23.09.2026 - Marta Potužníková-König -4 MinutenArbeitswelt gestalten
Viele berufstätige Eltern kennen das – Ferienstress. Doch Arbeitgeber können helfen und ihre Mitarbeitenden entlasten, indem sie bei der Kinderbetreuung unterstützen. Eine familienfreundliche Unternehmensstrategie kann den Unterschied machen und zur Fachkräftesicherung sowie Arbeitgeberattraktivität beitragen!
Elf Wochen Ferien im Jahr für die Kinder, davon allein sechs Wochen im Sommer – ist das nicht zu viel? In der Regel reicht der Urlaubsanspruch nicht aus, um die gesamte Ferienzeit über das Jahr hinweg abzudecken. Eine echte Herausforderung. Flexible Arbeitszeiten, Betreuungsangebote und finanzielle Zuschüsse können eine verlässliche Lösung für berufstätige Eltern bieten.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewinnt in deutschen Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Für 88 Prozent der Betriebe sind laut Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2026 vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln familienfreundliche Maßnahmen auch im wirtschaftlichen Krisenjahr 2026 wichtig. 2015 waren es noch 77,4 Prozent. Die Personalverantwortlichen beobachten, dass gerade jüngere Beschäftigte bei ihren Arbeitgebern mehr Wert auf Aspekte legen, die ihnen helfen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.
Doch wie konkret unterstützen Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden, wenn wieder mal die (Sommer-)Ferien vor der Tür stehen? Eines ist klar: Nicht jedes Modell oder jede Maßnahme funktioniert für jeden Betrieb. Faktor A hat sich in verschiedenen Branchen umgeschaut und drei Impulse mit Beispielen für mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie am Arbeitsplatz zusammengestellt.
Flexible Arbeitszeitmodelle
Die jungen Eltern und Gründer der Dreer GmbH aus dem Landkreis Tübingen in Baden-Württemberg haben aus ihrer eigenen Situation heraus einen echten Mitarbeitenden-Benefit geschaffen. Der Gebäudereinigermeister Aleksandr Dreer und seine Frau Jule wollen möglichst viel Flexibilität für andere Eltern bieten. Vor kurzem wurde der Betrieb mit drei anderen Unternehmen für sein Engagement im Wettbewerb „Kleine Lösungen – große Wirkung. KMU gewinnen mit Vereinbarkeit“ vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend ausgezeichnet.
Die Vereinbarkeit wird bei der Dreer GmbH gleich im Vorstellungsgespräch ein Thema, um mögliche Sorgen auszuräumen. Der Betrieb hat einen großen Kundenstamm und ein volles Auftragsbuch. Trotzdem gilt: Termine und Einsatzorte werden so geplant, damit sie mit der Kinderbetreuung gut vereinbar sind, z. B. in der Nähe von einer Schule. So sparen die Mitarbeitenden und der Betrieb Zeit und Fahrkosten. Außerdem ist es möglich, bei städtischen Gebäuden in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden zu arbeiten.
Zitat:Es muss nicht immer schwer sein, flexible Tagesstrukturen zu gestalten. Uns ist wichtig, dass unsere Mitarbeitenden gerne zu Arbeit kommen und aber auch mit gutem Gewissen bei Bedarf zu Hause bleiben.
Jule Dreer, Geschäftsführerin der Dreer GmbH
Auf flexible Arbeitszeiten legt auch die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz großen Wert: Die Kammer bietet variable (Teilzeit-)Lösungen, Mitarbeitende können in Blöcken arbeiten (z. B. eine Woche in Vollzeit, die zweite Woche frei), die Zeitmodelle bewegen sich zwischen einer 5- bis zur 2-Tage-Woche.
Beschäftigte können außerdem ihr eingespartes Gleitzeitguthaben bis zu 15 Tage am Stück z. B. für die Kinderbetreuung nutzen oder unbezahlten Urlaub nehmen. Zeitliche Flexibilität bieten die Ferien selbst, denn die Bildungszentren schließen während dieser Zeit. Regelmäßig wird von den Mitarbeitenden Feedback zur Arbeitszeitregelung eingeholt, um die Vereinbarkeit zu optimieren.
Zitat:Die Vereinbarkeit ist ein wichtiges Thema – schon im Hinblick auf den herrschenden Fachkräftemangel und eine langfristige Mitarbeiterbindung.
