Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent im Dezember 25 Konjunktur bremst Industrie, Dienstleistungen tragen

Arbeitsmarktbericht Dezember – Agentur für Arbeit Traunstein

07.01.2026 | Presseinfo Nr. 2

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Traunstein lag im Dezember 2025 bei 10.592 Personen, die Arbeitslosenquote betrug 3,6 Prozent. Gegenüber November veränderte sich der Bestand um plus 460 Personen (+4,5 Prozent); im Vorjahresvergleich um plus 514 Personen (+5,1 Prozent). Der Stellenbestand umfasste 3 094 gemeldete offene Arbeitsstellen, das waren minus 2,0 Prozent zum Vormonat und minus 10,7 Prozent zum Vorjahr.

 

Im Chiemgau wirken Wintersaison und Ferienzeit dämpfend auf die Neuaufnahme witterungsabhängiger Beschäftigung, zugleich stützen kurzfristige Einstellungen im Gastgewerbe und Handel die Entwicklung. Der angrenzende Wirtschaftsraum des Chemiedreiecks bleibt ein wichtiger Indikator für Pendler- und Zulieferverflechtungen.

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entwickelt sich nach derzeitigen Prognosen weitgehend seitwärts bis im Landkreis Traunstein leicht steigend; die wirtschaftliche Gesamtlage bleibt verhalten. Für Regionen mit hohem Industrieanteil bedeutet dies eine tendenziell vorsichtige Personalplanung in Grundstoff- und Prozessindustrien, während personalintensive Dienstleistungen – insbesondere Gesundheit und Pflege, aber auch Hotellerie – Stabilität bieten. Unternehmen fokussieren sich auf Halten und Qualifizieren ihrer Belegschaften; Neueinstellungen erfolgen selektiv und stärker kompetenzbasiert. Die Agentur für Arbeit Traunstein stabilisiert den Markt aktuell durch intensive Beratung zum Saison-Kurzarbeitergeld, gezielte Vermittlungs- und Matchingformate sowie durch die Förderung beruflicher Weiterbildung (SGB III, inkl. Teilqualifikationen) und Eingliederungszuschüsse für Neueinstellungen.

Brancheneinordnung: In Kokerei, Mineralöl und Chemie dämpfen schwache Industrieimpulse, hohe Kosten und zurückhaltende Investitionen die Personalnachfrage; gesuchte Profile konzentrieren sich auf Instandhaltung, Prozessleittechnik und Arbeitssicherheit. Im Bau bremsen Witterung und Projektverschiebungen, laufende Maßnahmen stabilisieren die Beschäftigung; Qualifizierung in Energieeffizienz und Sanierung bleibt gefragt. Der Einzelhandel profitierte vom Jahresendgeschäft, sieht sich jedoch mit Kosten- und Nachfragedruck konfrontiert und rekrutiert selektiv für Logistik, Kasse und Verkauf. Die Hotellerie ist saisonal belebt und fragt kurzfristig Service-, Küche- und Housekeeping-Personal nach. Gesundheit/Pflege bleibt konjunkturunabhängig ein Anker mit kontinuierlichem Bedarf – von Pflegefachassistenz bis Heilerziehungspflege; hier bestehen die besten Integrationschancen über Teilqualifikationen und berufsbegleitende Weiterbildung.

„Unser Arbeitsmarkt zeigt im Dezember die übliche Winterdelle, strukturell bleibt er tragfähig und entwickelt sich mit gebremster Dynamik weiter. Nutzen Sie die kommenden Wochen für Qualifizierung und vorausschauende Personalplanung – besonders in Bau, Pflege, Hotellerie und technischen Instandhaltungsberufen.“ – Michael Vontra, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein.

Analysen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bestätigen dieses Bild: Die Beschäftigung ist insgesamt stabil, jedoch mit verhaltenem Stellenklima. Für den Agenturbezirk Traunstein bedeutet das: Die Industrie plant vorsichtig, Dienstleistungen tragen; passgenaues Matching und Weiterbildung bleiben Schlüssel, um Engpässe in Pflege, Technik und Gastronomie zu schließen. 

 

Ausblick

Bedingt durch die hohe strukturelle Stabilität des Arbeitsmarktes im Agenturbezirk Traunstein reagiert die Beschäftigung weder auf konjunkturelle Abschwächungen noch auf positive Impulse kurzfristig, sondern folgt überwiegend langfristigen Anpassungsprozessen. In diesem Zusammenhang wird zunehmend die Metapher vom Arbeitsmarkt als „Brett“ verwendet – sinnbildlich für eine ausgeprägte Beharrungskraft bei zugleich geringer kurzfristiger Beweglichkeit. Beschäftigungsentwicklungen verlaufen damit gedämpft, aber nachhaltig.

