Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsraum Bonn/Rhein-Sieg – Jahresbilanz 2023

Der Arbeitsmarkt 2023 – Zwischen Pandemie und Fachkräfteengpässen

03.01.2024 | Presseinfo Nr. 2

In 2023 sendete der Arbeitsmarkt auf den ersten Blick widersprüchliche Signale: Unternehmen suchen Fachkräfte, trotzdem geht das Angebot an offenen Stellen zurück. Betriebe suchen Auszubildende, trotzdem steigt die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen. Neben den aktuellen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten macht sich hier vor allem bemerkbar, dass das Qualifikationsniveau der Bewerber*innen und das Anforderungsprofil der offenen Stellen nicht zusammenpassen. Hier liegt die Kernaufgabe der Arbeitsagentur und der Jobcenter.

Bilanz für das Jahr 2023 im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg

  • Erneuter Anstieg der Arbeitslosigkeit nach der Pandemie-Erholung
  • Mehr arbeitslose junge Menschen, aber weniger Langzeitarbeitslosigkeit
  • Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt zu
  • Die Arbeitskräftenachfrage flacht ab

Entwicklung der Beschäftigung gesamt

„Im Jahr 2023 ging die Phase der sinkenden Arbeitslosigkeit nach den Auswirkungen der Coronapandemie langsam zu Ende. Insgesamt waren im Jahresdurchschnitt 5,2% mehr Menschen arbeitslos als in 2022. Gleichwohl ist auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung mit 1,4 Prozent leicht gestiegen.“ erläutert Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn, während der Jahresbilanz zum Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Bonn. Mit Blick auf die Anforderungsprofile der Beschäftigten in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis war der höchste Anstieg im Verkauf (+28,0 Prozent) und in der Kunststoff-, Kautschukherstellung, sowie -verarbeitung (+84,2 Prozent) zu verzeichnen. Die Gruppe der Expert*innen wuchs im Vergleich zum Vorjahr leicht (+1,6 Prozent). Mit einem Minus von 0,6 Prozent bildeten jedoch die Fachkräfte ohne Spezifikation im Jahresvergleich das Schlusslicht.

Die höchsten Zuwächse nach Wirtschaftsabteilungen waren im "Gesundheitswesen" (+9,5 Prozent) gefolgt von der „Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung" (+9,4 Prozent).

Entwicklung der Arbeitslosigkeit gesamt

Im Jahr 2023 waren bei der Agentur für Arbeit Bonn und den Jobcentern Bonn und Rhein-Sieg durchschnittlich 30.046 Menschen zeitgleich arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote im Jahresschnitt 2023 beträgt 5,9 Prozent, das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als in 2022. Im Vergleich zum Vorjahr waren somit in 2023 1.498 Personen mehr arbeitslos (+5,2 Prozent).

In 2023 fiel die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen auf 11.740 (-4,9 Prozent).
Betrachtet nach Rechtskreisen gab es im SGB III 1.112 Langzeitarbeitslose, das sind -189 Menschen oder -14,5 Prozent weniger als 2022. Im SGB II waren 2023 10.628 Menschen langzeitarbeitslos, das sind -415 oder -3,8 Prozent langzeitarbeitslose Menschen weniger.

Die Jugendarbeitslosigkeit im Agenturbezirk Bonn ist wieder leicht über dem Niveau von 2019 verortet. Im Jahresdurchschnitt betrug die Arbeitslosenquote der jungen Menschen unter 25 Jahren 4,2 Prozent und blieb somit auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. 2.383 junge Menschen waren durchschnittlich im Jahr 2023 arbeitslos, das sind 206 mehr als in 2022 (+9,5 Prozent).
Betrachtet nach Rechtskreisen gab es im SGB III 1.002 arbeitslose Jugendliche, das sind +115 Jugendliche oder +13,0 Prozent mehr als 2022. Im SGB II waren 2023 1.381 Jugendliche arbeitslos, das sind +91 oder +7,1 Prozent arbeitslose Jugendliche mehr.

„Nach wie vor ist die fehlende Qualifikation eine grundlegende Ursache für Arbeitslosigkeit. Die Kompetenzen der Bewerber*innen passen nicht zu den Stellenprofilen, deshalb bleibt die berufliche Weiterbildung ein Schlüssel zum Erfolg.“ sagt Stefan Krause.

Entwicklungen bei den ukrainischen Geflüchteten

Der Bestand an arbeitssuchenden Ukrainer*innen bleibt im Agenturbezirk fast gleich. Im Dezember 2023 betrug er insgesamt 4.378 Personen.
Der Bestand an arbeitslosen Ukrainer*innen steigt mit 1.827 leicht an.

Arbeitskräftenachfrage

Im Jahr 2023 wurden insgesamt 17.556 freie Stellen bei der Agentur für Arbeit Bonn zur Besetzung gemeldet. Dies sind 1.599 Stellen (-8,3 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Die meisten Stellen wurden in den Bereichen "Verkauf" (+28,0 Prozent) gemeldet, gefolgt von der "Kunststoff, Kautschukherstellung, -verarbeitung" (+84,8 Prozent).

