Der Arbeitsmarkt 2025
- 4,0 Prozent mehr Arbeitslose als im Jahresdurchschnitt 2024 – konjunkturelle Krise prägt den Arbeitsmarkt auch im Jahr 2025
- Stellenmeldungen steigen im Vergleich zum Vorjahr: 2026 wurden in Summe 253 oder 4,7 Prozent mehr Stellen von den Arbeitgebern gemeldet
- negativer Trend bei der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu den Entwicklungen im Vorjahr schwächer, trotz sinkenden Bestandszahlen aber auch erste positive Zeichen am Stellenmarkt
Ausblick 2026
- Hoffnung auf leichte Erholung des Arbeitsmarkts in der zweiten Jahreshälfte 2026, wenn die Wirtschaftslage sich, wie von führenden Wirtschaftsforschungsinstituten prognostiziert, erholen sollte
- Demografie wird Beschäftigungsaufbau bremsen
- Gleichzeitig findet in der Wirtschaft eine – in großen Teilen digitale – Transformation statt, die die Branchen unterschiedlich beeinflusst
Jahresrückblick 2025 – Ein weiteres Jahr voller Herausforderungen
Im Kreis Minden-Lübbecke nahm die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenzahl um 427 oder 4,0 Prozent auf 11.102 Personen zu. Die Arbeitslosenquote stieg im Jahresdurchschnitt 2025 im Vergleich zu 2024 von 6,2 Prozent auf 6,4 Prozent.
Im Rechtskreis der Arbeitslosenversicherung (Sozialgesetzbuch III) waren im Schnitt 4.212 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosigkeit nahm hier binnen Jahresfrist um 235 oder 5,9 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote stieg im Bereich SGB III um 0,1 Prozentpunkte von 2,3 Prozent auf 2,4 Prozent im Jahresdurchschnitt 2025.
Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer, die Bürgergeld beziehen (Sozialgesetzbuch II), stieg gegenüber dem Vorjahr um 193 Personen oder 2,9 Prozent auf 6.891 Personen. Die Arbeitslosenquote im Bereich SGB II stieg damit im Jahresschnitt von 3,9 Prozent auf 4,0 Prozent.
Sebastian Placke, operativer Geschäftsführer der Herforder Arbeitsagentur, analysiert mit Blick auf den Arbeitsmarkt im Mühlenkreis: „Auch im Jahr 2025 war der Arbeitsmarkt im Kreis Minden-Lübbecke geprägt von Herausforderungen, jedoch zeigte sich im Jahresverlauf eine milderer Negativtrend als noch im Jahresvergleich 2023 zu 2024. Obwohl die Arbeitslosigkeit weiterhin steigt, hat sich die Entwicklung nicht zu einer unkontrollierten Abwärtsspirale entwickelt. Trotz aller wirtschaftlichen Hürden und den damit verbundenen Spuren bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit, hat der regionale Arbeitsmarkt seine Resilienz unter Beweis gestellt.“
Bei den jungen Arbeitnehmern unter 25 Jahren verzeichnete der Kreis Minden-Lübbecke im Jahresdurchschnitt einen sehr leichten Anstieg um 27 Personen oder 2,2 Prozent auf 1.275 Jugendliche. Bei den Älteren über 50 Jahre waren es 295 Personen oder 9,2 Prozent mehr Arbeitslose im Jahresdurchschnitt – insgesamt 3.505.
„Die aktuelle wirtschaftliche Situation hat auch Auswirkungen auf die Berufseinsteigmöglichkeiten junger Menschen. Viele Unternehmen konzentrieren sich derzeit darauf, ihr bestehendes Personal zu halten, was verständlich ist, aber den Berufseinstieg für junge Menschen erschwert. Zwar sind die Anstiege bei jungen Arbeitnehmern geringer als bei älteren, aber aufgrund der demografischen Entwicklung ist diese Gruppe insgesamt kleiner. Ein reibungsloser Berufseinstieg ist jedoch entscheidend für einen erfolgreichen beruflichen Werdegang. Es ist daher wichtig, diese Menschen schnell in die Arbeitswelt zu integrieren“, so Placke.
Der jahresdurchschnittliche Bestand an ausländischen Arbeitslosen ist um 12 oder 0,3 Prozent auf 4.038 Personen gestiegen.
