Ein anspruchsvolles Jahr: Weiterhin keine Entspannung auf dem Arbeitsmarkt

07.01.2026 | Presseinfo Nr. 3

Märkischer Kreis.

Der Arbeitsmarkt im Jahr 2025 stagniert weiterhin: stockende sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, steigende Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen und sinkende Arbeitskräftenachfrage sind die Bilanz dieses Jahres. Vor allem die strukturellen Probleme der heimischen Industrie führen zu Beschäftigungseinbußen und verschieben die Branchenstruktur. Die Zurückhaltung der Unternehmen macht sich bei fehlenden Einstellungen bemerkbar.

„Eine spürbare Entlastung am Arbeitsmarkt bleibt weiterhin aus“, äußert sich Stefan Steinkühler, Geschäftsführer operativ mit Blick auf das Jahr 2025. „Bis zum Spätsommer stieg die Arbeitslosigkeit an, allerdings mit einem geringeren Anstieg als im Vorjahr. Es war erneut ein herausforderndes Jahr“, so der Arbeitsmarktexperte weiter, „saisonale Erholungen blieben aus und die Arbeitslosigkeit verfestigte sich auf einem bereits hohen Niveau. Viele Betriebe konnten Teile ihrer Belegschaft nicht halten, da der wirtschaftliche Druck zu groß war“, berichtet Steinkühler.

Beschäftigung rückläufig

Der Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis zeigt deutliche Auswirkungen schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Mitte des Jahres waren im Märkischen Kreis 158.598 sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein Rückgang um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Verlust der Beschäftigungen im verarbeitenden Gewerbe von 7 Prozent (-5.667) kann durch Zuwächse z.B. im Dienstleistungs- und Gesundheitssektor von 2,6 Prozent (+2.157) nicht ausgeglichen werden. „Es ist offensichtlich, dass die Verluste im verarbeitenden Gewerbe die regionale Wirtschaftskraft schwächen“ erläutert Stefan Steinkühler.

Anstieg der Arbeitslosigkeit

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 18.689 Menschen im Märkischen Kreis arbeitslos – ein Anstieg um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit gehört der Märkische Kreis zu den drei Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen, deren Arbeitslosigkeit am stärksten gestiegen ist. Allerdings ist der Anstieg geringer als im Vorjahr.

Die Arbeitslosenquote liegt im Jahresdurchschnitt bei 8,3 Prozent und damit deutlich über der NRW-Marke von 7,8 Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt in beiden Rechtskreisen, allerdings im SGB III doppelt so stark und betrifft besonders den Helferbereich: Insgesamt waren von den 18.689 arbeitslosen Menschen 11.438 Personen ungelernt (+ 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Das entspricht einem Anteil von 61,2 Prozent. Dem gegenüber wurden von den gemeldeten Arbeitsstellen 74,5 Prozent mindestens für Fachkräfte und höhere Qualifikationen ausgeschrieben und nur 25,5 Prozent für ungelernte Personen.

„Das zeigt das deutliche Ungleichgewicht, mit dem wir es zu tun haben und verdeutlicht, wie wichtig es ist, in die Weiterbildung zu investieren. Nur dann haben auch Geringqualifizierte eine echte Chance am Arbeitsmarkt“, erklärt der Geschäftsführer operativ, Stefan Steinkühler.

Weiterbildungen stehen im Fokus

Insgesamt wurden durch die gesamte Agentur für Arbeit Iserlohn für alle Kundenkreise über 2.000 Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen der beruflichen Bildung ermöglicht, das ist ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Prozent. Der Fokus lag auf arbeitsmarktnahen Qualifizierungen und da, wo es möglich war, bei abschlussorientierten Angeboten. Hierzu ergänzt Steinkühler: „Eines unserer zentralen Ziele ist es, durch kontinuierliche Weiterbildung eine bessere Balance zwischen Angebot und Nachfrage zu schaffen. Dafür investieren wir jedes Jahr ehebliche Mittel, um diese Entwicklung nachhaltig zu fördern“.

Rückgang bei gemeldeten Stellen

Die Zahl der gemeldeten Stellen (Stellenzugänge) sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 7.874 Stellen gemeldet. Die Zahl der offenen Stellen im Bestand mit 3.889 ergibt einen deutlichen Rückgang um 13,1 Prozent. Besondern auf dem Helferniveau ergibt sich ein Stellenrückgang bei den Zugängen von 10,6 Prozent. Demgegenüber steht ein Zuwachs bei den gemeldeten Stellen für Fachkräfte von 2,3 Prozent. „Der Rückgang der gemeldeten Stellen zeigt, dass Unternehmen unter den aktuellen Bedingungen zurückhaltend reagieren. Dennoch bleiben die Beschäftigungschancen für Fachkräfte, auch mit Blick auf demographische Effekte, nach wie vor gut“, erläutert Steinkühler.

