Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund, blickt zurück auf das vergangene Jahr:
Weitgehend robust in bewegten Zeiten
„Wie schon in den Vorjahren hat sich der Dortmunder Arbeitsmarkt trotz schwieriger Rahmenbedingungen und zunehmender Unsicherheiten vergleichsweise robust behauptet. Das Beschäftigungswachstum hat sich verlangsamt, aber anders als auf Bundes- und Landesebene konnten wir in Dortmund bis zuletzt einen Zuwachs an Beschäftigten verzeichnen. Als einen der wesentlichen Gründe für die erfreuliche Stabilität sehen wir die über Jahrzehnte vollzogene Stärkung des Dienstleistungssektors. Auch die kontinuierlich rückläufigen Arbeitslosenzahlen in der zweiten Jahreshälfte sind für sich genommen ein gutes Signal. Ob sich hiermit eine Trendwende abzeichnet, bleibt abzuwarten. Denn auch das gehört zur Wahrheit dazu: Insgesamt waren im Jahr 2025 deutlich mehr Menschen ohne Arbeit als im Vorjahr, die Beschäftigungskurve flacht sich spürbar ab, Langzeitarbeitslose haben es bei der Jobsuche weiterhin schwer, und es vergeht zunehmend mehr Zeit, bis eine ausgeschriebene Arbeitsstelle neu besetzt wird.
Um hier gegenzusteuern, setzen wir konsequent auf Weiterbildung und Qualifizierung. Die Zuständigkeit für Beratung, Bewilligung und Finanzierung für die Förderung beruflicher Weiterbildung von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten wurde im Januar 2025 von den Jobcentern auf die Agenturen für Arbeit übertragen – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Auch für die Kundinnen und Kunden hat sich nichts geändert. Dass dieser Rechtskreiswechsel von SGB II zu SGB III so reibungslos erfolgen konnte, spricht für funktionierende ineinandergreifende Prozesse auf einem Weg, den wir auch künftig weiterverfolgen wollen – und angesichts des demografischen Wandels auch müssen.“
Stephanie Krömer, Geschäftsführerin des Jobcenters, kommentiert das Berichtsjahr wie folgt: „Der Arbeitsmarkt befindet sich in Bewegung, getragen von Transformation, Fachkräftebedarf und steigenden Qualifikationsanforderungen – zugleich aber auch unter spürbarem Anpassungsdruck. Wir erkennen weiterhin große strukturelle Herausforderungen, die wir nur mit einer klaren strategischen Ausrichtung bewältigen können.
Die Anforderungen offener Stellen steigen, und viele Menschen stehen ohne Berufsabschluss oder zeitgemäße Qualifikationen vor Barrieren, die sie oft nicht ohne Unterstützung überwinden können. Genau hier setzt das Jobcenter Dortmund an, indem wir tragfähige und nachhaltige Vermittlung in Beschäftigung sichern. Im Mittelpunkt steht eine schnelle, zugleich aber langfristig wirksame Integration in Arbeit mit echten Perspektiven für unsere Kundinnen und Kunden.
Menschen, die schon lange auf unsere Hilfe angewiesen sind, unterstützen wir durch gezielte und individuelle Förderung. So beenden wir den Langzeitleistungsbezug und sichern den Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Gleichzeitig arbeiten wir darauf hin, dass unsere Leistungen nur diejenigen erreichen, die auf sie angewiesen sind.
In einem sich transformierenden Arbeitsmarkt ist berufliche Weiterbildung der Schlüssel, um Beschäftigungsfähigkeit dauerhaft zu sichern. Dadurch, dass wir unsere Kundinnen und Kunden heute qualifizieren, tragen wir zur Deckung des zukünftigen Fachkräftebedarfs bei. Vorbeugend setzen wir in unserer Arbeit einen klaren Schwerpunkt auf die Beratung junger Menschen, um Qualifikationsdefizite möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen und Jugendarbeitslosigkeit wirksam zu reduzieren.“
Und wie geht es 2026 weiter?
