Insgesamt 195.498 Menschen gingen in Münster im September des vergangenen Jahres einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach, 2,4 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr. Die Beschäftigung erreichte damit erneut ein Rekordhoch. Ganz oben standen dabei Tätigkeiten im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Verwaltung sowie im Handel. Besonders in Krankenhäusern und Arztpraxen sowie im öffentlichen Dienst gab es im vergangenen Jahr ein deutliches Plus an Beschäftigten. „Diese Wirtschaftsbereiche sind weiter stark gewachsen“, berichtet Fahnemann und erklärt: „Sie sind kaum abhängig von konjunkturellen Schwankungen und tragen dazu bei, dass sich der Arbeitsmarkt relativ stabil gezeigt hat“.
In anderen Bereichen hingegen seien die Einflüsse der andauernden Konjunkturschwäche durchaus spürbar gewesen, so der Arbeitsmarktexperte. „Dabei waren Insolvenzverfahren und umfangreiche Entlassungen im vergangenen Jahr weiterhin die Ausnahme. Die Arbeitgeber versuchen, das vorhandene und gut eingearbeitete Personal im Betrieb zu halten. Allerdings blieben die Personalverantwortlichen in vielen Branchen bei Neueinstellungen weiterhin sehr zurückhaltend“, führt Fahnemann aus. So meldeten die Unternehmen und Verwaltungen im vergangenen Jahr 5.614 neue offene Stellenangebote, 749 weniger als in 2024. Gesucht wurde fast ausschließlich auf Fachkräfteniveau oder höher. Fast 90 Prozent aller gemeldeten Stellen richteten sich an Bewerberinnen und Bewerber mit einer abgeschlossenen Berufs- oder Hochschulausbildung.
„Die geringe Personalnachfrage verbunden mit den Anforderungen an die Qualifikationen hat dazu geführt, dass die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr erneut angestiegen ist“, erläutert Fahnemann. Insgesamt 9.600 Personen waren im Durchschnitt im vergangenen Jahr arbeitslos gemeldet, 400 mehr als in 2024. Das entspricht einem Plus von 4,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,3 Prozent und damit um 0,2 Prozentpunkte höher als in 2024.
Die Arbeitslosigkeit lag zwar insgesamt auf einem höheren Niveau als in 2024, allerdings ging sie im Verlauf des letzten Jahres zurück. So sank die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen von November zu Dezember 2025 um 1,7 Prozent. „Diese Entwicklung zum Jahresende ist ein positives Zeichen“, so Fahnemann. Außerdem kam im letzten Jahr wieder mehr Bewegung in den Arbeitsmarkt. Über das Jahr verteilt haben sich zwar 8.547 Menschen bei der Arbeitsagentur oder den kommunalen Jobcentern aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos melden müssen und damit 587 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig konnten sich aber 7.472 Frauen und Männer aus der Arbeitslosigkeit abmelden, weil sie eine neue Anstellung gefunden hatten, das waren 679 mehr als im Jahr davor. Auch hier deute sich eine mögliche Erholung am Arbeitsmarkt an, so der Agenturchef.
Positiv entwickelte sich dabei die Arbeitslosigkeit von Menschen, die aus der Ukraine in die Region gekommen sind und hier eine Anstellung suchen. Im vergangenen Jahr verringerte sich die Zahl der arbeitslosen Ukrainerinnen und Ukrainer um 21,1 Prozent. Mit einem Minus von 22,9 Prozent sank die Arbeitslosigkeit unter Personen, die hierher geflüchtet sind, um Asyl zu suchen, sogar noch etwas stärker. „Zum einen gelingt es immer mehr von ihnen, eine Arbeit aufzunehmen. Gleichzeitig kommen weniger Menschen aus den betroffenen Ländern nach Deutschland“, benennt Fahnemann die Gründe.
„Die Fachkräftesicherung war neben der angespannten konjunkturellen Lage weiterhin beherrschendes Thema am Arbeitsmarkt“, sagt der Agenturchef. Er weist darauf hin, dass inzwischen in mehr als 30 verschiedenen Berufen Fachkräfteengpässe bestehen. „Das betrifft mittlerweile fast alle Branchen und Berufe, seien es Tätigkeiten im Gesundheitsbereich, in Steuerberatungen, im Gartenbau oder in Bauberufen“, nennt er einige Beispiele. Dabei vergrößere die Lücke zwischen den Anforderungen der Arbeitgeber und den Qualifikationen der Arbeitsuchenden die Problematik, so der Arbeitsmarktexperte. „Sie führt weiterhin dazu, dass offene Stellen nicht besetzt werden können“, erklärt er. In den überwiegenden Fällen suchten die Unternehmen Bewerberinnen und Bewerber mit einer abgeschlossenen Ausbildung oder einem Hochschulabschluss. So waren 85 Prozent der Stellenangebote auf dem Niveau für Fachkräfte oder höherqualifiziert ausgeschrieben. Gleichzeitig verfügten deutlich mehr als die Hälfte der Menschen, die im vergangenen Jahr arbeitslos gemeldet waren, nicht über einen Berufsabschluss.
"Aus- und Weiterbildung sind daher weiterhin ein wichtiger Baustein, um Fachkräftebedarfe zu decken und Arbeitslosigkeit zu vermeiden", betont Fahnemann. Aus diesem Grund ermöglichte die Arbeitsagentur Ahlen-Münster im vergangenen Jahr mehr als 1.400 Menschen eine berufliche Weiterbildung. Darunter waren nicht nur Arbeitslose und Arbeitsuchende, sondern auch Beschäftigte in Betrieben. "Wenn wir Menschen qualifizieren, bieten wir ihnen bessere Zukunftsperspektiven und können gleichzeitig die Fachkräftelücke bei den Unternehmen verkleinern", so Fahnemann.