Arbeitslosigkeit und Beschäftigung
In Bielefeld lag 2025 die Arbeitslosenzahl durchschnittlich bei 17.086 Personen. Dies sind alle Bielefelderinnen und Bielefelder, die Bürgergeld (Sozialgesetzbuch 2 - SGB II) und Arbeitslosengeld (Sozialgesetzbuch 3 - SGB III) beziehen und zudem dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen. Binnen Jahresfrist stieg die Zahl um 531 Personen (plus 3,3 Prozent). Dem zu Folge liegt die durchschnittliche Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte höher als im Vorjahr und beträgt 9,1 Prozent. Damit hat sie erstmals seit 2015 wieder die Marke von neun Prozent überschritten. Obwohl damals weniger Menschen arbeitslos waren, lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote bei 9,4 Prozent. „Dies liegt daran, dass für die Berechnung der Arbeitslosenquote die Anzahl der Arbeitslosen in Relation zu den zivilen Erwerbspersonen gesetzt werden. Und da diese in den letzten zehn Jahren um 25.984 Personen gestiegen ist, haben wir nun mehr Arbeitslose aber eine niedrigere Quote als noch 2015“, erklärt Wolfgang Draeger, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld.
„Aktuell schützt auch ein höherer Bildungsabschluss nicht vor einer Arbeitslosigkeit“, so Draeger. Grundsätzlich gelte aber weiterhin: je höher der Schul- bzw. Berufsabschluss ist, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden bzw. längerfristig ohne Beschäftigung zu sein. Denn der Arbeitsmarkt zeichne sich weiterhin durch eine hohe Dynamik, also viele Zugänge aber eben auch viele Abgänge, aus.
Arbeitslosigkeit ist gesetzlich definiert ist und setzt u.a. die unmittelbare Verfügbarkeit, d.h. grundsätzlich sofort eine neue Arbeit aufnehmen zu können, voraus. Wer z.B. eine Weiterbildung oder einen Sprachkurs besucht, erkrankt oder schwanger ist, kann nicht unverzüglich – etwa am nächsten Werktag – eine Arbeit aufnehmen. „Neben den aktuell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Personen werden in der sogenannten Unterbeschäftigung auch jene Kundinnen und Kunden mitgezählt, die ebenfalls erwerbslos sind, aber aus unterschiedlichen Gründen – z.B. durch Mutterschutz, Besuch einer Bildungsmaßnahme sowie einem Sprachkurs oder aus gesundheitlichen Gründen – aktuell keinen Job antreten können“, erklärt Draeger weiter. Hier liegt der Jahresdurchschnitt 2025 in Bielefeld bei 20.820 Personen. Dies ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 64 Personen.
Bürgergeld
Das Jobcenter Arbeitplus Bielefeld zieht eine erfolgreiche Bilanz für das Jahr 2025. In allen relevanten geschäftspolitischen Zielbereichen konnten die Vorjahreswerte übertroffen werden.
Sehr deutlich zeigt sich der Erfolg bei der Integrationsquote, die mit 19,4 Prozent um 5,2 Prozentpunkte über dem Vorjahr liegt. Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den Jugendlichen unter 25 Jahren, deren Integrationsquote um 8,4 Prozent auf 24,8 Prozent gestiegen ist. Insgesamt konnte der Bestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten auf 23.922 Personen gesenkt werden (-2,0 % zum Vorjahr).
Ein zentraler Fokus lag im vergangenen Jahr auf der Modernisierung der Dienstleistungen. Die Bearbeitungsdauer von Erstanträgen konnte im Durchschnitt auf nur noch 5,3 Werktage gesenkt werden – eine Beschleunigung um 28 Prozent (2 Werktage) im Vergleich zum Vorjahr. Damit agiert das Jobcenter Bielefeld schneller als im Bundes- und NRW-Vergleich.
Gleichzeitig nutzen immer mehr Kundinnen und Kunden digitale Kanäle: Die Quote der Online-Anträge bei Weiterbewilligungen stieg um beachtliche 148 Prozent. Auch die Wartezeit bis zur Erstberatung verkürzte sich für Neukunden spürbar (U25: -22 %; Ü25: -16 %).