Weiter steigende Beschäftigung, rückläufige Arbeitslosigkeit
Für Dortmund rechnet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB mit – leicht – steigender Beschäftigung und – ebenfalls leicht – rückläufigen Arbeitslosenzahlen. Basis für diese Prognose ist ein vom RWI angenommenes Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent. Sowohl für das produzierende Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor erwartet die Agentur für Arbeit einen weiteren Beschäftigungszuwachs. Der landesweit erfolgende Personalabbau bei der Arbeitnehmerüberlassung dürfte sich auch in 2026 fortsetzen. Stärkend könnte sich das von der Bundesregierung neu geschaffene Sondervermögen auswirken, hemmend wirken hingegen internationale Unsicherheiten wie etwa die Zollpolitik der USA und andere geopolitische Faktoren.
Intensivierte Beratung zur Ausbildung
Obwohl im dritten Jahr in Folge das Interesse an einer dualen Ausbildung bei den Jugendlichen gestiegen ist, wurden in 2025 weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen. Um dem entgegenzuwirken, soll die Berufsberatung an Schulen durch mehr Sprechstunden weiter optimiert werden. Schulen wünschen sich außerdem mehr qualifizierte Kontakte zu Unternehmen, die etwa durch Speed-Datings und daraus resultierende Praktika Schülerinnen und Schüler für Ausbildungsberufe gewinnen können. Auch hier steht die Arbeitsagentur unterstützend zur Seite.
Schwerpunkt Prävention und Inklusion
Besonderes Augenmerk liegt auf Aktivitäten und Maßnahmen, um Arbeitslosigkeit erst gar nicht entstehen zu lassen sowie um Personengruppen mit besonderem Unterstützungsbedarf bei ihrem Weg in Ausbildung oder Arbeit zu begleiten. Beschäftigte sollen durch frühzeitige Fort- und Weiterbildung ihre Chancen am Arbeitsmarkt verbessern; die Arbeitsagentur Dortmund unterstützt zudem von Stellenabbau Betroffene, nahtlos in eine neue Beschäftigung zu wechseln. Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt durch gesundheitliche Einschränkungen vorübergehend oder dauerhaft schwerer haben, können ebenfalls durch geeignete Beratung und Förderinstrumente ihren (Rück-)Weg ins Erwerbsleben finden.
Der Arbeitsmarkt 2025 in Zahlen
Leichte Bewegung, keine Trendwende
Die belastendenden konjunkturellen Rahmenbedingungen zeigen in 2025 erste Auswirkungen, vor allem im Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Zahl sozialversicherter Beschäftigter stieg zum Vorjahr nur leicht um 0,8 Prozent auf 266.398 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (Stand Juni 2025). Im Jahresdurchschnitt waren 39.689 Menschen arbeitslos gemeldet, damit stieg die Zahl zum Vorjahr um 1.369 Personen (+3,6 Prozent). Insgesamt war im Jahr 2025 mehr Bewegung im Arbeitsmarkt festzustellen als im Vorjahr; sowohl die Zugänge in Arbeitslosigkeit (+1,8 Prozent) als auch die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit (+2,1 Prozent) stiegen an.
Arbeitskräftenachfrage entwickelt sich sehr verhalten
Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen stieg im Berichtsjahr 2025 leicht an. Insgesamt waren es 9.142 neu gemeldete Stellen, 324 Stellen oder 3,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt sind die Stellenbesetzungsverfahren schwieriger geworden und nehmen mehr Zeit in Anspruch. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 4 von 5 Arbeitsstellen nur Fachkräften, Experten oder Spezialisten offenstehen. Aktuell ist nur jede 5. Stelle eine auf Helferniveau. Gleichzeitig verfügen zwei Drittel aller Arbeitslosen über keine abgeschlossene Ausbildung. Die anhaltenden unterschiedlichen konjunkturhemmenden Einflussfaktoren im In- und im Ausland bereiten zudem vielfach Sorgen durch finanzielle Belastungen und fehlende Planungssicherheit.