Heute (31.03.2026) sind bundesweit die Daten zur Halbzeit am Ausbildungsmarkt 2026 veröffentlicht worden. Während sich in Düsseldorf mehr Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung interessieren, beschreibt die Statistik einen rückläufigen Trend bei den Ausbildungsstellen. Welche Gründe es dafür gibt und wie es gelingt, das Delta zum Ausbildungsstart im September zu schließen, erläutern die Verantwortlichen für das Thema Ausbildung bei IHK, HWK und Arbeitsagentur.
„Die betriebliche Berufsausbildung steht bei den Jugendlichen in Düsseldorf hoch im Kurs“, stellt Birgitta Kubsch-von Harten, Leiterin der Agentur für Arbeit Düsseldorf, fest. Der Eindruck der Berufsberatung aus den letzten Monaten bestätigte sich in der heute veröffentlichten Halbjahresbilanz zum Ausbildungsmarkt in der Stadt Düsseldorf. Von Oktober 2025 bis einschließlich März 2026 haben sich 2.562 junge Frauen und Männer bei der Agentur für Arbeit als Bewerberinnen und Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle registrieren lassen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Anzahl der jungen Menschen um 3,6 Prozent. Besonders auffällig: „Immer häufiger melden sich Jugendliche mit Fach- und Hochschulabschluss für die Vermittlung in eine betriebliche Ausbildung. Auch der Anteil der Jugendlichen mit einem ausländischen Pass steigt.“
„Für die anstehende Transformation ist es wichtig, die Chancen am Ausbildungsmarkt zu ergreifen“, betont Birgitta Kubsch-von Harten und appelliert an die Unternehmen, das gestiegene Interesse der Jugendlichen an einer betrieblichen Ausbildung als Chance nutzbar zu machen. „Wer heute nicht ausbildet, dem fehlen in drei bis fünf Jahren, wenn der geburtenstärkste Jahrgang in den Ruhestand eintritt, die Nachwuchsfachkräfte.“
Sie empfiehlt, Ausbildungsstellen verstärkt auszuschreiben und die Agentur für Arbeit mit der Ausbildungsvermittlung zu beauftragen. „Wir können die Unternehmen bei der Suche nach den geeigneten Nachwuchskräften entlasten und mit unterschiedlichen Instrumenten unterstützen“. Auch die Bewerbertage, die speziell auf die individuellen Anforderungen der verschiedenen Arbeitgeber und Branchen ausgerichtet seien, erfreuten sich dabei besonderer Beliebtheit und seien sehr erfolgsversprechend.
2.447 gemeldete Berufsausbildungsstellen wurden bis Ende März statistisch erfasst. Dies entspricht einem Rückgang von 397 Stellen gegenüber dem Vorjahresmonat (-14,0 Prozent). Zu berücksichtigen ist hier eine statistische Untererfassung*.
*Hinweis zur statistischen Untererfassung
Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist aktuell unterzeichnet, es werden auf Bundesebene schätzungsweise rund sechs Prozent zu wenig ausgewiesen. Hintergrund sind veränderte Prozesse in Fachverfahren der Bundesagentur für Arbeit. Diese müssen noch in die statistische Erhebung integriert werden, das wird im Sommer abgeschlossen.
Während die Statistik der Bundesagentur für Arbeit die gemeldeten Ausbildungsstellen ausweist, können die Kammern aus den Rückmeldungen ihrer Mitgliedsunternehmen Einschätzungen zu den Ausbildungsverträgen geben.
Dr. Jürgen Holtkamp, Bereichsleiter Ausbildungsberatung, -stellenvermittlung und Projekte bei der IHK Düsseldorf, erklärt: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass viele Unternehmen in der Stadt Düsseldorf weiterhin Verantwortung übernehmen und gezielt in Ausbildung investieren. Besonders erfreulich ist die dynamische Entwicklung in den kaufmännischen Berufen. Gleichzeitig bleibt es eine zentrale Aufgabe, mehr junge Menschen für gewerblich-technische Ausbildungswege zu gewinnen und Betriebe bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze zu unterstützen.“
Geschäftsführer Dr. Christian Henke der HWK Düsseldorf: „Es ist zu früh für eine Bewertung des Ausbildungsmarktes in Düsseldorf. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass sich erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt Konkretes sagen lässt. Feststellbar ist aktuell eine gewisse Zurückhaltung der Betriebe. Angesichts der aktuellen Krisenerscheinungen und der vielfältigen Herausforderungen überrascht dies allerdings nicht. Eine ähnliche Entwicklung war schon 2025 zu beobachten. Trotzdem schloss der handwerkliche Ausbildungsmarkt am Ende mit rund vier Prozent Plus ab. Diese Erfahrung stimmt mich optimistisch für das laufende Ausbildungsjahr. Denn auch für 2026 gilt: Abgerechnet wird zum Schluss.“
Birgitta Kubsch-von Harten betont: „Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss ist sechsmal so hoch wie die von Fachkräften. Umso wichtiger ist es, jungen Menschen früh Perspektiven aufzuzeigen und sie auf ihrem Weg in eine Ausbildung zu begleiten.“ In den Berufsberatungen spielten immer häufiger Themen wie Künstliche Intelligenz und die Veränderung der Berufe eine große Rolle. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung – so ist Wahrnehmung der Arbeitsagentur – werde von den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht als Hemmnis, sondern als Chance wahrgenommen. Gleichwohl sind junge Menschen auch verunsichert, welchen Einfluss KI auf die Berufe hat. Wenn Fragen danach in einem Beratungsgespräch aufkommen, raten wir dazu, den Job-Futuromaten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zu besuchen (https://job-futuromat.iab.de/). Hier kann man sich informieren, wohin sich die Arbeitswelt entwickeln könnte.
Praktische Erfahrungen im angestrebten Ausbildungsberuf seien, so Kubsch-von Harten, zudem unverzichtbar – auch um Ausbildungsabbrüchen vorzu-beugen. Sie hebt in diesem Zusammenhang das hervorragende Engagement der Düsseldorfer Betriebe hervor, die auf der Praktikumsbörse https://praktikum-dus.de des Kompetenzzentrums der Beruflichen Orientierung ihre zahlreichen Praktikumsplätze ausschreiben. Dort finden Schülerinnen und Schüler passende Angebote.
Auszubildende finden in der Bewerberbörse der Bundesagentur für Arbeit
https://www.arbeitsagentur.de/bewerberboerse/
Ausbildungsstellen finden in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit
https://www.arbeitsagentur.de/jobsuche/
Praktikumsplätze für einen Ausbildungsberuf finden
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/duesseldorf/praktikum