Der Arbeitsmarkt im Wirtschaftsraum Bonn/Rhein-Sieg – Jahresbilanz 2025

Der Arbeitsmarkt 2025 – Eintrübung der Wirtschaftslage zeigt sich in steigender Arbeitslosigkeit und sinkendem Stellenangebot

09.01.2026 | Presseinfo Nr. 3

Im Jahr 2025 konnte sich der Arbeitsmarkt der Region Bonn/Rhein-Sieg nicht erholen. Die einschlägigen Indikatoren der Arbeitsmarktstatistik weisen nicht auf ein Ende der Krise hin. Und doch suchen bestimmte Branchen dringend nach Personal. So hat sich also die Entwicklung aus 2024 in diesem Jahr fortgesetzt.

Bilanz für das Jahr 2025 im Agenturbezirk Bonn/Rhein-Sieg

  • erneuter Anstieg der Arbeitslosigkeit
  • mehr arbeitslose junge Menschen, mehr Langzeitarbeitslosigkeit auch im SGB III-Bereich
  • sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt leicht ab
  • Arbeitskräftenachfrage geht zurück

Entwicklung der Beschäftigung gesamt

„Die konjunkturellen Einbußen hinterlassen auch auf dem Arbeitsmarkt der Region Bonn/Rhein-Sieg ihre deutlichen Spuren. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, insgesamt aber auch bei besonderen Personengruppen wie z.B. den Jugendlichen,“ sagt Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg. „Ebenso melden immer mehr Unternehmen der Region Insolvenz an. So halten sich die Betriebe mit dem Angebot neuer Arbeitsstellen zurück, obwohl es in bestimmten Bereichen nach wie vor einen hohen Arbeits- und Fachkräftebedarf gibt. Wir schauen auf einen paradoxen Arbeitsmarkt.“

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist im Jahr 2025 im Agenturbezirk leicht zurückgegangen und liegt im Juni 2025 bei 366.565 Personen (-0,6 Prozent). Wie schon im vergangenen Jahr tragen ausländische Staatsangehörige einen wachsenden Anteil zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Bonn und der Region bei: 2025 gingen 59.942 Menschen mit ausländischem Pass einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach und machten damit 16,4 Prozent der Gesamtbeschäftigten in diesem Bereich aus. Dies ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Anstieg um 5,4 Prozent.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit gesamt

Im Jahr 2025 waren bei der Agentur für Arbeit Bonn und den Jobcentern Bonn und Rhein-Sieg durchschnittlich 33.181 Menschen zeitgleich arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2025 beträgt 6,4 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als 2024. Im Vergleich zum Vorjahr waren somit im Durchschnitt 1.715 Personen mehr arbeitslos (+5,4 Prozent).

Im Jahr 2025 stieg die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen insgesamt auf durchschnittlich 12.576 (+5,5 Prozent). Betrachtet nach Rechtskreisen gab es im SGB III 1.219 Langzeitarbeitslose, das sind 106 Menschen mehr (+9,5 Prozent) als 2024. Im SGB II waren 2025 11.358 Menschen langzeitarbeitslos, das bedeutet eine Steigerung von +552 Menschen oder +5,1 Prozent. 

Die Jugendarbeitslosigkeit in der Region Bonn/Rhein-Sieg ist erneut angestiegen. In den vergangenen 12 Monaten (gleitender Jahreswert) betrug die Arbeitslosenquote der jungen Menschen unter 25 Jahren 4,9 Prozent und lag damit um 0,2 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. 2.655 junge Menschen waren durchschnittlich im Jahr 2025 arbeitslos, das sind 125 mehr als 2024 (+4,9 Prozent). Betrachtet nach Rechtskreisen gab es im SGB III 1.187 arbeitslose Jugendliche, das sind +87 Jugendliche oder +7,9 Prozent mehr als 2024. Im SGB II waren 2025 1.468 Jugendliche arbeitslos, das sind +38 oder +2,7 Prozent arbeitslose Jugendliche mehr.

Arbeitskräftenachfrage

Im Jahr 2025 wurden insgesamt 13.387 freie Stellen bei der Agentur für Arbeit Bonn zur Besetzung gemeldet. Dies sind 3.136 Stellen (-19 Prozent) weniger als im Vorjahr. Damit setzt sich der Stellenrückgang im Vergleich zu den vergangenen Jahren weiter fort. Dabei sinkt der Stellenzugang in der Stadt Bonn mit 7.484 (-25,8 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr erheblich stärker als im Rhein-Sieg-Kreis. Aber auch hier ist die Stellenabnahme mit 5.782 (-10,2 Prozent)
deutlich.

