Zitat:„Die anhaltend schwache Konjunktur bremste den Oberlausitzer Arbeitsmarkt weiter aus. Die Arbeitslosenquote stagnierte im Jahr 2025 bei unverändert 7,4 Prozent. Für dieses Jahr ist noch keine Trendwende in Sicht. Die Personalnachfrage der Betriebe bleibt zurückhaltend. Dennoch gilt es, die Herausforderungen, welche die Demografie sowie der Wandel des Arbeitsmarktes durch Digitalisierung, Energie- und Mobilitätswende mit sich bringen, weiter im Blick zu behalten. Umso wichtiger bleibt es, Qualifizierung und Weiterbildung gezielt zu fördern. Besonders bei jungen Menschen ohne Berufsabschluss oder mit wenig Berufserfahrung sehe ich steigenden Beratungs- und Unterstützungsbedarf, denn diese sind zunehmend von Arbeitslosigkeit betroffen. Nach wie vor gilt: Je höher die Qualifikation ist, desto geringer ist das Risiko, arbeitslos zu werden oder zu bleiben. Außerdem bleibt die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte ein wichtiges Thema, insbesondere in Branchen, in denen aufgrund der alternden Bevölkerung steigender Personalbedarf vorhanden ist“, resümierte Anna Metz, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Bautzen.
Arbeitslosigkeit:
Die Zahl der Arbeitslosen ging im Jahresdurchschnitt 2025 leicht um 147 Personen (-0,7 Prozent) auf 20.223 Menschen gegenüber dem Jahr 2024 zurück. Insbesondere die Zahl der arbeitslosen Menschen ab 50 Jahren und der arbeitslosen Frauen war leicht rückläufig, aber auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen und arbeitslosen Ausländer verringerte etwas. Doch es gibt auch gegenläufige Entwicklungen:
Männer waren häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen, ihre Zahl lag 2025 bei 11.491 Personen, 31 (+0,3 Prozent) mehr als im Vorjahr. Denn sie arbeiten häufiger in konjunkturnahen Branchen als Frauen, beispielsweise in gewerblich-technischen Berufen. Sie sind auch häufiger in Saisonberufen tätig, beispielsweise im Baugewerbe und der Landwirtschaft. Die Arbeitslosenquote der Männer lag 2025 jahresdurchschnittlich bei 7,9 Prozent, die der Frauen bei 6,8 Prozent. Auch die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen erhöhte sich leicht um 11 Personen (+0,8 Prozent) auf 1.476 Personen im Jahresdurchschnitt 2025.
Besonders Menschen mit weniger Berufserfahrung oder fehlendem Berufsabschluss haben es in Zeiten zurückhaltender Einstellungsbereitschaft der Arbeitgeber schwerer, einen Job zu finden.
So stieg die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren um 107 Personen (+6,3 Prozent) auf 1.804. Die Arbeitslosenquote der Jugendlichen unter 25 Jahren lag 2025 bei 7,6 Prozent, 0,1 Prozentpunkte höher als im Vorjahr.
Insgesamt hatten 42 Prozent aller Arbeitslosen keinen Berufsabschluss beziehungsweise keinen in Deutschland anerkannten ausländischen Berufsabschluss, Tendenz steigend. Davon waren 3.187 Arbeitslose im Jahr 2025 unter 35 Jahre alt, 61 Personen mehr als im Vorjahr. Die Mehrzahl von ihnen sind Deutsche, ein Drittel stammen aus dem Ausland.
Bei der Agentur für Arbeit Bautzen, welche unter anderem für die Auszahlung von Arbeitslosengeld zuständig ist, stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen konjunkturell bedingt an. Im Jahresdurchschnitt 2025 betreute die Arbeitsagentur Bautzen 7.180 Arbeitslose, 273 Menschen mehr (+4,0 Prozent) als im Jahr 2024. Bei den beiden Jobcentern der Landkreise Bautzen und Görlitz waren im Jahresdurchschnitt 2025 13.043 Arbeitslose registriert, welche Bürgergeld empfingen. Das sind 420 Personen weniger (-3,1 Prozent) als im Jahr 2024. Mit der anhaltenden Konjunkturschwäche besteht die Gefahr, dass sich Arbeitslosigkeit verfestigt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit prognostiziert, dass sich das 2026 zunehmend auch auf die Zahl der Arbeitslosen bei den Jobcentern auswirken wird.
Unterbeschäftigung:
Die Unterbeschäftigung - die Summe aus Arbeitslosen, Teilnehmern an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und vorübergehend nicht verfügbaren Arbeitsuchenden - belief sich nach ersten Hochrechnungen im Jahresdurchschnitt 2025 auf 23.062 Personen und liegt damit um 688 Personen (-2,9 Prozent) unter dem Vorjahresniveau. Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen lag die Unterbeschäftigungsquote im Jahr 2025 bei 8,3 Prozent und ist damit 0,3 Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2024.