Frank Höft, Stv. Bereichsleiter, Personal, Organisation, Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz, HWK Niederbayern-Oberpfalz

Organisierte Ferienbetreuung und Kooperation
Der Softwareanbieter und IT-Dienstleister DATEV eG. aus Nürnberg setzt auf einen Mix aus verschiedenen Lösungen zu Ferienzeiten und an schulfreien Tagen, denn die Betreuungssituation einzelner Mitarbeitender ist unterschiedlich.
Einer der wichtigsten Bausteine ist die betrieblich bezuschusste Ferienbetreuung. Das Großunternehmen arbeitet im Rahmen des Projekts „Kooperation MitarbeiterKinder“ (kurz KooMiKi) mit anderen Unternehmen aus der Metropolregion Nürnberg zusammen, um Schulkindern ein unternehmensübergreifendes Ferienprogramm zu ermöglichen. Das aktuelle Angebot umfasst Kunst-, Englisch- und Sport-Camps und deckt unterschiedliche Wochen der bayerischen Sommerferien ab. Die Firma nimmt auch ältere Kinder zwischen 13 und 18 Jahren in den Blick: In den Faschingsferien gab es dieses Jahr z. B. einen mehrtägigen Workshop zu Future Skills.
Die Erfahrung des Unternehmens und eine positive Bewertung seitens der Beschäftigten zeigen, dass das Angebot sehr gut angenommen wird. Nicht immer ist die Nachfrage in allen Ferien gleich hoch; deswegen prüft das Unternehmen immer wieder den Bedarf und entwickelt das Angebot entsprechend weiter.
Zitat:Familienfreundlichkeit zeigt sich gerade dann, wenn der Alltag nicht nach Plan läuft. Deshalb braucht es aus unserer Sicht nicht die eine Betreuungslösung, sondern unterschiedliche Angebote, die Familien möglichst viel Flexibilität geben. Gute Vereinbarkeit bedeutet für uns, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Beruf und Familie in unterschiedlichen Lebensphasen miteinander funktionieren können.
Sabrina Eberlein, Bereich „HR Health & Family“ bei DATEV eG.
Auch die Bundesagentur für Arbeit bietet ihren Beschäftigten eine finanzielle Unterstützung bei der selbstorganisierten Ferienbetreuung. Jeder Mitarbeiterin oder jeder Mitarbeiter kann Betreuung für Kinder organisieren und eine nachträgliche Rückerstattung der Kosten in der Personalabteilung beantragen.
Außerdem gibt es für Beschäftigte den Service „Beruf und Familie“, der von einem spezialisierten Dienstleister angeboten wird. Die Mitarbeitenden erhalten individuelle Beratung sowie Zugang zu einem Online-Portal mit aktuellen Informationen und Leistungen im Überblick.
Ferienpass aus der Region
Mit Alpakas Zeit verbringen, bei einem „Eselzirkus“ mitmachen oder in Handwerksberufe wie Bäcker oder Gärtner in den Ferien hineinschnuppern? Ein bunter Strauß an Angeboten für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre bietet der Ferienpass. Die Kommunale Jugendarbeit des bayerischen Landkreises Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim bereitet das Angebot seit vielen Jahren vor und stellt es den Familien im Landkreis für einen symbolischen Preis zur Verfügung.
Für berufstätige Eltern wird somit für eine kleine Überbrückung im Berufsalltag gesorgt und der Nachwuchs kann sich vom Anfang der Pfingst- bis zum Ende der Sommerferien auf eine abwechslungsreiche Sommerzeit freuen. Angebote wie Hoferlebnisse und betreute Tagesfahrten, Vergünstigungen bei Lern- und Erlebnisorten sowie kostenfreie Eintritte in die Freibäder hat der Ferienpass zu bieten. Er ist sehr beliebt. Dafür spricht das positive Feedback von Eltern, deren Kinder diese Aktivitäten regelmäßig nutzen. Außerdem kann der Pass ein guter Ideengeber für die gemeinsame Familienzeit sein.
Zitat:Mit unserem Ferienpass wollen wir unter anderem Kinder- und Jugenderholung ermöglichen. Gerade wenn die Schule pausiert, wollen wir Aktivitäten anbieten, die für manche Familien aufgrund ihres finanziellen Hintergrunds nicht möglich sind oder sonst mehr Aufwand bedeuten würden.
Margarete Hahn, Kreisjugendamt, Landratsamt Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim

