Zwischenbilanz zum Essener Ausbildungsmarkt

Noch viel möglich zum Start des Ausbildungsjahres!

04.09.2026 | Presseinfo Nr. 17

Wer jetzt noch einen Ausbildungsplatz sucht, sollte dranbleiben. Denn auch nach Beginn des Ausbildungsjahres sind noch Ausbildungsplätze zu vergeben. Die Zwischenbilanz von Agentur für Arbeit Essen, JobCenter Essen, IHK zu Essen, DGB und Kreishandwerkerschaft Essen zeigt, wo Chancen liegen und macht Jugendliche auf der Suche nach ihrem beruflichen Weg Mut: Der Einstieg in Ausbildung ist auch jetzt noch möglich. 

Die Kennzahlen zum Ausbildungsmarkt im Einzelnen:

Das Ausbildungsplatzangebot im aktuellen Ausbildungsjahr liegt leicht über dem Niveau des Vorjahres. So wurden der Agentur für Arbeit Essen seit Oktober 2025 insgesamt 2.853 freie Ausbildungsstellen gemeldet, 143 mehr als im vorhergehenden Ausbildungsjahr.

Auf der anderen Seite meldeten sich in diesem Jahr 4.084 Jugendliche und junge Erwachsene bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Essen, um sich bei der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz unterstützen zu lassen. Gegenüber dem vergangenen Ausbildungsjahr bedeutet das einen Zuwachs von 283 Bewerberinnen und Bewerbern. Damit kamen rein rechnerisch auf eine/n Bewerber/in 0,7 Ausbildungsstellen.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch 638 Ausbildungsstellen unbesetzt, 13 mehr im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die meisten unbesetzten Ausbildungsstellen gibt es im Handel (Verkäufer/in 70 und Kaufmann/-frau im Einzelhandel 68), gefolgt von Zahnmedizinischen Fachangestellten (45) und Medizinischen Fachangestellten (22). 

Aktuell sind noch 1.092 Bewerber/innen auf der Suche nach einer Ausbildung, 150 mehr als im Juli 2025. Hoch im Kurs bei den noch suchenden Jugendlichen stehen Ausbildungen in den Bereichen Kaufmann/-frau für Büromanagement (105), Medizinische Fachangestellte (66) sowie KfZ-Mechatroniker/PKW-Technik (61) und Verkäufer/in (54).

Im August verzeichnet die IHK zu Essen 1.675 neue Ausbildungsverträge – 12,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Das Minus betrifft sowohl die technischen Berufe (-14,3 Prozent) als auch die kaufmännischen Berufe (-12,0 Prozent).

Dazu die Statements der Ausbildungsmarktpartner: 

Andrea Demler, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Essen:

„Erfreulich ist, dass sich mehr Jugendliche für eine duale Ausbildung interessieren in diesem Jahr und die Unternehmen uns auch wieder mehr Ausbildungsstellen gemeldet haben. Das ist eine gewisse Verbesserung, aber längst keine Trendwende. Noch immer suchen auch nach Start des Ausbildungsjahres viele junge Menschen einen Ausbildungsplatz, während gleichzeitig Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. Es geht deshalb um beides: Wir brauchen dringend mehr Ausbildungsplätze – und wir müssen dafür sorgen, dass Jugendliche und Betriebe besser zusammenfinden. Denn Angebot und Nachfrage allein reichen nicht, wenn das Matching nicht funktioniert.

Unser Appell an die Unternehmen ist deshalb klar: Schaffen Sie Ausbildungsplätze und melden Sie Ihren Bedarf bei der Arbeitsagentur. Nur wenn Ausbildungsstellen bekannt sind, können wir Jugendliche gezielt mit passenden Betrieben zusammenbringen. Dabei muss es nicht immer der vermeintlich perfekte Bewerber am ersten Tag sein. Viel wichtiger ist die Bereitschaft, einem jungen Menschen eine Chance zu geben und ihn gemeinsam zu entwickeln. Gerade die Einstiegsqualifizierung bietet dafür gute Möglichkeiten: Jugendliche sammeln praktische Erfahrungen, lernen Betrieb und Beruf kennen und können bei einer späteren Übernahme in Ausbildung die Zeit anrechnen lassen. Gleichzeitig wird die Maßnahme gefördert und ist damit für Betriebe attraktiv. Mit Unterstützung der Arbeitsagentur können so fehlende Qualifikationen aufgebaut und Jugendliche Schritt für Schritt auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Aus einer Einstiegsqualifizierung kann der dringend benötigte Fachkräftenachwuchs für die Zeit entstehen, in der die Wirtschaft wieder stärker anzieht.

