„Anders als in anderen Regionen ist die Wirtschaft im Kreis Warendorf sehr vielfältig aufgestellt. Das sorgt dafür, dass der Arbeitsmarkt insgesamt auch bei konjunkturellen Schwankungen relativ stabil reagiert“, erklärt Fahnemann. So blieb die Beschäftigung im Kreisgebiet weiterhin auf einem hohen Niveau. Insgesamt 101.856 Menschen gingen im Juni des vergangenen Jahres einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.
Unternehmen, die stark von weltwirtschaftlichen Entwicklungen oder dem privaten Konsum beeinflusst werden, hätten allerdings im vergangenen Jahr weiterhin große Herausforderungen bewältigen müssen, ergänzt er. Dabei sei es den betroffenen Arbeitgebern bis auf einzelne Ausnahmen im Großen und Ganzen gelungen, umfangreiche Entlassungen zu vermeiden.
Vorrangiges Ziel der meisten Unternehmen sei es gewesen, das vorhandene und eingearbeitete Personal zu halten, berichtet der Agenturchef. „Allerdings verzichteten viele Personalchefs gleichzeitig auf Neueinstellungen. Das hat auch den regionalen Arbeitsmarkt in den vergangenen drei bis vier Jahren spürbar geprägt“. So erreichte die Zahl der Arbeitsstellen, die Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit meldeten, im Jahr 2024 einen Tiefstand.
Daher sei es eine positive Nachricht, dass die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen im zurückliegenden Jahr wieder leicht gestiegen ist, sagt Fahnemann. Insgesamt meldeten die Personalverantwortlichen aus dem Kreis Warendorf im vergangenen Jahr 4.719 neue offene Stellen, 192 mehr als in 2024. Das entspricht einem Plus von 4,4 Prozent. Eine grundsätzliche Trendwende am Arbeitsmarkt sei damit zwar noch nicht verbunden, so Fahnemann: „Aber die Entwicklung besonders zum Jahresende gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus und bietet Menschen, die eine neue Anstellung suchen, durchaus Chancen“.
Die niedrige Personalnachfrage hatte auch Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitslosen, die zum dritten Mal in Folge gestiegen ist. Im Jahresschnitt waren im Kreisgebiet 9.371 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 357 mehr als in 2024. Das entspricht einem Plus von 4 Prozent. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,2 Prozentpunkte auf zuletzt 5,7 Prozent. Die Arbeitslosigkeit lag zwar insgesamt auf einem höheren Niveau als im Vorjahr, allerdings fielen die Anstiege im Jahresverlauf insgesamt niedriger aus. So erhöhte sich die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen von November zu Dezember 2025 nur um 1,7 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit mit einem Plus von 3,8 Prozent noch deutlich größer aus. „Die negative Entwicklung hat sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt“, ordnet Fahnemann ein.
So kam im letzten Jahr wieder mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt. Über das Jahr verteilt haben sich zwar 7.967 Menschen bei der Arbeitsagentur oder den kommunalen Jobcentern aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos melden müssen und damit 393 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig konnten sich aber 6.594 Frauen und Männer aus der Arbeitslosigkeit abmelden, weil sie eine neue Anstellung gefunden hatten, das waren 633 mehr als im Jahr davor. Auch dies sei ein Hinweis auf eine mögliche Entspannung am Arbeitsmarkt, so der Agenturchef.
Positiv entwickelte sich dabei die Arbeitslosigkeit von Menschen, die aus anderen Ländern in die Region gekommen sind, um hier Asyl zu suchen. Die Arbeitslosigkeit unter den Geflüchteten konnte gegenüber dem Vorjahr um 15,8 Prozent sinken. Auch bei den Menschen aus der Ukraine verringerte sich die Arbeitslosigkeit. Hier betrug der Rückgang sogar 20,4 Prozent. „Zum einen gelingt es immer mehr von ihnen, eine Arbeit aufzunehmen. Gleichzeitig kommen weniger Menschen aus den betroffenen Ländern nach Deutschland“, benennt Fahnemann die Gründe.
„Neben der angespannten konjunkturellen Lage ist die Sicherung des Fachkräftebedarfs nach wie vor beherrschendes Thema am Arbeitsmarkt“, macht Fahnemann deutlich. Fachkräfteengpässe gab es dabei in der Region in mehr als 20 Berufen, darunter besonders im Gesundheitswesen, in Bauberufen, im Garten- und Landschaftsbau, in der Elektrotechnik und im Metallbau. Die Lücke zwischen den Anforderungen der Arbeitgeber und den Qualifikationen der Arbeitsuchenden führe weiterhin dazu, dass offene Stellen nicht besetzt werden können, erklärt der Arbeitsmarktexperte. In den überwiegenden Fällen suchten die Unternehmen Bewerberinnen und Bewerber mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem Hochschulabschluss. So waren 79 Prozent der Stellenangebote auf dem Niveau für Fachkräfte oder höherqualifiziert ausgeschrieben. Gleichzeitig verfügten deutlich mehr als die Hälfte der Menschen, die im vergangenen Jahr arbeitslos gemeldet waren, nicht über einen Berufsabschluss.
"Aus- und Weiterbildung sind daher weiterhin ein wichtiger Schlüssel, um Fachkräftebedarfe zu decken und Arbeitslosigkeit zu vermeiden", betont Fahnemann. Aus diesem Grund ermöglichte die Arbeitsagentur Ahlen-Münster im vergangenen Jahr mehr als 1.400 Menschen eine berufliche Weiterbildung. Darunter waren nicht nur Arbeitslose und Arbeitsuchende, sondern auch Beschäftigte in Betrieben. "Wenn wir Menschen qualifizieren, bieten wir ihnen bessere Zukunftsperspektiven und können gleichzeitig die Fachkräftelücke bei den Unternehmen verkleinern", so Fahnemann.