Arbeitskräftenachfrage:
Der durchschnittliche Bestand freier Arbeitsstellen, der in jedem Monat im Jahr 2025 bei der Arbeitsagentur gemeldet war, lag bei 3.640, 299 Stellen mehr (+8,9 Prozent) als im Jahresdurchschnitt 2024. Ein besserer Indikator für die aktuelle Einstellungsbereitschaft der Betriebe ist die Gesamtsumme der freien Arbeitsstellen, welche im Jahr 2025 von den Unternehmen neu gemeldet wurden. Diese lagen in der Jahressumme bei 8.992, 1.297 Stellen mehr (+16,9 Prozent) als in der Jahressumme 2024. Das klingt zunächst nach einer großen Steigerung. Im Vergleich mit den letzten Jahren wird jedoch deutlich, dass die Unternehmen bei Neueinstellungen weiterhin zurückhaltend waren. Denn nach den Jahren 2023 und 2024 ist das der drittniedrigste Stand seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 2007.
Die Zunahme verteilt sich auf die Mehrzahl der Branchen, leichte Rückgänge gab es unter anderem in der öffentlichen Verwaltung, in der Erbringung von sonstigen Dienstleistungen, der Information und Kommunikation sowie in Finanz- und Versicherungsdienstleistungen. 84 Prozent der gemeldeten Stellen richten sich an Fachkräfte, Spezialisten und Experten, nur 16 Prozent an Helfer.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung:
Der durch die schwache Konjunktur rückläufige Trend, der im Jahr 2022 begann, hält weiter an. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, welche im Agenturbezirk Bautzen bei den Unternehmen tätig sind, sank im Juni 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2.323 Personen (-1,2 Prozent) auf 196.522. Das entspricht dem Beschäftigungsniveau des Jahres 2017.
Besonders in konjunkturnahen Bereichen, wie im verarbeitenden Gewerbe (-1.207 Beschäftigte / -2,5 Prozent), im Gastgewerbe (-439 Beschäftigte / -7,4 Prozent) oder im Verkehr und der Lagerei (341 Beschäftigte / -3,6 Prozent), waren Rückgänge zu verzeichnen. Beschäftigungszuwächse gab es im Juni 2025 gegenüber Juni 2024 in einigen Dienstleistungsbereichen, wie in Heimen und dem Sozialwesen (+805 Beschäftigte / +3,7 Prozent), im Gesundheitswesen (+124 Beschäftigte / +0,8 Prozent) und Erziehung sowie Unterricht (+55 Beschäftigte / +0,6 Prozent).
Nicht nur die Konjunktur wirkt sich auf die Beschäftigungsentwicklung aus. Die Zahl der deutschen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten geht auch aufgrund der demographischen Entwicklung zurück. Hingegen ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern im Juni 2025 gegenüber dem Vorjahr gestiegen, beispielsweise im Gesundheits- und Sozialwesen (+334 Personen / +18,7 Prozent). Ohne die Einstellung von ausländischen Fachkräften wäre die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stärker zurückgegangen und noch mehr dringend benötigte Fachkräfte würden fehlen.
Kurzarbeit:
Durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld bei vorübergehend schwierigen Wirtschaftsbedingungen sollen den Betrieben ihre eingearbeiteten Mitarbeitenden und den Beschäftigten ihre Arbeitsplätze gesichert werden. Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis August 2025 zur Verfügung. Zwischen Januar und August 2025 waren durchschnittlich 0,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Arbeitsort im Arbeitsagenturbezirk Bautzen von Kurzarbeit betroffen, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es durchschnittlich 0,9 Prozent.
Grundsicherung im Jahr 2025 und Ausblick auf 2026:
- Jobcenter des Landkreises Bautzen:
- Jobcenter des Landkreises Görlitz:
„Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen war 2025 für das Jobcenter des Landkreises Bautzen ein Jahr mit positiven Entwicklungen. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen konnte um 560 gesenkt werden, die Arbeitslosenquote sank von 3,9 auf 3,5 Prozent. Auch die Zahl der Bürgergeldempfänger ging um 5,4 Prozent zurück. Diese Ergebnisse bestätigen, dass unsere strategische Ausrichtung wirkt“, sagte Nadin Herrnsdorf, Amtsleiterin des Jobcenters Landkreis Bautzen.
Die deutlich gestiegene Zahl an ausgegebenen Bildungsgutscheinen unterstreicht die Bedeutung von Weiterbildung für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt. Gleichzeitig legte das Jobcenter Landkreis Bautzen den Fokus stärker auf Eigeninitiative und aktive Vermittlung. Bislang konnten 2025 rund 1.950 Menschen erfolgreich in Arbeit integriert werden. Die Passung zwischen den Profilen der Arbeitssuchenden und den Anforderungen vieler Betriebe bleibt jedoch eine zentrale Herausforderung.
