Geflüchtete Menschen am Düsseldorfer Arbeitsmarkt

Arbeitsagentur, Landeshauptstadt, Kammern (IHK, HWK und Freie Berufe), DGB, Unternehmerschaft und Jobcenter resümierten am Freitag, 11.07.2025, in einer gemeinsamen Pressekonferenz die Entwicklungen am Arbeitsmarkt der letzten zehn Jahre und zeigten auf, warum Chancen für Geflüchtete gleichsam Chancen für unseren Wirtschaftsstandort sind. 

16.07.2025 | Presseinfo Nr. 20

Mit der verstärkten Fluchtzuwanderung um das Jahr 2015 ist die Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt zu einer zentralen gesellschaftlichen Aufgabe geworden. Birgitta Kubsch-von Harten, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, sieht darin auch Vorteile für die regionale Wirtschaft. „Mit der Kraft guter Netzwerke gelingt die Integration in Arbeit. In Düsseldorf haben dabei alle Wirtschaftszweige von den Beschäftigungspotentialen geflüchteter Menschen profitiert. Echte Arbeitsmarktchancen schaffen somit gute Perspektiven für die Menschen und für den Wirtschaftsstandort.“

Die Integration über Arbeit ist eine der stärksten Brücken in unserer Gesellschaft. Die Aufnahme einer Beschäftigung ist dabei vielmehr als Lohnerwerb. Arbeit und Ausbildung bedeuten zugleich Integration und Zugehörigkeit. Stadtdirektor Burkhard Hintzsche hebt die besondere Bedeutung der Arbeit für die Integration hervor: „Als Kommune sehen wir es als unsere Aufgabe, Geflüchteten nicht nur ein Zuhause, sondern auch echte Perspektiven zu bieten. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt ist dabei ein Schlüssel.“ 

Sigrid Wolf, DGB-Regionsgeschäftsführerin Düsseldorf-Bergisch Land, versteht die Teilhabe von Geflüchteten am Arbeitsleben als ein Integrationsmotor: „Denn wer arbeitet, verbessert schneller seine Deutschkenntnisse und kann sein Leben selbst bestreiten. Geflüchtete leisten einen Beitrag zur Deckung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs in Düsseldorf. Umso wichtiger sind unbürokratische Rahmenbedingungen, die eine schnelle Arbeitsaufnahme in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglichen.‘‘

In vielen Branchen, wie im Handwerk, in der Pflege bis hin zur Logistik, fehlt es an Fach- und Arbeitskräften. Unsere Wirtschaft braucht daher dringend engagierte und motivierte Menschen. 

Clemens Urbanek, Geschäftsführer Berufsbildung und Prüfungen IHK Düsseldorf, weiß um den hohen Nachwuchskräftebedarf der Unternehmen: "Rund 172 junge Menschen kommen aus den acht genannten Ländern – das sind 2 Prozent der Auszubildenden im IHK-Bezirk. Ihre berufliche Integration ist ein zentraler Hebel für die Fachkräftesicherung an unserem Wirtschaftsstandort und trägt maßgeblich zur gesellschaftlichen Teilhabe bei. Unternehmen, die jungen Geflüchteten eine Chance geben, investieren in die Zukunft und stärken zugleich ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit." 

Damit die Unternehmen und die in unserer Region lebenden Menschen mit Fluchthintergrund noch besser zusammenfinden, engagiert sich die IHK im erfolgreichen Projekt „Willkommenslotsen“. Die IHK hilft, geflüchtete Menschen und Betriebe zusammenzubringen: Über das vom Bund finanzierte Projekt „Willkommenslotsen“ hat die IHK seit 2016 398 Geflüchtete in Arbeit oder Ausbildung vermittelt.

Dr. Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, blickt auf viele Erfolgsgeschichten im Handwerk und hebt zugleich die besondere Bedeutung des Spracherwerbs hervor: „Integration wird im Handwerk großgeschrieben. Hunderte junge Menschen haben in Handwerksbetrieben eine Heimat gefunden. Die ersten haben sich bereits weitergebildet, zum Beispiel zum Meister, und haben sich selbstständig gemacht. Das sind Erfolgsgeschichten, wie sie das Handwerk schreibt. Diese Geschichten müssen wir fortschreiben. Deshalb brauchen wir noch größere Anstrengungen, um jungen Flüchtlinge die deutsche Sprache zu vermitteln. Denn das Beherrschen der deutschen Sprache ist die Basis von allem.“ 

Oliver A. Kanthak, Geschäftsführer Freie Berufe NRW, weiß um die Chancen für die Unternehmen der sogenannten freien Berufe: „Menschen mit Flüchtlingshintergrund tragen in vielen Apotheken, Kanzleien und Praxen mit ihrem Engagement zum Erfolg bei. Gerade in dieser Gruppe erleben wir eine hohe Motivation und den Willen, sich einzubringen. Die duale Berufsausbildung bietet dabei eine exzellente Ausgangslage zum Erlernen von Sprache und Kultur, mindert zugleich die Fachkräftelücke und bietet beste Voraussetzungen für ein passgenaues Studium.“

Geschäftsführer im Jobcenter Düsseldorf Christian Wiglow hebt das enorme Potential für unsere lokale Wirtschaft hervor und plädiert für noch bessere Rahmenbedingungen: „Die Menschen mit Fluchthintergrund leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den Arbeitsmarkt und werden das auch in Zukunft tun. Sie bringen oftmals eine sehr hohe Einsatzbereitschaft, Lernwillen und berufliche Vorerfahrungen aus ihren Herkunftsländern mit.“ Vielfalt am Arbeitsplatz stärke, so Wiglow, zudem die Innovationskraft, Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen. Gerade in einer globalisierten Wirtschaft sei das ein entscheidender Standortvorteil. Der Weg in Arbeit ist oft komplex: von der Anerkennung über Bewerbungstrainings bis hin zur Arbeitsaufnahme. Hier unterstützt das Jobcenter Düsseldorf intensiv. 

Razi Alhamoud hat einen Fluchthintergrund. Nach einer erfolgreichen Ausbildung bei der Landeshauptstadt Düsseldorf wurde er als kommunaler Mitarbeiter im Jobcenter weiterbeschäftigt. Für ihn ist die Ausbildung der Schlüssel zum beruflichen Erfolg: „Wichtig ist auch, eine Ausbildung zu machen. Sie gibt nicht nur berufliche Perspektiven, sondern hilft auch, die deutsche Arbeitswelt, die Gesetze und die Gesellschaft besser zu verstehen. Man sollte nicht aufgeben, auch wenn es manchmal schwierig ist. Wer motiviert ist, Unterstützung annimmt und aktiv bleibt, hat gute Chancen, in Deutschland erfolgreich zu sein – beruflich und persönlich.“