Von autoritär bis visionär: Führungsstile in Film, Fernsehen und Streaming

So führen Figuren aus dem TV. Erkennen Sie sich wieder?


11.08.2026 - Matthias Haft -4 MinutenRichtig führen

Wie führt man eine Rebellion an? Wie trainiert man eine mittelmäßige Fußballmannschaft? Und wie leitet man ein erfolgreiches Modemagazin? Film- und Fernsehplots sind voll von Führungsaufgaben. Faktor A wirft einen Blick auf sechs Führungspersönlichkeiten aus Film, Fernsehen und Streaming.

Mit Miranda Priestly aus Der Teufel trägt Prada und Ted Lasso aus der gleichnamigen Serie feiern aktuell zwei Figuren aus Film und Fernsehen, die in Führungsseminaren immer wieder als plakative Beispiele für ihre jeweiligen Führungsstile herhalten müssen, ein Comeback. Faktor A hat die beiden Neuveröffentlichungen zum Anlass genommen, sich einmal mit bekannten Figuren und ihren Führungsstilen zu beschäftigen. Was macht das Handeln der Figuren aus, wie arbeiten sie mit ihrem jeweiligen Umfeld zusammen? Was ist ihnen wichtig? Wie effektiv ist das, was sie in ihren Führungsjobs vollbringen?

Natürlich kommt keine TV-Figur mit einer vollständigen Bedienungsanleitung für gute Führung daher. Und die meisten Figuren – wie auch die meisten Führungskräfte im echten Leben – sind nicht nur schwarz oder weiß und auf einen Stil festgelegt. Führungskräfte können die folgende Liste – sowie die Filme und Serien, auf denen sie beruht – dennoch mit Gewinn rezipieren.  

Jean-Luc Picard: der demokratisch-partizipative Führungsstil

Jean-Luc Picard ist Kommandant der USS Enterprise. Angesichts der Verwicklungen, die in der Sci-Fi-Serie Star Trek: The Next Generation beschrieben werden, keine einfache Aufgabe. Picard begegnet den Herausforderungen mit einem Führungsstil, der sich als demokratisch und partizipativ beschreiben lässt. Er bindet das erweitere Führungsteam und die Crew in Entscheidungen ein. Er hört zu und fördert aktiv die Beteiligung seiner Belegschaft  auf der Enterprise. Damit schafft er eine Arbeitskultur, in der Menschen Verantwortung übernehmen und genügend Raum haben, um Entscheidungen bei Bedarf eigenständig treffen zu können. Der Erfolg seiner Enterprise gibt ihm Recht.

Weitere Figuren mit demokratisch-partizipativem Führungsstil: Leslie Knope (Parks and Recreation) und Aragorn (Der Herr der Ringe).

Leia Organa: der visionäre Führungsstil

Auf ein Beispiel aus Star Trek sollte natürlich auch eines aus Star Wars folgen. Prinzessin Leia Organa verfolgt eine klare Vision: eine freie Galaxis ohne Sternenzerstörer, Todessterne und das lästige Imperium. Um das zu erreichen, schließt sie sich der Rebellion an und fungiert hier als zentrale Führungsfigur. In einer in viele Fraktionen zersplitterten Galaxis betont sie das Gemeinsame und Verbindende. Sie schafft damit einen starken Sinn, der hilft, die intrinsische Motivation jeder und jedes Einzelnen zu fördern. Sie sagt: „Das bedeutet eine freie Galaxis für dich.“ Klar und griffig. Und da die Vision viel besser ist als der imperiale Status quo, kann sie die Menschen und andere Bewohner der Galaxis für die Sache der Rebellion mobilisieren – mit dem bekannten Ausgang bei der Schlacht von Endor.

Weitere Figuren mit visionärem Führungsstil: Morpheus (Matrix) und Katniss Everdeen (Die Tribute von Panem).

