- Mehr Arbeitslose, aber auch mehr Beschäftigte
- Prognose: leichte Erholung in 2026 möglich
- Arbeitsagentur setzt auf Qualifizierung, digitale Angebote und die Arbeitsmarktdrehscheibe
JAHRESDURCHSCHNITTSWERTE Kreis Segeberg | VERÄNDERUNG ZUM VORJAHR | ||||
Jahr 2025 | absolut | in Prozent | |||
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5,1 % |
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| +/-0,0 Prozentpunkte | X
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Arbeitslosenquote | |||||
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8.259 |
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| +180 | +2,2% | |
arbeitslose Menschen | |||||
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99.512 |
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| +601 | +0,6% | |
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (30.06.2025) | |||||
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5.344 |
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| +24 | +0,5% | |
neu gemeldete Arbeitsstellen seit Jahresbeginn | |||||
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2.129 |
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| -207 | -8,8% | |
freie Arbeitsstellen im Bestand (sozialversicherungspflichtig | |||||
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Die Jahresbilanz 2025 der Agentur für Arbeit Elmshorn gibt einen Überblick über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Region basierend auf den Jahres- (durchschnitts) werten im Vergleich zum Vorjahr.
Mehr Menschen nahmen die Arbeitslosenversicherung in Anspruch
Die Arbeitslosenzahl im Kreis Segeberg ist 2025 gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Im Jahresdurchschnitt waren 8259 Menschen arbeitslos gemeldet. Dies sind 180 Personen oder 2,2 Prozent mehr als im Jahr 2024. Damit entwickelte sich die Arbeitslosigkeit dennoch besser als in Schleswig-Holstein mit einem Anstieg von +3,7 Prozent und im Bund mit + 5,8 Prozent.
„Die leichte Steigerung im Jahresdurchschnitt sollte differenziert betrachtet werden. Wir haben im Bereich der Arbeitslosenversicherung, also bei der Agentur für Arbeit, einen deutlichen Anstieg zu verzeichnen. Dies hat vor allem Gründe in der abgeschwächten Konjunktur und in dem strukturellen Umbruch, der nun auch den Arbeitsmarkt im Kreis Segeberg erfasst. Auf der anderen Seite steht ein leichter Rückgang bei den Jobcentern, also im Bereich der Grundsicherung. Hier ist die Integration vieler ausländischer Arbeitsloser, darunter auch Geflüchteter, im letzten Jahr erfolgreich gelungen,“ erläutert Michaela Bagger, Leiterin der Agentur für Arbeit Elmshorn.
3.140 Arbeitslose wurden von der Agentur für Arbeit betreut, 280 mehr als im Vorjahresschnitt. Bei den Jobcentern im Kreis ging die Zahl um 101 auf 5.119 arbeitslose Personen zurück.
Berufliche Qualifikation bleibt ein guter Schutz gegen Arbeitslosigkeit
Eine Entwicklung, die nicht falsch interpretiert werden sollte, war im letzten Jahr der Anstieg der Arbeitslosen mit einer akademischen Ausbildung. Ihre Zahl stieg überdurchschnittlich um 13,6 Prozent auf 856 Personen an.
„In einer Phase der Umstrukturierungen setzen Unternehmen auf verschlankte Strukturen, um schneller und effizienter zu werden. Besonders betroffen sind dann häufig ältere Arbeitnehmer des mittleren und oberen Managements und junge Akademiker ohne Berufserfahrung, die ihre erste Anstellung nach dem Studium suchen“, erklärt Michaela Bagger und betont: “Berufliche Qualifikation bleibt erstrebenswert! Akademiker sind trotz der gestiegenen Arbeitslosigkeit deutlich seltener arbeitslos und kommen schneller in Arbeit als andere Qualifikationsgruppen. Mit einer betrieblichen oder schulischen Berufsausbildung ist man aber ebenfalls gut aufgestellt.“
Die Arbeitslosenquote unter Akademikern lag 2025 im Kreis Segeberg bei nur 3,0 Prozent. Die Quote der Personen mit einer Berufsausbildung liegt mit 2,9 Prozent sogar noch knapp darunter, während sie in der Personengruppe ohne Berufsabschluss auf 18,9 Prozent anwächst.
„Eine Berufsausbildung verringert nicht nur die Gefahr von Arbeitslosigkeit. Auch der Verdienst liegt meist höher und die ausgeübten Tätigkeiten sind interessanter und abwechslungsreicher. Vieles spricht für einen Berufsabschluss, auch für Menschen, die bereits als ungelernte Kräfte im Arbeitsleben stehen. Das Jobcenter und die Arbeitsagentur beraten Arbeitslose, Beschäftigte und Unternehmen zu den Qualifizierungsmöglichkeiten“, darauf weist Michaela Bagger hin.
Stellenmeldungen stabil – Beschäftigung wächst
Die Unternehmen meldeten im letzten Jahr 5.344 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen zur Besetzung. Das sind ähnlich viele wie im Vorjahr (+24 Stellen). Der jahresdurchschnittliche Bestand an offenen Stellen ging jedoch um 207 auf 2.129 zurück.
Bis eine vakante Arbeitsstelle besetzt werden konnte, vergingen im letzten Jahr durchschnittlich 147 Tage. Diese Vakanzzeit hat sich 2025 um einen Tag verkürzt.