Dabei zeigt sich der Strukturwandel am Arbeitsmarkt auch in einer Veränderung der Branchenstruktur im Agenturbezirk: So wurden im verarbeitenden Gewerbe bis zu 1.000 Stellen abgebaut und im Bereich der Wirtschaftlichen Dienstleistungen (ohne Arbeitnehmerüberlassungen) bis zu 900 Stellen. Weitere Felder, in denen ein Abbau von Beschäftigung stattfand waren die öffentliche Verwaltung (-600), Arbeitnehmerüberlassung (-400), sonstige Dienstleistungen, private Haushalte (+400), das Baugewerbe (-300), Verkehr und Lagerei (-200), Erziehung und Unterricht (-200) und das Gastgewerbe (-100). Demgegenüber wurden in folgenden Branchen zusätzliche Stellen geschaffen: Gesundheitswesen (+1.400), Sozialwesen (1.000), Information
und Kommunikation (+600), Handel (+200), Bergbau, Energie- und Wasserver- und entsorgung (+100), Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (+100) und freiberufliche, wissenschaftliche Dienstleistungen (+100).

Dabei haben höherqualifizierte Menschen unverändert eine bessere Chance, auf dem Arbeitsmarkt in Bonn und der Region Fuß zu fassen: So erwarteten bei den im Jahr 2025 insgesamt 4.437 durchschnittlich ausgeschriebenen Stellen 26 Prozent (1.173 Stellen) Fähigkeiten auf Experten- oder Spezialistenniveau, 54,5 Prozent der Stellen (2.417) waren auf Fachkraftniveau ausgeschrieben und bei nur 19 Prozent (847) wurde eine Helfertätigkeit angeboten. Demgegenüber verfügen jedoch von im Jahr 2025 durchschnittlich 33.181 arbeitslos gemeldeten Menschen 16.661 Personen (50 Prozent) über keinen Ausbildungsabschluss, 9.206 (28 Prozent) hatten eine Ausbildung zur Fachkraft, 5.833 (18 Prozent) verfügten über einen akademischen oder vergleichbaren Abschluss, bei 1.481 Personen (4 Prozent) fehlen Angaben zur Ausbildung. Entsprechend bleibt das Ungleichgewicht von Stellenanforderungen und Qualifikationen im Agenturbezirk weiter eine prägende Herausforderung für den Arbeitsmarkt.

Kurzarbeit und Insolvenzen

Bei der Kurzarbeit zeigte sich bis zum Juni 2025 ein leicht steigender Trend. Auch bei den Insolvenzen ist ein erneuter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr festzustellen: Waren es 2024 noch 180 Betriebe, meldeten 2025 insgesamt 193 Unternehmen eine Zahlungsunfähigkeit an.

Ausblick 2026

„Dass sich die Wirtschaftslage weiter eintrübt, bestärkt uns eigentlich nur in unserer zentralen Aufgabe: Jeden erwerbsfähigen Menschen nach seinem Können und seinen Interessen bestmöglich zu unterstützen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, so Stefan Krause. „Dies kann, je nach Voraussetzung, nun noch etwas langwieriger sein, ist jedoch für den Einzelnen und die Gesellschaft wichtig. Aber die weiterhin hohe Zahl an Menschen ohne Ausbildung birgt auch ein großes Potential für unsere Wirtschaft und die Gesellschaft.“

Erwartungen bei den Integrationen 2025 erreicht (Stand 11/2025)

Die erfolgreichen Integrationen in Beschäftigung durch das Jobcenter Bonn konnten bei Männern und Frauen im Jahresverlauf 2025 gesteigert werden und liegen mit Stand November 2025 insgesamt über den selbstgesteckten Zielen. Günter Schmidt, Geschäftsführer des Jobcenters Bonn: „Das bestätigt, dass unsere Vermittlungsarbeit differenziert wirkt und unterschiedliche Lebenslagen gezielt berücksichtigt, unter anderem bei Geflüchteten aus der Ukraine.“
„Für uns gilt: Mit einem respektvollen Umgang und gleichzeitig klarer Kommunikation zu den Erwartungen stärken wir die Eigenverantwortlichkeit, damit diejenigen eine Unterstützung erhalten, die auch wirklich auf unsere Hilfe angewiesen sind,“ sagt Anja Roth, Geschäftsführerin des Jobcenter Rhein-Sieg.