Professor Minerva McGonagall: der transformationale Führungsstil

Minerva McGonagall unterrichtet in Hogwarts. An der aus der Buch- und Filmreihe Harry Potter bekannten Schule werden Kinder mit magischer Begabung zu Zauberern und Hexen ausgebildet. Eine Ausbildung bedeutet dabei immer auch persönliche Weiterentwicklung: Man vermehrt sein Wissen und erlernt praktische Fähigkeiten. Als Ausbilderin verkörpert Prof. McGonagall diese Aspekte der Transformation besonders stark. Sie ist streng, aber nicht ungerecht. Sie fordert und fördert. So wirkt sie als Triebkraft der persönlichen Transformation ihrer magischen Schützlinge. Dass Transformation und Vision oft eng verknüpft sind, zeigt sich in ihrer Person daran, dass sie früh Vorbereitungen trifft, um der künftigen Bedrohung durch Sie wissen schon wen zu begegnen.

Weitere Figuren mit transformationalem Stil: John Keating (Der Club der toten Dichter) und Professor Charles Xavier (X-Men).  

Mr. Miyagi: der coachende Führungsstil

„Auftragen, polieren.“ Im System des Karatelehrers Nariyoshi Keisuke Miyagi aus dem Film Karate Kid nimmt diese simple Übung einen hohen Stellenwert ein. Sie vermittelt seinem Schüler Daniel nicht nur die motorischen Grundlagen der Verteidigung, sondern bietet zudem eine mentale Komponente: Daniel lernt Disziplin und Geduld. Er macht zudem eigene Erfahrungen, die ihn zur Reflexion ermutigen. Mr. Miyagis Training zielt nicht in erster Linie auf die Ausbildung sportlicher Fähigkeiten ab, sondern auf Persönlichkeitsentwicklung. Es geht nicht darum, der beste Karatekämpfer zu werden, sondern ein verantwortungsbewusster.

Weitere Figuren mit coachendem Stil: Dr. Niklas Ahrend (In aller Freundschaft) und Wendy Rhoades (Billions).

Ted Lasso: der dienende Führungsstil

Ein Coach ist auch Ted Lasso aus der gleichnamigen Serie. Doch Ted Lasso stellt die Bedürfnisse und die Entwicklung Anderer – insbesondere der Spieler des fiktiven AFC Richmond – noch mehr in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Er versteht Führung nicht als Machtinstrument, sondern als Dienst an seinem Team. Zentral ist für ihn der Mensch. Ted Lasso schafft Vertrauen, damit sich die Menschen in seinem Umfeld öffnen. Er interessiert sich für ihre Nöte, um ihnen helfen zu können. Geht es den Menschen gut, spielen sie auch gut Fußball – die nötigen sportlichen Fähigkeiten vorausgesetzt, versteht sich. Ted Lassos Blick auf den Menschen macht auch vor ihm selbst nicht Halt: Die Spannung zwischen seinem Beruf in London und seiner Familie in Kansas ist der rote Faden der Serie.

Weitere Figuren mit dienendem Führungsstil: Queen Ramonda (Black Panther) und Leslie Higgins (ebenfalls Ted Lasso).

Miranda Priestly: der autoritär-direktive Führungsstil

In Der Teufel trägt Prada herrscht Miranda Priestly über jeden Winkel der Verlagsräume des Modemagazins Runway. Sie dirigiert und duldet dabei keinen Widerspruch. Dialog und Partizipation kommen in ihrem Führungsstil nicht vor. Ihr System funktioniert zwar – immerhin ist Runway das wichtigste Modemagazin der Welt –, doch es ist vollkommen abhängig von ihrer Person. Die Folgen: Mitarbeitende können keine eigenen Entscheidungen treffen, bei jeder Frage müssen sie Miranda konsultieren. Die Folgen dieses Führungsstils werden in der aktuellen Fortsetzung thematisiert: Eine Beratungsgesellschaft soll das Management des Magazins auf Vordermann bringen. Und ganz nebenbei eröffnet Miranda Priestly ihrer besten Kollegin und dem Publikum, was sie in den Jahren als Verlagskönigin nicht geschafft hat: Ihre Kinder beim Aufwachsen zu begleiten.

Weitere Figuren mit autoritär-direktivem Führungsstil: Tywin Lannister (Game of Thrones) und Bernd Stromberg (Stromberg).


Titelbild: ©AdobeStock/terovesalainen