Jahresrückblick 2025 auf den Kieler Arbeitsmarkt

Arbeits- und Fachkräftesicherung bleibt zentrale Herausforderung auf dem hiesigen Arbeitsmarkt

04.02.2026 | Presseinfo Nr. 11

Jahresergebnis 2025

Mit 132.570 bleibt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Landeshauptstadt weiterhin auf einem hohen Niveau. Ein Jahr zuvor lag sie bei 132.520. „Die aktuelle Zahl ist ein neuer Rekordwert für Kiel. Die Dynamik hat allerdings – aufgrund unterschiedlicher wirtschaftlicher Rahmenbedingungen – etwas nachgelassen“, führt Hans-Martin Rump, Leiter der Agentur für Arbeit Kiel im Rahmen des Rückblicks auf das Jahr 2025 aus.
Auch der Stellenmarkt bot und bietet unverändert Möglichkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Zum Jahresabschluss waren dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter der Landeshauptstadt fast 7.600 sozialversicherungspflichtige Stellen für 2025 gemeldet worden. „Die Zahl der gemeldeten neuen Arbeitsplätze für Kiel lag mit einem Plus von 2,1 Prozent leicht über dem Wert des Vorjahres. Der Stellenmarkt hat sich damit stabil gezeigt.“
Die nachlassende Dynamik der Nachfrage und die unterschiedliche Entwicklung der Beschäftigung nach Branchen hat die Arbeitslosenstatistik beeinflusst. Die Arbeitslosenquote ist zum Jahresende leicht von 8,0% auf 7,8% gesunken. Es mussten sich auf der einen Seite mehr Menschen arbeitslos melden als im Vorjahr (+247 oder 3,4 %), es konnten aber auch im gleichen Zeitraum deutlich mehr Frauen und Männer ihre Arbeitslosigkeit durch Beschäftigungsaufnahme beenden (+362 oder 6%). „Es gibt unverändert Risiken auf dem Arbeitsmarkt, auf der anderen Seite steigen aber auch die Chancen, für Fachkräfte ihre Arbeitslosigkeit zu beenden,“ so Rump.

 Arbeits- und Fachkräftesicherung bleibt zentrale Herausforderung auf dem hiesigen Arbeitsmarkt

„Die Arbeits- und Fachkräftesicherung bleibt ein zentrales Thema am Kieler Arbeitsmarkt“, sagt Hans-Martin Rump. Dafür sind die nachfolgenden Gründe maßgeblich.
Zum einen bleibt die Nachfrage nach Arbeitskräften hoch, auch wenn der Beschäftigtenzuwachs an Dynamik verliert. Laut der regionalen Arbeitsmarktprognose des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist davon auszugehen, dass sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2026 auf ähnlichem Niveau bewegt wie in dem gerade abgelaufenen Jahr.

Darüber hinaus wächst in Kiel die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe (+254 ggü. Vorjahr), getrieben durch starken Zuwachs in der Metall-, Elektro und Stahlindustrie (+161 zum Vorjahr). Diese entscheidend durch die „Wehrtechnik“ getragene Entwicklung ist gegenläufig zum Bundestrend. Auf Bundesebene hat das verarbeitende Gewerbe Beschäftigung eingebüßt (-2,2 Prozent zum Vorjahr).
„Das ist Chance und Risiko zugleich“, fährt Rump fort. Neben den ausgebildeten Fachkräften suchen diese Betriebe auch verstärkt Nachwuchs. Häufig im technischen Bereich. So standen unserer Berufsberatung im vergangenen Ausbildungsjahr allein 571 Lehrstellen in technischen Berufen wie im Metallbereich, der Fahrzeug- und Schiffbautechnik, der Mechatronik sowie der Elektro- und Energietechnik zur Verfügung. Dem standen lediglich 237 Bewerber/innen um diese Ausbildungsberufe gegenüber. „Insgesamt fallen Angebot und Nachfrage nach Ausbildungsplätzen häufig auseinander. Das birgt ein Risiko künftigen Fachkräftemangels, der häufig technische Berufe betrifft“, erläutert Rump.

Eine weitere Herausforderung sieht der Agentur-Chef beim Thema „Demografie“:
Die Belegschaften in den Betrieben werden immer älter. 23,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Landeshauptstadt Kiel sind älter als 55 Jahre. Auf der anderen Seite geht die Zahl der jüngeren Arbeitnehmer in der Gruppe von 15 bis 25 Jahren weiter zurück. Nur noch neun Prozent gehören zu dieser Alterskohorte. Das Demographie-Delta beträgt mittlerweile rund 14 Prozentpunkte, vor zehn Jahren lag es bei rund acht Prozent.  „Unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung wird allein der Ersatz von Arbeitskräften, die altersbedingt ausscheiden eine Herausforderung,“ sagt Hans-Martin Rump.