Übertragen auf die regionale Entwicklung bedeutet dies, dass Unternehmen ihre Personalstrategien nicht abrupt anpassen, sondern verstärkt auf das Halten, Qualifizieren und den flexiblen Einsatz ihrer Belegschaften setzen. Diese Stabilität wirkt in konjunkturell verhaltenen Phasen risikomindernd, führt zugleich jedoch dazu, dass Entlastungen am Arbeitsmarkt nur schrittweise eintreten. Für die kommenden Monate ist daher nicht mit einer schnellen, kräftigen Belebung zu rechnen. Wahrscheinlicher ist eine seitwärts bis verhaltene Entwicklung mit zeitlich verzögerten und insgesamt schwächeren Impulsen, begleitet von selektiver Rekrutierung sowie einem klaren Fokus auf Personalbindung und Qualifizierung.

Angesichts der weiterhin angespannten Lage in der Chemieindustrie sowie in mineralöl- und kokereinahen Bereichen bleiben die Risiken insbesondere für das erste Quartal erhöht. Eine ausgeprägte Frühjahrsbelebung ist nicht gesetzt; vielmehr dürfte sich der Arbeitsmarkt nur zögerlich erholen. Maßgeblich für den weiteren Verlauf werden die Auftragslage, die Exportnachfrage sowie die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise sein. Der Dienstleistungssektor wirkt stabilisierend, während das Baugewerbe stark von Witterungseinflüssen und Finanzierungsbedingungen abhängt.

Positiv hervorzuheben ist die Entwicklung in der öffentlichen Verwaltung: Durch Aktivitäten an den Bundeswehrstandorten im Agenturbezirk Traunstein und die damit verbundenen Investitionen ist lokal mit einem Beschäftigungsaufschwung zu rechnen. Dieser dürfte spürbare Spillover-Effekte in den zivilen Bereich entfalten, insbesondere in Bau- und Ausbaugewerken, im Facility Management, in Logistik, Sicherheit, Verpflegung sowie in Qualifizierungs- und Schulungsleistungen.

Insgesamt erwarten wir zunächst eine seitwärts gerichtete Beschäftigungsentwicklung mit selektiver Personalnachfrage. Eine Entlastung am Arbeitsmarkt ist möglich, wird jedoch voraussichtlich nur graduell eintreten. Vor diesem Hintergrund sollten Betriebe Personalbindung und Qualifizierung konsequent priorisieren, kurzfristige Schwankungen über Kurzarbeit und flexible Arbeitsmodelle abfedern und Neueinstellungen klar kompetenzorientiert ausrichten.

 

Ein Blick in die Landkreise 

Die Arbeitslosenquoten der einzelnen Landkreise: Altötting 3,7 Prozent, Berchtesgadener Land 3,8 Prozent, Mühldorf 3,7 Prozent und Traunstein 3,4 Prozent.

 

Landkreis Traunstein

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Traunstein betrug im Dezember 3,4 Prozent, das ist ein Anstieg sowohl zu November um 0,2 und zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozentpunkte. 3 486 Menschen sind arbeitslos gemeldet, das sind 275 Menschen mehr als vor einem Jahr und 202 mehr als im November. 
Geteilt nach den Rechtskreisen gehören 2 097 Menschen zur Agentur für Arbeit (SGB III) und 1 389 zu den Kunden des Jobcenters (SGB II). 
Unter den 3 486 arbeitslosen Menschen sind 286 Jüngere unter 25 Jahren, das sind 12 mehr als im Vormonat und 35 mehr als im Dezember 2024. 1 428 (Vorjahr 1 257) Menschen sind älter als 50 Jahre; darunter sind 1 121 älter als 55 Jahre. 705 Menschen zählen zu den Langzeitarbeitslosen; innerhalb der Gesamtgruppe beträgt ihr Anteil 20,2 Prozent.
667 (November 696) Menschen konnten ihre Erwerbslosigkeit beenden. Dem stehen 859 Neumeldungen gegenüber, ein Anstieg zu November um 33 Menschen.
Der Stellenbestand im Landkreis Traunstein beträgt 1 139, worunter 176 Neumeldungen sind. Der Arbeitsmarkt im Bereich Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen ist weiterhin sehr gut mit 136 aktuellen Angeboten. Mit 128 Angeboten bieten die Fertigungstechnischen Berufe gute Wiedereinstiegschancen. 195 Angebote kommen aus den Gesundheitsberufen.