„Für 2026 erwarten wir ein anspruchsvolleres Umfeld. Prognosen gehen von einer tendenziell eher steigenden Arbeitslosigkeit in Sachsen aus, auch in der Grundsicherung. Hinzu kommen voraussichtlich höhere Zugangszahlen von Schutzsuchenden. Die geplanten gesetzlichen Änderungen im Bürgergeld ab Mitte 2026 setzen wieder stärker auf Eigenleistung und werden die Integrationsarbeit unterstützen, wenngleich ihre Wirkung zeitverzögert eintreten wird. Vor diesem Hintergrund bleiben Qualifizierung und Weiterbildung, ein verbessertes Matching zwischen Arbeitsuchenden und Arbeitgebern, die gezielte Unterstützung von Menschen mit besonderen Vermittlungshemmnissen sowie die Vermeidung von Langzeitleistungsbezug unsere zentralen Schwerpunkte. Die für 2026 vorgesehenen höheren Eingliederungsmittel werden wir weiterhin verantwortungsvoll, zielgerichtet und wirkungsorientiert einsetzen. Wir sind zuversichtlich, auch 2026 gemeinsam mit unseren Partnern im Landkreis Bautzen die richtigen Schritte zu gehen, um Menschen nachhaltig in Arbeit zu integrieren und ihre Chancen auf eine stabile Beschäftigung zu verbessern“, so Nadin Herrnsdorf.
„Das Jobcenter Landkreis Görlitz kann auf ein erfolgreiches Jahr 2025 zurückblicken. Durch insgesamt 1.827 Integrationen in Arbeit bis November 2025 ist es gelungen, den Bestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten auf 13.182 (alle Werte sind sog. vorläufige Werte[1]) sowie die Zahl der Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II im Landkreis Görlitz auf 10.357 zu senken. Das entspricht einer Reduktion um 4 Prozent. Angesichts der weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage im Landkreis stellt dieses Ergebnis einen beachtlichen Erfolg dar“, resümiert Felix Breitenstein, Betriebsleiter des Jobcenters Landkreis Görlitz.
Besonders positiv fällt auch die Bilanz in der Ausbildungsvermittlung aus: Für nahezu alle Bewerberinnen und Bewerber im Bürgergeld-Bezug konnte wie auch in den Vorjahren ein Übergang von der Schule in den Beruf ermöglicht werden – sei es durch die Aufnahme einer Ausbildung, durch berufsvorbereitende Maßnahmen oder durch weiterführende Qualifizierungen. Weniger als zehn junge Menschen blieben vorerst ohne direkte Anschlussperspektive.
Durch eine stärkere Fokussierung auf die Mitwirkung der Kundinnen und Kunden sowie eine erhöhte Kontaktdichte gelang es zudem, das Niveau der Arbeitsmarktintegrationen im Vergleich zum Vorjahr zu halten – trotz insgesamt wirtschaftlicher Stagnation. Zusätzliche finanzielle Mittel, die den Jobcentern im Sommer zur Verfügung gestellt wurden, ermöglichten es darüber hinaus, in der zweiten Jahreshälfte weitere kundenorientierte Maßnahmen zu starten oder zu erweitern.
Das Jobcenter Landkreis Görlitz ist weiterhin an fünf Standorten im Landkreis vertreten und damit auch im Flächenlandkreis gut erreichbar. Im Zuge von Effizienzsteigerungsmaßnahmen und der fortschreitenden Digitalisierung wurden ergänzende Online-Angebote erfolgreich umgesetzt. Neben dem Erstantrag und der Änderungsmitteilung stehen nun auch der Weiterbewilligungsantrag sowie Anträge auf einmalige Leistungen digital den Kunden des Jobcenters zur Verfügung. Der Online-Antrag auf Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz für Wohngeld- und Kinderzuschlagsberechtigte wird im ersten Quartal 2026 folgen.
Kundenorientierung wird auch im Jahr 2026 ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit des Jobcenters. „Neben dem konsequenten Einfordern einer stärkeren Mitwirkung der Kundinnen und Kunden werden wir weiterhin die Prüfung von Anwesenheiten am Wohnort forcieren“, erklärt Felix Breitenstein.
Hintergrundinformationen:
IAB-Kurzbericht 20/2025: Regionale Arbeitsmarktprognosen 2025/2026: Positive und negative Entwicklungen halten sich die Waage
Regionalreport über Beschäftigte – Agenturen für Arbeit und Kreise
Daten zu Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Arbeitsstellen und Beschäftigung in der Zeitreihe
[1] Vorläufige Werte: Revidierte Werte sind erst mit drei Monaten Rückblick verfügbar