Zitat:„So, ich habe ja nur einen Tag mitgemacht und viel mitbekommen. Die Schülerinnen und Schüler haben nach einer Woche einen noch besseren Einblick. Dann können sie gut einschätzen, ob ihnen der Job Spaß macht.“
Fürstenfeldbruck – „Die Fugen waren einfach nichts“, sagt Matea Blazevic und schaut auf den Wasserschaden. Eine Feststellung, die jemand eher einer Handwerkerin als einer Mitarbeiterin der Arbeitsagentur zutraut. Doch genau darum geht es Blazevic. Die Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Fürstenfeldbruck wagte einen Selbstversuch. Für einen Tag räumte sie ihren Schreibtisch im Amt und arbeitete als Praktikantin beim Fliesen Röhlich.
Berufswünsche hautnah erleben
Staub, Spachtelmasse und Fliesenschneider statt PC und Beratungsgespräch. Im Rahmen der Woche des Praktikums“ begleitet die junge Frau den Projektleiter Hr. Burgstaller. „Einblicke wollte ich sammeln, die mir bei der Beratung der jungen Menschen helfen sollen.“ Die Idee für das Praktikum kam aus ihrem Arbeitsalltag. „Viele meiner Jugendlichen interessieren sich für handwerkliche Ausbildungen“, sagt Blazevic, die Schülerinnen und Schüler von Mittel- und Realschulen im Raum Fürstenfeldbruck berät. Die Tätigkeiten kenne man auch. Theoretisch. Doch wie „fühlt sich ein Arbeitstag an? Wie körperlich anstrengend ist eine Acht-Stunden-Schicht am Bau?
Antworten bekam sie prompt. Nicht aus Broschüren oder dem Netz, sondern aus eigener Erfahrung. „Auf drei Baustellen habe ich mit angepackt. Im Rathaus Fürstenfeldbruck Fliesen gelegt und woanders einen Wasserschaden begutachtet.“ Fliesen schneiden, Spachtelmasse anmischen, Materialien vorbereiten – all das hat sie probiert. „So, ich habe ja nur einen Tag mitgemacht und viel mitbekommen. Die Schülerinnen und Schüler haben nach einer Woche einen noch besseren Einblick. Dann können sie gut einschätzen, ob ihnen der Job Spaß macht.“ Oder, ob sie sich eher woanders sehen. Ein praxisnaher Einblick hilft, realistische Vorstellungen von Berufen zu bekommen. Und dementsprechende Entscheidungen zu treffen.
Klischees bei der Berufswahl bestehen weiter
Blazevic hat sich für ihr Praktikum ganz bewusst einen Beruf rausgesucht, der körperliche Anstrengung beinhaltet. Bei ihren Beratungen erlebt sie immer wieder klassische Rollenbilder. „Jungs wollen ihr Praktikum oft im Bereich Kfz, Mädchen im Kindergarten machen.“ Und die Arbeitgeberseite? „Ja, das muss man sagen, hier schaut es mit dem Rollenverständnis ähnlich aus. Viele Betriebe machen sich Gedanken, ob die Mädchen körperliche Arbeit stemmen können. Setzen sie lieber ins Büro.“ Gerade deshalb seien praktische Erfahrungen wichtig. Für beide Seiten. Sie öffnen neue Sichtweisen und helfen, eigene Talente und Interessen besser kennenzulernen.
Praktika als Schlüssel zur Orientierung
Für Berufsberaterin Blazevic stehen nach ihrem Baustelleneinsatz zwei Dinge fest. Erstens, Praktika sind ein unverzichtbarer Baustein der Berufsorientierung. Und zweitens, die Fuge muss stimmen.