„Anders als in den meisten anderen Personengruppen zeigt sich bei ausländischen Staatsangehörigen nur ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Ähnlich verhält es sich mit den Beschäftigungsdaten: Die Zahl der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis Minden-Lübbecke ist von März 2024 bis März 2025 um 1.118 Personen oder 8,4 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der beschäftigten Deutschen um 687 Personen oder 0,3 Prozent gesunken. Mit anderen Worten: Der Anstieg der Beschäftigung ist ausschließlich auf ausländische Staatsangehörige zurückzuführen. Dies widerspricht dem oft wiederholten Stereotyp des arbeitslosen Ausländers“, betont der operative Geschäftsführer der Agentur.
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg im Jahresdurchschnitt um 392 Personen oder 9,4 Prozent von 4.172 auf 4.564 Personen.
Betriebe und Verwaltungen meldeten im Jahresverlauf 5.654 Arbeitsstellen, 253 oder 4,7 Prozent mehr als 2024. Im Bestand befanden sich im Jahresdurchschnitt 2.596 Arbeitsstellen und damit 572 der 18,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
„Im Jahr 2025 verzeichnen wir auf dem Stellenmarkt mehr neu gemeldete Stellen als im Vorjahr 2024, jedoch zeigt sich im Bestand ein starker Rückgang der offenen Stellen“, stellt Sebastian Placke fest. „Die Auswirkungen der konjunkturellen Lage waren auch 2025 spürbar, dennoch suchten Betriebe weiter nach Personal, und das in einem stärkeren Umfang als 2024. Die Überwindung der Passungsprobleme – 57 Prozent der Arbeitslosen suchten im Jahresschnitt nach einer Helferstelle, aber nur 21 Prozent der freien Stellen im Bestand waren Helferstellen – ist angesichts des demografischen Wandels eine zunehmende Herausforderung. Mithilfe unserer Fördermöglichkeiten, die teils auch zum Erwerb eines Berufsabschlusses führen, steuern wir dieser unaufhaltsamen Entwicklung entgegen“, erklärt der Experte weiter.
Ausblick 2026 – Licht und Schatten
Der Geschäftsführer knüpft an diese Aussage an: „Die passgenaue Qualifikation von Menschen für den Arbeitsmarkt – um demografischen Entwicklungen entgegenzuwirken – wird auch 2026 wieder im Fokus unseres Handelns stehen. Wenn wir alles daransetzen, die Auswirkungen des demografischen Wandels abzufedern, können wir damit im Ergebnis Wirtschaft und Sozialstaat bedeutend entlasten.“
Der Blick auf den Arbeitsmarkt 2026 zeigt für ihn Licht und Schatten: „Viele Wirtschaftsinstitute, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), erwarten eine Erholung im nächsten Jahr. Sollte diese Erholung tatsächlich eintreten, können wir mit positiven Effekten am Arbeitsmarkt ab Mitte des Jahres rechnen. Gleichzeitig wird das Potenzial für einen Beschäftigungsaufbau durch das sinkende Erwerbspersonenpotenzial, also den demografischen Wandel, begrenzt. Wenn man die Passungsprobleme hinzurechnet, wird deutlich, dass ein wirtschaftlicher Aufschwung durch den Mangel an Arbeitskräften gebremst werden könnte."
Neben der Qualifizierung von Beschäftigten und Arbeitslosen kann auch die Digitalisierung in dieser Situation eine entlastende Rolle einnehmen, so Sebastian Placke: „Digitale Ange-bote können vorhandenem Personal Aufgaben abnehmen, damit diese sich auf andere Tätigkeiten konzentrieren können. Das wird den demografischen Wandel nicht komplett kompensieren, aber es kann eine gute Hilfestellung sein.“ Er fügt hinzu: „Auch wir digitalisieren immer mehr Prozesse. Denn an uns geht der demografische Wandel natürlich ebenfalls nicht vorbei. Auch die Angebote für unsere Kundinnen und Kunden werden fortlaufend digitalisiert, sodass es oft gar nicht mehr zwingend notwendig ist, zu uns zu kommen. Viele Anliegen können bereits online erledigt werden.“
Wichtig zu betonen ist ihm abschließend dennoch: „Unternehmen sollten KI nicht als Ersatz für Personal verstehen, sondern als eine Möglichkeit, die Produktivität ihrer Beschäftigten zu steigern. Durch KI kann sich die menschliche Arbeit verändern, aber KI sollte und kann die menschliche Komponente nicht komplett ersetzen.“