Die Arbeitslosigkeit ist im Landkreis Tirschenreuth im August 2026 gestiegen. 1.685 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 85 Personen mehr (5,3 Prozent) als im Juli und 92 Personen bzw. 5,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 4,1 Prozent und lag mit 0,2 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 3,9 Prozent.
„Der Anstieg im August kommt nicht überraschend. Zum einen sehen wir die für diesen Monat typischen saisonalen Effekte. Junge Menschen melden sich nach dem Ende ihrer Schul- oder Berufsausbildung vorübergehend arbeitslos und beginnen im September eine weiterführende Schule, eine Ausbildung oder im Oktober ein Studium. Gleichzeitig dürfen wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht ausblenden. Die anhaltend schwierige konjunkturelle Lage hinterlässt auch auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Tirschenreuth zunehmend Spuren“, ordnet Bernhard Lang, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weiden, die aktuelle Entwicklung ein.
Insbesondere die wirtschaftliche Unsicherheit belastet weiterhin viele Betriebe. Investitions- und Personalentscheidungen werden zurückhaltender getroffen. Dabei sind nicht nur größere Unternehmen betroffen.
„Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen können längere Phasen schwacher Nachfrage und hoher Kosten schnell zur Belastungsprobe werden. Wenn Betriebe ihre Beschäftigung reduzieren müssen oder im schlimmsten Fall Insolvenz anmelden, spüren wir diese Entwicklung unmittelbar auf dem Arbeitsmarkt. Umso wichtiger ist es, Unternehmen frühzeitig zu unterstützen und gemeinsam Möglichkeiten zu prüfen, Beschäftigung zu sichern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb zu halten“, so Lang
Blick auf die Rechtskreise
Im Rechtskreis SGB III, der Arbeitslosenversicherung, waren im August 927 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren 50 mehr als im Vormonat und 68 mehr als vor einem Jahr.
Im Rechtskreis SGB II wurden 758 arbeitslose Menschen durch das Jobcenter betreut. Gegenüber Juli waren dies 35 mehr, gegenüber August 2025 24 mehr.
Unternehmen bleiben bei Neueinstellungen zurückhaltend – Fachkräfte werden dennoch gesucht
Trotz schwacher Konjunktur bleibt die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften stabil. Im August meldeten die Unternehmen im Landkreis Tirschenreuth 150 neue Stellen, 30 mehr als im Juli und 8 weniger als vor einem Jahr. Insgesamt befanden sich 752 offene Arbeitsstellen im Bestand der Arbeitsagentur.
Seit Jahresbeginn wurden dem Arbeitgeber-Service damit insgesamt 1.053 Stellen neu gemeldet. Das entspricht einem Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
„Die Betriebe agieren derzeit vorsichtig. Personalentscheidungen werden genauer abgewogen und der Stellenbestand zeigt, dass die wirtschaftliche Unsicherheit auch bei der Personalnachfrage angekommen ist. Gleichzeitig dürfen wir nicht übersehen: Seit Jahresbeginn wurden uns mehr Stellen gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Fachkräfte werden also weiterhin gesucht“, erklärt Lang.
Gerade deshalb bleibt die Qualifizierung von Beschäftigten und Arbeitsuchenden ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit berät Unternehmen zu Förder- und Qualifizierungsmöglichkeiten und unterstützt dabei, vorhandene Beschäftigungspotenziale zu nutzen.
Ausbildungsmarkt: Auch jetzt ist noch nichts zu spät
Auch kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres bestehen für Jugendliche weiterhin gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Bis August waren im Landkreis Tirschenreuth 375 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium bei der Berufsberatung gemeldet. Gleichzeitig hatten die regionalen Unternehmen 901 Ausbildungs- und duale Studienplätze gemeldet.
Aktuell suchen noch 31 Jugendliche aktiv nach einer Ausbildungsstelle oder einem dualen Studium. Ihnen stehen 331 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.
„Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat, sollte keinesfalls davon ausgehen, dass es für dieses Jahr zu spät ist. Viele Betriebe suchen weiterhin Nachwuchskräfte und auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart ist ein Einstieg häufig noch möglich“, appelliert Lang an Jugendliche, die noch keine konkrete Perspektive haben.
Die Berufsberatung unterstützt bei der Suche nach passenden Ausbildungsstellen und zeigt auch Alternativen auf, wenn es mit dem ursprünglichen Wunschberuf nicht sofort klappt. Dabei lohnt es sich, den Blick auf Berufe zu erweitern, die bislang vielleicht noch nicht in Betracht gezogen wurden.
„Unser Rat ist ganz klar: Kontakt aufnehmen und die verbleibenden Chancen nutzen. Eine duale Ausbildung bietet hervorragende berufliche Perspektiven und ist für die Unternehmen in unserer Region ein entscheidender Baustein, um ihren Fachkräftebedarf langfristig zu sichern“, so Lang abschließend.
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit ist persönlich, telefonisch und per Videoberatung erreichbar. Termine können online oder telefonisch unter der kostenfreien Servicenummer 0800 4 5555 00 vereinbart werden.