Entwicklung in der Grundsicherung – SGB II

Trotz im Vergleich zum Vorjahr leicht steigender Arbeitslosigkeit in der Grundsicherung, ist die Anzahl der im Jobcenter betreuten Bedarfsgemeinschaften zum Jahresende rückläufig. Im Vergleich zu November 2024 ist eine Reduzierung um 2 Prozent zu beobachten. Die Anzahl der Regelleistungsberechtigten sank im selben Vergleichszeitraum um 3 Prozent.

Dies ist eine positive Entwicklung, da die Anzahl der Menschen im Bürgergeld auf Grund der Auswirkungen des Ukrainekriegs seit einigen Jahren stetig angestiegen ist. Ursächlich für den Rückgang der Bürgergeldbeziehenden sind unter anderem im Vergleich zum Vorjahr höhere Abgangsraten in den Arbeitsmarkt.

Insbesondere geflüchtete Menschen haben 2025 häufiger eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufgenommen als im Vorjahr. „Nachdem in Sprach- und Integrationskursen grundständige Deutschkenntnisse vermittelt wurden, stand einer Arbeitsaufnahme in vielen Fällen nichts mehr im Weg“, erläutert Anna Markmann, Geschäftsführerin des Jobcenters Märkischer Kreis. Im April 2025 waren 1082 Ukrainerinnen und Ukrainer im Märkischen Kreis sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im April 2024 waren es 669 Menschen aus dieser Personengruppe. Bei den Menschen aus den stärksten acht Asylherkunftsländern (Afghanistan, Eritrea, Iran, Irak, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien) waren im April 2025 2316 Menschen sozialversicherungspflichtig im Märkischen Kreis beschäftigt (hier waren es im Vorjahr noch 2036). „Diese Entwicklung zeigt, dass das Potenzial Geflüchteter am heimischen Arbeitsmarkt von Betrieben genutzt wird und auch auf die Deckung des Fachkräftebedarfs in der Region einzahlt“, beschreibt Anna Markmann.

Die Bilanz für die Entwicklung bei den Ausbildungsaufnahmen fällt im Jobcenter Märkischer Kreis ebenfalls positiv aus: „Erfreulich ist, dass auch viele junge Menschen unter 25 Jahren von dieser Dynamik profitieren konnten und sich die Anzahl derjenigen, die dieses Jahr aus dem Bürgergeldbezug heraus eine Ausbildung aufgenommen haben im Vergleich zu 2024 leicht erhöht hat“, berichtet Anna Markmann.

Ausblick und Herausforderungen 2026

Ein evtl. leichter Aufschwung auf Bundesebene (lt. IAB BIP mit +1,1 Prozent für 2026 prognostiziert) kommt vermutlich nicht in allen Regionen an. Insbesondere in Regionen, wie dem Märkischen Kreis, mit einem hohen Anteil an Verarbeitendem Gewerbe ist eine steigende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig sinkender Beschäftigung zu erwarten, da das Verarbeitende Gewerbe als konjunkturabhängige Branche nicht nur die Konjunkturschwäche zu verkraften hat sondern auch mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat.

„Unser Fokus 2026 liegt darauf, die Entwicklungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt eng mit allen Netzwerkpartnern zu begleiten und gemeinsam mit Kundinnen und Kunden Perspektiven zu entwickeln. Gleichzeitig forcieren wir die berufliche Beratung – sowohl bei Arbeitnehmenden als auch bei Arbeitgebenden. Anforderungen und Branchen verändern sich mit Blick auf die Digitalisierung und hier setzen wir mit unserer Beratung an. Arbeitgebende möchten wir für unterschiedliche Personengruppen und Unterstützung bei der Beschäftigung aufschließen – denn hier schlummert noch Potenzial“, erklärt Steinkühler.

Bei den Jugendlichen sei es besonders wichtig, vor allem die Berufsorientierung und die betriebliche Ausbildung zu stärken. Die heutigen Jugendlichen sind der Nachwuchs von morgen. „Den heimischen Unternehmen empfehle ich daher, trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten bei der Ausbildung junger Menschen nicht nachzulassen – sie sind ihre zukünftigen Fachkräfte“, so Steinkühler.