Hinsichtlich des Qualifikationsniveaus ist der niedrigste Verlust im Vergleich zum Vorjahr bei den Stellen zu verzeichnen, die sich an Fachkräfte richten (-1,7 Prozent). Die Stellen für Spezialist*innen sind zum Vorjahr um 11,8 Prozent gefallen, jene für Expert*innen um 12,7 Prozent. Die Stellen für Helfer*innen sind um 20,7 Prozent gefallen.
Es besteht eine große Differenz im Anforderungsniveau zwischen Angebot und Nachfrage. Dem geschrumpften Zugang an Arbeitsstellen steht ein deutlicher Zugang bei den Arbeitslosen gegenüber. Im Vergleich zum Vorjahr sind die arbeitslosen Fachkräfte um 1,2 Prozent gestiegen. Die Anzahl der arbeitslosen Helfer*innen ist um 2,6 Prozent gestiegen. Arbeitslose Expert*innen weisen einen Zuwachs um 9,2 Prozent auf und die Anzahl von arbeitslosen Spezialist*innen ist um 15,6 Prozent gestiegen.

Ausblick 2024

„Der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Bonn steckt voller Chancen. Die eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln, wird immer wichtiger. Deswegen investieren wir als Arbeitsagentur in gezielte Fortbildungen für Arbeitssuchende und für Beschäftigte. Lernbereitschaft und das Streben nach Wissen sind wichtige Schlüsselkompetenzen auf dem Arbeitsmarkt. Gemeinsam mit unseren Partnern arbeiten wir an einer vernetzten Weiterbildung in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis", so Stefan Krause. "Es ist sicher, dass Fachkräfte weiterhin auf dem Arbeitsmarkt dringend branchenübergreifend gesucht werden."

„Auch 2024 wird sicher Herausforderungen für uns bereithalten. Diesen begegnen wir entschlossen. Denn wir sind dafür verantwortlich für die Menschen Ansprechpartnerin zu sein – sei es, um den Lebensunterhalt zu sichern oder qualifizierende Maßnahmen für nachhaltige Arbeitsaufnahmen zu realisieren. Ein Blick auf das Bürgergeld zeigt, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe langfristig erfolgversprechend ist. In 2023 konnten wir beispielsweise rund 5000 Menschen in Arbeit bringen Daher bauen wir auch im neuen Jahr auf unsere verlässliche und stabile Zusammenarbeit mit allen Netzwerkpartnern.“ sagt Anja Roth, Geschäftsführerin des jobcenter rhein-sieg.

Günter Schmidt, Geschäftsführer des Jobcenters Bonn, teilt folgendes mit: „Zurzeit richten wir uns angesichts der Haushaltskrise im Bund darauf ein, dass wir 2024 weniger Mittel für die Eingliederungsleistungen unserer Kund*innen zur Verfügung haben werden – endgültig absehbar ist dies aber noch nicht. Ungeachtet dessen planen wir, die Förderung der beruflichen Weiterbildung mit 550 Fällen auf nahezu gleichem Niveau beizubehalten wie 2023 (562 Fälle). Die berufliche Qualifizierung - so ja auch die ausdrückliche Intension des Bürgergeldes - hat also weiter eine hohe Priorität, um das Fachkräftepotenzial unter Arbeitsuchenden zu erschließen und auszubauen. Denn rund drei Viertel der erwerbsfähigen Bonnerinnen und Bonner, die Bürgergeld beziehen, verfügen über keinen Berufsabschluss.

Geflüchtete aus der Ukraine

Das Jobcenter Bonn betreut derzeit 2.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus der Ukraine, die grundsätzlich freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Das sind rund 10 Prozent aller erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in Bonn. Rund 1.500 davon befinden sich aktuell noch in einer Phase der Orientierung und lernen Deutsch. Ein großer Teil wird im Jahr 2024 die Sprachkurse absolviert haben und im nächsten Schritt konkrete Unterstützung des Jobcenters benötigen, eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle zu finden oder sich anderweitig beruflich zu qualifizieren.
Unsere Erfahrung zeigt, dass u.a. die individuelle Beratung im persönlichen Kontakt ausschlaggebend dafür ist, wie gut die Integration in Arbeit oder Ausbildung funktioniert. Dazu werden wir die Menschen noch öfter einladen. Ein weiterer Faktor ist, wie gut es gelingt, das Angebot an Arbeitskräften und die Nachfrage nach Personal im Vermittlungsprozess miteinander zu verzahnen. Wenn wir das gemeinsam im Fachkräftebündnis mit den Arbeitsmarktpartnern und Arbeitgebern der Region organisieren, kann es eine Erfolgsgeschichte werden.
Hierfür werden noch mehr Unternehmen benötigt, die bereit sind, gemeinsam mit dem Jobcenter neue Wege der Kooperation zu gehen und sich auf innovative Weise in den Integrationsprozess einzubringen.“