Mit der Belebung auf dem Hagener Arbeitsmarkt war es im Dezember wieder vorbei. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 120 oder 1,0 Prozent auf 12.396, die Arbeitslosenquote um 0,1 Punkte auf 12,0 Prozent. Vor genau zwölf Monaten waren es 190 Arbeitslose weniger, die Quote lag bei 11,9 Prozent. „Nach dem erfreulichen Rückgang im November steigt die Arbeitslosigkeit zum Jahresende. Und die Chancen, derzeit schnell wieder in Arbeit zu kommen, sind schlechter geworden. Die konjunkturelle Schwäche schlägt wieder durch“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen.
„Der aktuell gemeldete Kräftebedarf ist wieder eingebrochen, das Weihnachtsgeschäft ist vorbei. Auch auf der Beschäftigungsseite gibt es leider keine guten Nachrichten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hagen ist nach den neuen Daten innerhalb eines Jahres um über 900 oder 1,4 Prozent auf knapp 67.800 gesunken“. Hecks Prognose für den Jahresbeginn 2026: „Im Januar wird es wie immer einen saisonal bedingten weiteren sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit geben.“
Die Arbeitsmarktentwicklung im Dezember war bei der Arbeitsagentur und beim Jobcenter ähnlich. 3.185 Arbeitslose (Anteil 25,7 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (71 oder 2,3 Prozent mehr als im Vormonat), 9.211 (Anteil 74,3 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter Hagen betreut (49 oder 0,5 Prozent mehr). Bei den Zielgruppen waren die Tendenzen mit einer Ausnahme ungünstig. Nur bei den Jüngeren unter 25 Jahren gab es mit 1.159 Arbeitslosen (- 12 oder 1,0 Prozent) einen kleinen Rückgang. Bei den Älteren über 50 Jahren war es hingegen ein Anstieg um 58 oder 1,5 Prozent auf 4.048. Bei Menschen mit Behinderung war der Anstieg mit sieben oder 0,9 Prozent auf 796 relativ gering. Die Arbeitslosigkeit von Menschen in Hagen ohne deutsche Staatsangehörigkeit erhöhte sich um 27 oder 0,5 Prozent auf 5.840 Personen, die der langzeitarbeitslosen um 23 oder 0,4 Prozent auf 5.493. Gleichzeitig waren es hier 159 oder 3,0 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Gemeldete Kräftenachfrage
Die Kräftenachfrage in Hagen brach im Dezember gegenüber dem guten Vormonat um mehr als ein Drittel ein. Die heimischen Unternehmen meldeten 176 Stellen und damit 102 oder 36,7 Prozent weniger als im November, zugleich 39 oder 18,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Den noch größten Kräftebedarf hatten freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 49 Stellen für Assistenzkräfte), gefolgt von Personaldienstleistern (30 Stellen, zuvor 62), der öffentlichen Verwaltung (16), der Logistik (16), dem Handel (13), dem verarbeitenden Gewerbe (11) und dem Gesundheits- und Sozialwesen (10). Das Gastgewerbe hatte acht Vakanzen, der Bereich Erziehung und Unterricht sieben.
Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen ging um 14 oder 0,9 Prozent auf 1.526 leicht zurück, sank hingegen in Relation zum Vorjahresmonat deutlich um 177 oder 10,4 Prozent.
Aktuell sind 64,9 Prozent aller Arbeitsstellen für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 16,5 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im Dezember gab es in Hagen sechs neue Anzeigen von Kurzarbeit für 144 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von zuvor angezeigter Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Juli liegen inzwischen Informationen zur effektiven Inanspruchnahme für die Stadt Hagen vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld nur an 27 Betriebe für 364 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Statt der regulären zwölf Monate können Unternehmen die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf bis zu 24 Monate verlängern, um Mitarbeiter zu halten. Diese Sonderregelung gilt bis zum 31. Dezember 2026.
Gesamteinschätzung
„Die Arbeitsmarktentwicklung in Hagen im Dezember entspricht wieder den überregionalen negativen Schlagzeilen. Nachdem gerade das zweite Halbjahr mit kontinuierlichem Sinken der Arbeitslosenzahlen deutlich besser war als die enttäuschende erste Hälfte, fällt das Jahresende doch nicht ganz so versöhnlich aus wie noch im November gehofft“, so Katja Heck weiter. „Eine Trendwende am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. Vor allem die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt weiterhin zu niedrig – hier setzt sich die Entwicklung der vergangenen drei Jahre ungebrochen fort. Zudem werden die Chancen für Arbeitslose schlechter, die Anforderungen immer höher, der Anteil der gemeldeten Stellen für Hilfskräfte sinkt immer weiter. Die Zukunft gehört den Fachkräften. Mit anderen Worten: Die Gesamtsituation sorgt für einen enormen Anpassungs- und Qualifizierungsdruck – bei Arbeitnehmern wie bei Unternehmen.“