser Altersklasse werden gegenwärtig 1.402 Jugendliche durch die Agentur betreut, 86 mehr als im Vorjahr (+6,5 %). 

In der Altersklasse der Jüngeren im Alter von 15 bis unter 20 Jahren sind derzeit 394 Personen arbeitslos, 74 mehr als im Juni (+23,1 %). Gegenüber dem Vorjahr sind es gegenwärtig 25 Jugendliche mehr (+6,8 %).

In der Altersklasse der Älteren über 50 Jahren werden im Juli 4.702 Frauen und Männer gezählt, 143 Personen mehr gegenüber dem Vormonat Juni (+2,2 %). Gegenüber dem Juli 2025 sind in dieser Altersgruppe 161 Personen weniger arbeitslos (-3,3 %).

Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) werden von den 5.878 Arbeitslosen derzeit 737 Personen als Langzeitarbeitslose gezählt, 9 Personen mehr als im Vormonat (+1,2 %). Gegenüber dem Vorjahr sind es derzeit im Rechtskreis SGB III 102 Langzeitarbeitslose mehr (+16,1 %).

Von den 6.721 Arbeitslosen in der Grundsicherung (SGB II) sind mit 3.683 Personen fast 55 % von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Laut Statistik sind im Juli 3.683 Frauen und Männer ein Jahr oder länger arbeitslos. Damit hat sich der Bestand gegenüber dem Vormonat um 16 Personen erhöht (+0,4 %), liegt aber um 75 Personen unter dem Vorjahresniveau (-2,0 %).

In Südwestthüringen gelten im Juli 965 Arbeitslose als schwerbehindert. Diese Zahl ist gegenüber dem Vormonat um 33 Personen angestiegen (+3,5 %).

In Agenturbezirk sind aktuell 2.507 Ausländer arbeitslos – gegenüber dem Vormonat ein Zuwachs von 98 Personen (+4,1 %), dieser Bestand ist nahezu identisch mit dem Vorjahr.

Der Anteil der Ausländer am Bestand aller Arbeitslosen im gesamten Agenturbezirk Thüringen Südwest beträgt 19,9 %. Im Wartburgkreis (22,7 %) und im Landkreis Sonneberg (21,6 %) haben Ausländer regional den größten Anteil an der arbeitslosen Bevölkerung. Danach folgen die Stadt Suhl mit einer Quote von 19,8 %, der Landkreis Schmalkalden-Meiningen mit 16,1 % und der Landkreis Hildburghausen mit einem Anteil von 15,9 % an arbeitslosen Ausländern.

Entwicklung in den Regionen

In allen Regionen des Agenturbezirkes sind die Bestände an Arbeitslosen im Juli 2026 angewachsen. Am geringsten betroffen war die Region um Sonneberg, die größten Zuwächse gab es in der Wartburgregion.

Auch im Juli hat der Landkreis Hildburghausen die geringste Arbeitslosenquote im Agenturbezirk mit 4,5 % (+0,2 %-Pkt.). Insgesamt sind es 57 Arbeitslose mehr geworden (+4,1 %), davon 15 Zugänge im Rechtskreis SGB III und 42 im Rechtskreis SGB II. Aktuell sind im Landkreis 1.435 Personen auf der Suche nach Arbeit.

Durch die Unternehmen wurden 70 Stellen neu gemeldet, 13 mehr als im Vormonat. Zur Besetzung stehen derzeit 410 Stellen zur Verfügung.

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen sind aktuell 3.098 Personen ohne Beschäftigung, 148 mehr als im Juni (+5,0 %). Die Arbeitslosenquote hat sich um 0,3 %-Punkte auf einen Wert von 4,9 % erhöht.  Dabei gibt es im Rechtskreis SGB III 128 Arbeitslose mehr, im Rechtskreis SGB II ist die Zahl um 20 gestiegen.

Die Unternehmen des Landkreises haben 230 Arbeitsstellen neu gemeldet, 74 Stellen mehr als im Juni (+47,4 %). Der Bestand an verfügbaren Arbeitsstellen beträgt derzeit 938.

Im Landkreis Sonneberg sind insgesamt 1.537 Personen ohne Arbeit, eine Person mehr als im Vormonat. Im Rechtskreis SGB III gab es 3 Zugänge, im Rechtskreis SGB II sind es 2 Arbeitslose weniger als im Juni. Die Arbeitslosenquote beträgt konstant 5,4 %

Insgesamt stehen in der Region um Sonneberg 565 offene Stellen zur Verfügung. Davon sind im Juli 78 neu gemeldet worden, genau so viel wie im vergangenen Monat. 

Im Wartburgkreis ist der Bestand an Arbeitslosen im Juli um 335 Personen angewachsen (+6,8 %). Im Rechtskreis SGB III sind es 264 Arbeitslose mehr, im Rechtskreis SGB II hat sich der Bestand um 71 Personen gesteigert. Ohne Arbeit sind aktuell 5.258 Menschen, die Arbeitslosenquote beträgt 6,4 % (Juni 6,0 %).

Im Mai standen im Landkreis 1.177 offene Stellen zur Verfügung. Die Zahl neu gemeldeter Stellen beträgt 237, 11 Stellen mehr als im Vormonat.

Die Stadt Suhl hat mit 7,4 % den höchsten Wert bei der Arbeitslosenquote, um 0,2-Prozentpunkte höher als im Vormonat. Der Bestand von 1.271 Arbeitslosen in Suhl hat sich gegenüber dem Juni um 23 Personen erhöht (+1,8 %) und verteilt sich mit 11 Personen auf den Rechtskreis SGB III und mit 12 auf die Grundsicherung.

In Suhl wurden im Mai durch die Arbeitgeber 64 neue Stellen gemeldet, 8 weniger als im Vormonat, 228 Stellen waren zur Besetzung offen.