Jugendliche sollten außerdem bereit sein, über den ersten Berufswunsch hinauszuschauen und bei der Suche flexibel zu bleiben – hier sind Praktika eine gute Möglichkeit. Wer auch andere Berufe, Branchen oder Ausbildungsorte in Betracht zieht, erhöht seine Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Wer ausschließlich vor Ort und nur nach dem einen Wunschberuf sucht, hat es angesichts des begrenzten Angebots schwerer. Die Jugendberufsagentur setzt gemeinsam mit ihren Partnern alles daran, Jugendlichen auch in der Endspurtphase einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. In zahlreichen Begegnungsformaten können Jugendliche und Betriebe unkompliziert miteinander ins Gespräch kommen und herausfinden, ob es passt. Wenn ein Berufswunsch nicht realistisch ist, helfen wir dabei, gute Alternativen zu finden. 

Denn eines bleibt: Eine Ausbildung ist die beste Absicherung gegen Arbeitslosigkeit und eine gute Grundlage für die Arbeitswelt im Wandel. Künstliche Intelligenz und neue Technologien werden viele Berufe verändern. Wer gut ausgebildet ist und sich weiterentwickelt, ist dafür besser gerüstet.

Jetzt kommt es also darauf an, dass beide Seiten aufeinander zugehen: Unternehmen, indem sie jungen Menschen Chancen geben, Jugendliche, indem sie offen für neue Wege und Alternativen sind. Je breiter das Angebot, desto größer die Chance, dass beide Seiten zusammenfinden – und Jugendliche Berufe entdecken, die heute vielleicht noch gar nicht auf ihrem Wunschzettel stehen.“

Dietmar Gutschmidt, Fachbereichsleitung JobCenter Essen:

„Die aktuelle Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist gekennzeichnet durch sinkende Ausbildungsplatzzahlen bei einer gleichzeitig steigenden Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern. Dies erfordert von allen Beteiligten und Ausbildungspartnern ein Umsteuern. Die zentrale Herausforderung: Für Jugendliche wird es schwieriger, einen Ausbildungsplatz zu finden. Oft passen die Qualifikationen oder Vorstellungen der Bewerberinnen und Bewerber und das Anforderungsprofil der Betriebe nicht zusammen. 

Die notwendigen Lösungsansätze: Unternehmen sollten verstärkt auch Jugendlichen eine Chance geben, die das formelle Anforderungsprofil nicht zu 100 Prozent erfüllen. Die Jugendberufsagentur kann hier unterstützen. Junge Menschen müssen noch intensiver über Alternativen und weniger bekannte Ausbildungsberufe informiert werden, um ihre Chancen zu steigern.

Fazit: Wenn der Markt enger wird, gewinnt die individuelle Passgenauigkeit zwischen Betrieb und Bewerberinnen/Bewerbern noch mehr an Bedeutung. Kreativität bei der Bewerbung und Offenheit seitens der Arbeitgeber sind der Schlüssel.“

Käthe Klein, stv. Leitung Geschäftsfeld Bildung & Prüfung der IHK zu Essen:

„Die wirtschaftliche Lage zum einen und ein Mismatch, also unterschiedliche Erwartungen von Betrieben und den jungen Menschen aneinander, haben Spuren auf dem Essener Ausbildungsmarkt hinterlassen. Dennoch werben wir weiter entschieden für die duale Ausbildung – denn gerade in Umbruch- und Krisenzeiten ist sie ein hohes Gut und bleibt ein Erfolgsrezept.“

Nadine Sasek, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Essen:

„Die Ausbildungszahlen im Essener Handwerk stimmen uns positiv. Wir bewegen uns aktuell auf einem sehr stabilen Niveau – und das in einem Jahr, in dem durch die Rückkehr zu G9 in Nordrhein-Westfalen ein regulärer Abiturjahrgang ausbleibt und damit weniger junge Menschen auf den Ausbildungsmarkt kommen. Vor diesem Hintergrund ist die bisherige Entwicklung ein gutes Signal.

Zudem ist das Ausbildungsjahr noch nicht abgeschlossen und es gehen weiterhin neue Verträge bei uns ein. Wir sind daher zuversichtlich, am Ende möglicherweise sogar von einer leichten Steigerung sprechen zu können.

