Die Arbeitslosigkeit ist im Bezirk der Agentur für Arbeit Göttingen, der die Landkreise Göttingen und Northeim umfasst, im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Das überrascht nicht, denn die Januar-Zahlen werden nicht nur von witterungsbedingten Entwicklungen beeinflusst. Hier spielt insbesondere auch das Befristungsende vieler Verträge eine Rolle, die zum Jahresende auslaufen. Diese werden immer erst im folgenden Monat, also mit den Januar-Daten, sichtbar.
Insgesamt waren im Agenturbezirk Göttingen im Januar 16.287 Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 1.114 Personen (+7,3%) gegenüber Dezember. Im Vergleich zum Januar 2025[1] suchten 450 Arbeitslose weniger mit Unterstützung der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter eine neue Beschäftigung (-2,7%). Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 6,7 Prozent und liegt damit 0,5 Prozentpunkte über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 6,8 Prozent.
Insgesamt meldeten sich im zurückliegenden Monat 3.186 Menschen neu oder erneut arbeitslos. Davon kamen 1.604 direkt aus Erwerbstätigkeit. Demgegenüber beendeten 2.059 Menschen ihre Arbeitslosigkeit ganz oder vorübergehend; 614 von ihnen konnten eine neue Stelle antreten.
Weiterhin ist der Bereich der Arbeitslosenversicherung, für den die Agentur für Arbeit zuständig ist, stärker von steigender Arbeitslosigkeit betroffen als die Grundsicherung für Arbeitsuchende, die von den Jobcentern verantwortet wird. Insgesamt waren im Januar 6.075 Arbeitslose bei der Arbeitsagentur gemeldet, 793 (15%) mehr als im Dezember und 606 (11,1%) mehr als vor einem Jahr. Demgegenüber wurden 10.212 Arbeitslose von den Jobcentern der Region betreut, 321 (3,2%) mehr als im Vormonat und 1.056 (-9,4%) weniger als im Januar 2025.
„Die Arbeitslosigkeit nimmt zum Jahresbeginn regelmäßig spürbar zu“, erläutert Antje Frische, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Göttingen, die aktuelle Entwicklung. „Der Anstieg im Vormonatsvergleich folgt dem üblichen saisonalen Zyklus des Arbeitsmarktes. Der Anstieg, den wir aber über die letzten zwölf Monate im Bereich der Arbeitslosenversicherung beobachten, ist großenteils konjunktur- und transformationsbedingt.“
Dennoch suchten Unternehmen weiterhin Mitarbeitende: 727 Stellen wurden im Januar neu gemeldet. Das waren zwar 429 weniger als im Vormonat, aber 95 mehr als vor einem Jahr. Insgesamt belief sich die Zahl der freien Stellen im Bestand der Arbeitsagentur auf 3.678.
„Die Zahl der offenen Stellen zeigt, dass es trotz aktueller konjunktureller Eintrübung weiterhin Bedarf an Mitarbeitenden gibt“, so die Arbeitsmarktexpertin. „Viele Unternehmen müssen sehr lange suchen, bis sie ihre Stellen besetzten können. Im Durchschnitt aller Stellenangebote dauerte es zuletzt 115 Tage von der Meldung des Arbeitsangebotes bis zur Besetzung. Das ist ein Indikator dafür, dass wir weiterhin in vielen Bereichen einen hohen Arbeits- und insbesondere Fachkräftebedarf haben.“
Ein Ansatz, insbesondere zur Deckung des Bedarfs an Fachkräften, sei die berufliche Aus- und Weiterbildung. Regelmäßig werbe die Arbeitsagentur dafür, die individuellen Chancen am Arbeitsmarkt durch Aus- und Weiterbildung zu erhalten oder zu verbessern.
„Große Bedeutung kommt im Kontext der Sicherung des Arbeitskräftebedarfes auch der Gruppe der Migrantinnen und Migranten zu. Sie stellen einen wachsenden Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in unserer Region dar. Sie leisten wertvolle Arbeit, zum Beispiel in der Gesundheits- und Pflegebrache. Ohne ihre erfolgreiche Integration in Arbeit hätte es in den letzten Jahren kein Beschäftigungswachstum gegeben,“ so die Expertin weiter.
In den Unternehmen des Göttinger Agenturbezirkes hat der Anteil ausländischer Beschäftigter in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Seit Corona stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um rund 3.000 Arbeitnehmende auf knapp 180.000 im Juni 2025. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ausländer stieg in dieser Zeit von rund sieben Prozent auf gute elf Prozent an.
„Das zeigt uns zwei Dinge“, so Frische: Dass es zum einen immer besser gelingt, ausländische Arbeitsuchende in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sprachkurse, Anpassungsqualifizierungen und Weiterbildungsangebote sind hier zielgerichtete Instrumente. Und zum anderen belegen die Zahlen auch, dass unsere Unternehmen dringend auf zugewanderte Arbeitskräfte angewiesen sind. Denn aufgrund der demografische Entwicklung wird, trotz momentan steigender Arbeitslosenzahlen, der Bedarf an Arbeitskräften sonst nicht zu decken sein.“
Unterbeschäftigung
Die Unterbeschäftigung lag nach vorläufigen Angaben im Januar bei 18.811 Personen. Sie erhöhte sich gegenüber Dezember um 681 (3,8%) und sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1.165 Personen (-5,8 %). Zur Unterbeschäftigung zählen neben den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie beispielsweise im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden.
Landkreis Northeim
Die Arbeitslosigkeit ist im Landkreis Northeim im Januar 2026 gestiegen. 4.982 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 374 mehr (+8,1%) als im Dezember und 264 (+5,6%) mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 7,1 Prozent und lag mit 0,6 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 6,7 Prozent.
Im Rechtskreis SGB III (Agentur für Arbeit) lag die Arbeitslosigkeit bei 2.034 Personen. Das waren 288 (+16,5%) mehr als im Vormonat und 241 (+13.4%) mehr als vor einem Jahr. Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter) waren 2.948 Arbeitslose registriert. Die Zahl stieg somit gegenüber Dezember um 86 Personen (+3,0%) und gegenüber Januar 2025 um 23 (+0,8%).
Landkreis Göttingen
Die Arbeitslosigkeit ist im Landkreis Göttingen im Januar 2026 gestiegen. 11.305 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 740 mehr als im Dezember (+7,0%). Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl um 714 (-5,9%). Die Arbeitslosenquote beträgt 6,5 Prozent und liegt mit 0,4 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 6,9 Prozent.
Im Rechtskreis SGB III (Agentur für Arbeit) lag die Arbeitslosigkeit bei 4.041 Personen, 505 mehr als im Vormonat (+14,3%) und 365 mehr als vor einem Jahr (+9,9%). Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter) waren 7.264 Arbeitslose registriert, 235 mehr als im Dezember (+3,3%), aber 1.079 weniger als im Vorjahresmonat (-12,9%).
[1]Ein Vergleich zum Vorjahresmonat ist auf Agenturebene aktuell nur bedingt zielführend. Denn infolge einer Softwareumstellung im kommunalen Jobcenter Landkreis Göttingen kam es 2025 zu einer Datenschätzung. Die Ergebnisse wurden im Juni entsprechend korrigiert. Entsprechend ist der für den Bereich des Jobcenters Landkreis Göttingen zu verzeichnende Rückgang insbesondere als Sondereffekt aufgrund von Plausibilitätsprüfungen im Zuge der Software-Umstellung zu bewerten.