Dazu erklärt Marc-Sebastian Alex, Geschäftsführer des Jobcenters Arbeitplus Bielefeld: „Wir blicken auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Es ist uns nicht nur gelungen, den Langzeitleistungsbezug zu senken, sondern wir sind auch für unsere Kundinnen und Kunden schneller und zugänglicher geworden. Die Kombination aus persönlicher Beratung und digitalen Angeboten greift: Während die Nutzung der Videotelefonie um 65 Prozent zunahm, stieg die Gesamtzahl der Beratungen auf ca. 90.000 an. Besonders wichtig ist mir die Nachhaltigkeit unserer Vermittlungen: 67 Prozent aller Menschen, die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen haben, waren auch ein halbes Jahr später noch in Arbeit. Dass wir im Bereich der Qualifizierung Schwerpunkte in Bedarfsbranchen setzen, zahlt sich aus.“
Arbeitsstellen
Die weiterhin angespannte wirtschaftliche Situation in Bielefeld zeigt sich auch in der Anzahl der neu gemeldeten offenen Arbeitsstellen. Diese sind im Jahr 2025 um 9,8 Prozent gesunken. „Auch der Bestand an ausgeschriebenen offenen Arbeitsplätzen ist innerhalb des letzten Jahres um 19,2 Prozent auf nun 3.367 Stellen gesunken“, berichtet Günter Michaelis, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit.
Förderung und Qualifizierung
„Der Fachkräftebedarf bestimmt weiterhin die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt“, so Michaelis. Der Schlüssel liegt für ihn dabei in der beruflichen Qualifizierung. „Denn die verfügbaren Arbeitskräfte reichen weiterhin nicht aus, um den Bedarf zu decken. So haben Arbeitsagentur und Jobcenter in diesem Jahr 1.883 berufliche Weiterbildungen in Bielefeld finanziell unterstützt. 306 hiervon waren Beschäftigtenförderungen von Menschen in Erwerbsarbeit“, berichtet Michaelis. Dies entspricht einem Anstieg um 64,5 Prozent im Vergleich zu 2024. Bei der Beschäftigtenförderung können auch Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen können auch Arbeitgeber Weiterbildungen für ihre Beschäftigten durch die Agentur für Arbeit finanziell unterstützen lassen.
Kurzarbeit und Insolvenzen
Bei der Erhebung der Kurzarbeit besteht ein entscheidender Unterschied zwischen der angezeigten und der realisierten Kurzarbeit. Alle Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können – wenn sie die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllen – Kurzarbeit für ihre Beschäftigten anmelden. Eine Verpflichtung, diese dann auch umzusetzen, besteht jedoch nicht. Sowohl die Anzeigen als auch die realisierte Kurzarbeit sind dabei in Bielefeld rückläufig, berichtet Agenturleiter Draeger.
Dier Insolvenzen dagegen sind im 3. Quartal 2025 in Bielefeld mit 32 Verfahren gegenüber 18 Verfahren im 3. Quartal 2024 stark angestiegen. Die Gesamtzahl an Insolvenzverfahren betrug 2024 101, in den ersten drei Quartalen 2025 waren es 81 Verfahren. Zum Vergleich: in den ersten drei Quartalen 2024 sind 73 Insolvenzverfahren gezählt worden. „Was das vierte Quartal 2025 bringt, können wir aktuell leider noch nicht sagen“, so Draeger.
Ausblick 2026
Zudem bereitet sich das Jobcenter auf die Umsetzung neuer Gesetzesvorhaben zur Umgestaltung des SGB II vor. Darüber hinaus setzen die Agentur für Arbeit und das Jobcenter auch für das kommende Jahr auf eine noch enge Verzahnung von Vermittlung und Qualifizierung. Insbesondere die berufliche Weiter- und Ausbildung wird weiter forciert. So sind insgesamt 2.214 Qualifizierungsmaßnahmen für beide Häuser geplant.