„Die Stellenbesetzung dauerte am längsten in den Bereichen Metallbau und Metallbearbeitung, in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik sowie bei den Energie- und Elektroberufen. Am schnellsten ging es im Bereich der Körperpflege und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen“, sagt Michaela Bagger: „Der gute Branchenmix in der Region mit kleinen und mittelständischen Unternehmen macht die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt bei Konjunkturschwankungen nicht so anfällig wie in anderen Regionen. Die Unternehmen haben im letzten Jahr trotz der schwierigen Wirtschaftslage viele Stellen gemeldet und auch Personal eingestellt.“
Im Kreis Segeberg arbeiteten Ende Juni 99.512 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Dies waren 601 Beschäftigte oder 0,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse ist damit im Kreis stärker gewachsen als im Land (+0,4 Prozent) oder im Bund (+0,1 Prozent).
Beschäftigungszuwächse gab es insbesondere im Sozialwesen, Erziehung und Gesundheitswesen. Daneben wuchs die Beschäftigung im Handel, bei Dienstleistungsunternehmen und in der öffentlichen Verwaltung. Rückgänge verzeichneten hingegen die Logistikbranche, das Verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe.
Betrachtet man die Personengruppen, die diesen Beschäftigungszuwachs von +0,6 Prozent besonders tragen, so sind es die Frauen (+1,1 Prozent) und die älteren Arbeitnehmer (+1,8 Prozent). Bemerkenswert ist zudem der Zuwachs der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit um +8,0 Prozent zum Vorjahr. Besonders Menschen aus der Ukraine (+35,3 Prozent) und aus den acht größten Asylherkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien: +4,2 Prozent) fanden zunehmend eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
„Auch im vergangenen Jahr ist die Beschäftigung gewachsen. Der Aufwuchs ist weiblich, älter und / oder hat einen Migrationshintergrund. Ohne die Zuwanderung von Arbeitskräften würde die Situation in der Region ganz anders aussehen. Auf Zuwanderung können wir uns aber nicht verlassen. Insgesamt bleibt es insbesondere wichtig, in die Aus- und Weiterbildung in den Unternehmen zu investieren“, sagt Michaela Bagger.
Kurzarbeit spielte im vergangenen Jahr trotz der Konjunkturschwäche nur eine untergeordnete Rolle. Im Auswertungszeitraum bis Juni 2025 nutzten jahresdurchschnittlich 20 Betriebe die konjunkturelle Kurzarbeit. Betroffen waren 242 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem durchschnittlichen Arbeitsausfall von 26 Prozent. Die meisten Kurzarbeitenden gab es im Verarbeitenden Gewerbe, der Metall- und Elektroindustrie und im Baugewerbe.
Arbeitsmarkt kann in diesem Jahr die Talsohle überwinden
Für das Jahr 2026 prognostizieren Wirtschaftsexperten eine leichte wirtschaftliche Erholung, was auch zu einer Trendwende bei der Arbeitslosigkeit führen kann. Das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit) erwartet für den Agenturbezirk Elmshorn einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit in 2026. So könne die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote im Agenturbezirk Elmshorn um 0,2 Prozentpunkte sinken.
„Während besonders die exportabhängigen und industriellen Unternehmen unter großem wirtschaftlichem Druck stehen, entwickelt sich die Beschäftigtenstruktur im Kreis Segeberg weiter Richtung Dienstleistungsgesellschaft. Der Arbeitskräftepool wird infolge des demografischen Wandels und nachlassender Zuwanderung künftig nicht mehr stark wachsen, was den Fachkräftebedarf wieder stärker in den Blick der Unternehmen rückt. Durch bessere Integration von Zugewanderten und rückläufige Fluchtmigration kann die Zahl der Menschen in der Grundsicherung in den kommenden Monaten weiter sinken, während die Arbeitslosigkeit in der regulären Arbeitslosenversicherung voraussichtlich noch leicht steigt“, erläutert Michaela Bagger die prognostizierten Erwartungen.
Herausforderung wächst: Fachkräftebedarf für die Region sichern!
Wenn Unternehmen größere Personalentlassungen vornehmen müssen, wird die Agentur für Arbeit Elmshorn zukünftig verstärkt das Instrument der Arbeitsmarktdrehscheibe einsetzen. Zuletzt wurde dies im Dezember bei der Insolvenz der Feldmühle GmbH in Uetersen angewandt. Die Arbeitsmarktdrehscheibe umfasst ein ganzheitliches Angebot, das sich aus Beratung von abgebenden Arbeitgebern und deren Beschäftigten, Jobbörsen mit aufnehmenden Arbeitgebern und Unterstützung des Beschäftigungswechsels durch Förderung oder Weiterbildung zusammensetzt. Dabei wird die Unterstützung schnellstmöglich bei Bekanntwerden von Personalabbauplänen angeboten – meistens vor Ort im Betrieb. Für die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer soll ein möglichst nahtloser Übergang in eine neue Beschäftigung ermöglicht und Arbeitslosigkeit vermieden werden. Die Fachkräfte können dadurch in der Region gehalten werden.
Auch unabhängig von einem akuten Jobwechsel beschleunigt sich durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz, Dekarbonisierung und Nachhaltigkeit der Wandel der Arbeitswelt und verändert viele Arbeitsplätze und damit die Anforderungen an die Beschäftigten. Gleichzeitig entsteht zusätzlicher Qualifizierungsbedarf in den Unternehmen, wenn aufgrund der demografischen Entwicklung viele Arbeitsplätze neu zu besetzen sind. Die Arbeitsagentur und das Jobcenter beraten daher sowohl Arbeitsuchende wie Beschäftigte und Unternehmen zu Qualifizierungen und Fördermöglichkeiten.
Michaela Bagger sagt: „Strukturwandel, Demographie und Fachkräftemangel werden zu neuen Arbeitskräftebedarfen führen. Für die Menschen in unserer Region wird es neue, andere berufliche Chancen geben. Arbeitsagentur und Jobcenter leisten dazu mit ihrer Beratung und beruflichen Qualifizierung von Arbeitsuchenden und Beschäftigten einen wichtigen Beitrag.“