 

Landkreis Altötting

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Altötting betrug im Dezember 3,7 Prozent, das sind 2 456 Menschen. Im Vormonat waren es 49 Menschen weniger, die Quote lag um 0,1 Prozentpunkte niedriger. Der Vorjahresvergleich zeigt einen Anstieg um 8,0 Prozent, d.h. 181 Menschen mehr sind derzeit von Arbeitslosigkeit betroffen; die Quote lag im Vorjahresmonat bei 3,4 Prozent.
Insgesamt teilen sich die Kunden in 1 361 bei der Agentur (SGB III) und 1 095 Kunden des Jobcenters (SGB II).
Gemeldet sind 61 Jugendliche unter 20 Jahren innerhalb der 233 unter 25 Jahren (Vormonat: 236). Die Anzahl der arbeitslosen Menschen über 50 Jahre ist mit 998 im Vergleich zum Vormonat um 45 gestiegen, zum Dezember des Vorjahres um 105. Die Anzahl der Langzeitarbeitslosen blieb gleich im Vormonatsvergleich und stieg im Vorjahresvergleich um 134, so dass 701 Menschen im Landkreis zu dieser Gruppe zählen.
592 Menschen meldeten sich erstmals oder erneut arbeitslos und 534 Menschen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, davon 137 durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.
693 Stellenangebote sind im Dezember im aktuellen Bestand, davon 83 neu aufgenommene. Im November gab es 31 Angebote mehr. Im Vorjahresvergleich sind es 146 Stellen weniger. Die meisten Angebote gibt es bei den Bau-, und Ausbauberufen mit 109 Stellen. Bei den medizinischen und nicht-medizinischen Berufen gibt es 100 Angebote und die Fertigungstechnischen Berufe bieten mit 99 offenen Stellen gute Einstiegschancen. 

 

Landkreis Berchtesgadener Land

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Berchtesgadener Land betrug im Dezember 3,8 Prozent, ein Anstieg zu November um 0,2 Prozentpunkte und ein Rückgang um 0,1 Prozentpunkte zum Vorjahresmonat. 2 073 Menschen sind arbeitslos gemeldet, 106 mehr als im Vormonat und 23 weniger als im Dezember des Vorjahres. Geteilt nach Rechtskreisen gehören 1 283 Kunden zur Agentur für Arbeit (SGB III) und 790 Kunden zum Jobcenter (SGBII).
Unter den 2 073 Gemeldeten sind 164 Jüngere unter 25 Jahren und 859 Ältere über 50 Jahre. Bei den Jüngeren gab es eine geringfügige Veränderung zum November um einen jungen Menschen mehr. 476 Menschen zählen zu den Langzeitarbeitslosen, das sind genauso viele wie im Vormonat und 18 weniger als im Dezember des vergangenen Jahres. 
478 Abmeldungen wurden bearbeitet, das sind 14 mehr als im November. Davon gingen 186 in eine Erwerbstätigkeit. 573 Menschen meldeten sich erstmals oder erneut arbeitslos.
Der Bestand an Arbeitsstellen ist mit 676 im Dezember um 25 niedriger als im November. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 84 Arbeitsstellen weniger. Neu aufgenommen wurden 112 Angebote, 55 weniger als vor einem Jahr. 
Die größten Berufsbereiche sind mit 96 Angeboten Handelsberufe, die medizinischen und nicht-medizinischen Berufe mit 86 Chancen und die Fertigungstechnischen Berufe mit 71 Stellen.

 

Landkreis Mühldorf

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Mühldorf betrug im Dezember 3,7 Prozent, das ist ein Anstieg um 0,2 Prozentpunkte zu der November-Quote. 2 577 Menschen waren im Dezember arbeitslos gemeldet, 103 oder 4,2 Prozent mehr als im November. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 81 Menschen mehr, die Quote lag im Vorjahresmonat bei 3,6 Prozent.
Getrennt nach Rechtskreisen zählen 1 290 Kunden zur Agentur für Arbeit und 1 287 sind Kunden des Jobcenters. 
Aktuell sind 272 Jüngere unter 25 Jahre gemeldet, wovon 63 unter 20 Jahre alt sind. Im November waren es 41 weniger. 983 Menschen sind älter als 50 Jahre, darunter gehören 763 zu den Älteren über 55 Jahre. Diese Altersgruppe hat 38,1 Prozent Anteil an der Gesamtheit aller Arbeitslosen im Landkreis. 
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt bei 729, das ist einer mehr als im November und 58 mehr im Vorjahresvergleich.