Deshalb bleibe das Thema Zuwanderung wichtig. „Der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Landeshauptstadt Kiel wird vor allem durch Menschen mit einem ausländischen Pass getragen. Dieser Zuwachs betrug 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bei den Deutschen ging die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hingegen um 0,9 Prozent zurück.
Diese Menschen besetzen vor allem Arbeitsplätze in der Gastronomie, im Reinigungsgewerbe, aber auch in der Lagerlogistik und im Handel,“ führt der Agentur-Chef weiter aus.
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Altersstruktur der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Nur rund 9,3 Prozent der etwa 13.000 Beschäftigten mit ausländischer Herkunft in Kiel ist älter als 55 Jahre. Auf der anderen Seite sind 12,8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in einem Alter von 15 bis 25 Jahren. „Es ist gewissermaßen eine demografische Gegenbewegung, die in Kiel die negativen Folgen der Demokratie deutlich abmildert“, führt Rump aus.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang auch zu beobachten, dass der „Job-Turbo“ bei der Integration ukrainischer Menschen auf dem Arbeitsmarkt gewirkt habe. „Seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Ukrainerinnen und Ukrainer verfünffacht. Waren es im Februar 122, so sind es heute rund 700, die dem Kieler Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Mehr als jeder dritte als beim Jobcenter Kiel als erwerbsfähige Person gemeldeter Mensch mit ukrainischem Pass geht einer Beschäftigung nach. 2023 war es jeder fünfte. Die ukrainischen Menschen liefern durch ihre Arbeitsleistungen einen wertvollen Beitrag gegen einen zunehmenden Arbeits- und Fachkräftemangel“, blickt Rump auf den Erfolg des „Job-Turbo“ zurück.

Rund 26 Prozent aller Über-55-Jährigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigen in Kiel sind als Fachkräfte beschäftigt, hinzu kommen noch hohe Anteile an Spezialisten (25,8%) und Experten (23,3%). „In spätestens zehn Jahren werden diese gut qualifizierten Menschen den Arbeitsmarkt verlassen haben. Dann gehen Kiel viele Facharbeiter, Meister, Techniker oder Menschen mit Hochschulabschluss verloren. Diese Menschen lassen sich aktuell nicht durch nachwachsendes inländisches Potential adäquat ersetzen“, weist Rump auf ein weiteres demografiebedingtes Risiko hin.

Last but not least besteht ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Während rund 13 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kiel nicht über einen qualifizierten Berufsabschluss verfügen, beträgt der Anteil der Ungelernten an allen Arbeitslosen in der Landeshauptstadt rund 57%. „Ein fehlender beruflicher Abschluss erhöht das Risiko der Arbeitslosigkeit deutlich“, führt Hans-Martin Rump aus.

Qualifiziertes Personal als Potenzial
Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne beruflichen Abschluss beträgt rund 22%. Mit einer entsprechenden Qualifizierung beträgt der Anteil nur 4,4 Prozent,“ blickt Rump auf die qualifikationsspezifische Arbeitslosenquote. „Deshalb ist es uns wichtig, bei uns arbeitslos gemeldeten Frauen und Männern, aber auch in den Betrieben beschäftigten Menschen, entsprechende Qualifizierungsangebote zu machen. Im Jahr 2025 haben wir rund 17 Millionen Euro für Förderung ausgegeben. Darunter haben wir unter anderem rund 7,7 Millionen Euro in Weiterbildung und 5,2 Millionen Euro in Beschäftigtenqualifizierung investiert. 2026 stehen rund 19,4 Millionen Euro im Fördertopf zur Verfügung. Jeder Euro, den wir in Angebote zur Arbeitsaufnahme, der Weiterbildung oder Beschäftigtenqualifizierung stecken, ist gerade in Hinblick auf die demographischen Herausforderungen gut investiertes Geld. Qualifizierung minimiert das Risiko, arbeitslos zu werden und es zu bleiben“, wirbt Rump für das Thema Förderung.

Und wer sich höher qualifiziert, kann auch mehr Geld verdienen. Sozialversicherungspflichtig Vollzeit-Beschäftigte in der Landeshauptstadt Kiel verdienen ohne Berufsabschluss aktuell im Durchschnitt (Median) 2.981 € brutto im Monat. Als Fachkraft sind es 3.936 €. 
„Aus diesen wenigen Zahlen wird recht schnell deutlich, dass sich eine Ausbildung oder eine spätere Qualifizierung im Berufsleben lohnt. In Kiel liegt der für Menschen mit Berufsabschluss gezahlte Lohn rund 1.000 € über dem einer sozialversicherungspflichtig beschäftigten Person ohne Abschluss. Würde beispielsweise eine Person, die 25 Jahre alt ist und noch rund 40 Jahre im Berufsleben stehen wird, einen Berufsabschluss nachholen und durchgehend sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, würde sie am Ende rund 480.000 Euro zusätzlich verdient haben,“ verdeutlicht Rump auch den fiskalischen Mehrwert für jede/n Einzelnen, der sich mit dem Gedanken einer Qualifizierung trägt.