Besonders positiv ist die Entwicklung in den Berufen, die wir mit unserer Ausbildungsoffensive verstärkt in den Fokus der Berufsorientierung rücken. Während der kaufmännische Bereich im Handwerk derzeit etwas schwächer ausfällt, zeigt sich bei den übrigen Ausbildungsberufen insgesamt ein positives Bild. Das bestärkt uns in unserem Ansatz: Handwerk muss für junge Menschen sichtbar und vor allem erlebbar sein.

Insbesondere bei jungen Frauen sehen wir noch großes Potenzial, sie für die Vielfalt technischer Handwerksberufe zu begeistern. Hier möchten wir Neugier wecken, praktische Einblicke ermöglichen und zeigen, welche spannenden beruflichen Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten diese Berufe bieten.

Eine frühzeitige und praxisnahe Berufsorientierung bleibt dafür entscheidend. Mit der Klima-Tour der Ausbildungsoffensive an den weiterführenden Schulen und der engen Zusammenarbeit mit den Berufsberaterinnen und Berufsberatern der Agentur für Arbeit bringen wir Jugendliche und Betriebe unmittelbar zusammen.

Ebenso wichtig ist für uns die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Eine duale Ausbildung eröffnet vielfältige Karrierewege – vom Gesellen über den Meister bis hin zur Selbstständigkeit oder einem anschließenden Studium.

Und auch jetzt gilt: Viele Betriebe suchen weiterhin Auszubildende. Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat oder sich neu orientieren möchte, sollte die Chance nutzen und sich das Handwerk anschauen. Ein Einstieg ist in vielen Berufen weiterhin möglich.“

Jan Mrosek, Regionsgeschäftsführer Deutscher Gewerkschaftsbund in MEO:

„Wir schauen mit Sorge auf die Entwicklung des Ausbildungsmarktes in Essen. Dabei sind aus unserer Sicht zwei Perspektiven besonders wichtig. 

Zum einen hat sich der Ausbildungsmarkt nach der Corona-Pandemie nicht so erholt, wie es angesichts des bestehenden und absehbaren Fachkräftebedarfs notwendig wäre. Gleichzeitig gibt es inzwischen mehr Bewerber*innen als vor Corona und im kommenden Jahr wird diese Zahl durch die Auswirkungen der Umstellung von G8 auf G9 nochmals deutlich steigen.

Für uns ist klar: Jeder zusätzliche Ausbildungsplatz ist zunächst ein guter Ausbildungsplatz. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, wo Ausbildungsplätze entstehen und langfristig gebraucht werden. Besonders in krisenfesten und zukunftsträchtigen Branchen müssen Ausbildungsplätze ausgebaut werden. In wirtschaftlich unter Druck geratenen Bereichen gilt es dagegen, bestehende Ausbildungsplätze zu sichern. Dabei darf Qualität nicht hinter Quantität zurückstehen. Ausbildung muss jungen Menschen unter fairen Bedingungen eine exzellente berufliche Bildung ermöglichen und den Grundstein für ihr weiteres Berufsleben legen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen hierfür Unterstützung. Ein umlagefinanzierter Ausbildungsfonds kann dabei ein wirksames Instrument sein.

Die zweite Perspektive betrifft die jungen Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden. Mit 1.092 unversorgten Bewerber*innen und 1.363 jungen Menschen in der Kategorie „andere ehemalige“ wird diese Gruppe größer. Besonders wichtig ist: Dahinter stehen keineswegs überwiegend Jugendliche ohne Schulabschluss. Die größte Gruppe sind junge Menschen, die mehrheitlich unter 20 Jahre alt sind, die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und einen Realschulabschluss haben. Wir haben es also nicht mit einem Randgruppen-, sondern mit einem strukturellen Problem auf dem Ausbildungsmarkt zu tun: Junge Menschen mit guten Voraussetzungen finden keinen Ausbildungsplatz, während gleichzeitig der Fachkräftebedarf steigt. Das passt nicht zusammen.

Wir müssen deshalb jetzt handeln: mehr Ausbildungsplätze schaffen, Qualität sichern und verhindern, dass junge Menschen dauerhaft abgehängt werden. Dafür ist die gute Arbeit der Jugendberufsagentur in Essen besonders wichtig. Wir begrüßen, dass alle Beteiligten die Zusammenarbeit fortführen und ausbauen wollen. Essen sollte hier weiterhin eine Vorreiterfunktion für andere Kommunen einnehmen.“

Foto: 

v.l.: Dietmar Gutschmidt (JobCenter Essen), Andrea Demler (Agentur für Arbeit Essen), Käthe Klein (IHK zu Essen), Nadine Sasek (Kreishandwerkerschaft Essen), Jan Mrosek (DGB).

(Foto: Agentur für Arbeit Essen)

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