Gemeinsam mit Kirsten Wittke-Lemm (Unternehmerschaft Niederrhein, Vorsitzende des Verwaltungsausschusses der Agentur für Arbeit Krefeld) und Klaus Churt (DGB-Region Düsseldorf-Bergisch Land, stellvertretender Vorsitzender) zog der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld, Hasan Klauser, die Arbeitsmarktbilanz für das vergangene Jahr.
„Die globalen Herausforderungen und damit verbundenen konjunkturellen Unsicherheiten bestimmten den Arbeitsmarkt auch im Jahr 2025. Ausdruck der abwartenden Haltung der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ist der fortgesetzte Rückgang bei Neueinstellungen – vor allem im verarbeitenden Gewerbe. Wenn gesucht wird, dann zu über 80% auf Fachkraftniveau oder höher“, erläutert Klauser. „Im Dezember beispielweise suchten in Krefeld und im Kreis Viersen rund 13.000 arbeitslose Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung eine Arbeitsstelle. Diesen standen gerade mal 600 offene Stellen zur Verfügung. Das entspricht einer Bewerber-Stellen-Relation von 22 zu eins. Bei Fachkräften und Höherqualifizierten lag diese Relation zwischen 3 und 4 pro Stelle und damit die Chance, eine passende Beschäftigung zu finden, ungleich höher. Deswegen bleibt das Gebot der Stunde: Qualifizierung, Qualifizierung, Qualifizierung“, so Klauser.
„Fakt ist, die Arbeitslosigkeit ist im vergangenen Jahr über alle Personengruppen hinweg gestiegen. Im Jahresdurchschnitt lag die Zahl der Arbeitslosen mit 23.581 über dem Vorjahr mit 22.903. Die Steigerung fiel weniger stark aus als im NRW-Schnitt. Positiv anzumerken ist: die Beschäftigung im Agenturbezirk liegt erfreulicherweise weiterhin auf einem hohen Niveau. Hier sind 193.028 Menschen in Arbeit, ein leichtes Minus von 639 Personen gegenüber dem Vorjahr. Das dieses Minus nicht größer ist, liegt am Beschäftigtenzuwachs geflüchteter Menschen“, konstatiert er.
„Aufgrund der vielen Unwägbarkeiten ist eine sichere Prognose für 2026 nur schwer möglich. Der Sozial- und Gesundheitsbereich, das Baugewerbe und auch die öffentliche Verwaltung sind Wirtschaftsbranchen, die Beschäftigung aufbauen. Für die nächsten zwei Monate rechnen wir allein saisonbedingt mit höheren Werten bei der Arbeitslosigkeit. Weiterbildung und Qualifikation sind arbeitsmarktpolitisch die Themen, die auch 2026 bestimmen werden. Dafür stehen neben vielen motivierten Betrieben in Krefeld und im Kreis Viersen rund 30 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen wir sowohl arbeitslose Menschen als auch Beschäftigte qualifizieren können, um gute Beschäftigungen zu ermöglichen“, so Klauser.
Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Die Zahl der jüngeren Menschen ohne Arbeit (unter 25 Jahren) stieg in 2025 im Vergleich gegenüber dem Vorjahr um 98 Personen. Sie lag bei 1.835, das entspricht einer Quote von 6,4 % (2024: 6,0 %).
Die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen stieg 2025 leicht. Gegenüber dem Vorjahr lag die Zahl um 235 höher bei aktuell 10.074 Personen.
„Wie in ganz Deutschland leidet der Arbeitsmarkt in Krefeld und im Kreis Viersen unter der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Bisher zeigt sich der Arbeitsmarkt noch robust, weil es in Teilbereichen einen Fachkräftemangel gibt. Hierzu zählen das Gesundheits- und Sozialwesen, dass Baugewerbe und das Handwerk. Der Bedarf an Fachkräften ist hier ungebrochen. Um das Fachkräftepotenzial in unserer Region über Qualifizierung und Weiterbildung zu heben, hat die Arbeitsagentur einen breit aufgestellten Werkzeugkasten. Deshalb ist die Erhöhung des Budgets für diesen Bereich im Jahr 2026 ein wichtiges Signal, um Brücken in den Arbeitsmarkt der Zukunft zu bauen. Auch die Verlängerung der Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes durch die Bundesregierung ist hilfreich, um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren. In den nächsten Jahren gehen auch in unserer Region tausende von Fachkräften in den Ruhestand. Der Appell an die Unternehmen in der Region: Stellen sie trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage Ausbildungsplätze zur Verfügung. Geben sie jungen Menschen eine Chance, auch wenn sie nicht direkt alle Anforderungen erfüllen. Die Arbeits-agentur kann sie hierbei unterstützen. Wer jetzt nicht alles für die Ausbildung des Nachwuchses tut, darf sich nicht über einen flächendeckenden Fachkräftemangel in Zukunft beklagen“, so Klaus Churt.
Arbeitslosigkeit nach Rechtskreisen und Regionen
In 2025 wurden im Bezirk der Agentur für Arbeit Krefeld 7.250 Menschen von der Arbeitsagentur betreut (640 mehr als in 2024), 16.330 Arbeitslose (38 mehr als im Vorjahr) waren in Betreuung der Jobcenter Krefeld und Kreis Viersen. Damit lag die Arbeitslosenquote 2025 im Bezirk bei 8,1 Prozent (2024: 7,9%).
In der Stadt Krefeld lag die Arbeitslosigkeit 2025 bei 11,0 Prozent (2024: 10,8%), im Kreisgebiet Viersen bei 5,9 Prozent (2024: 5,8%).
Nachfrage nach Arbeitskräften
In der Jahressumme 2025 lag die Zahl der zur Besetzung gemeldeten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsstellen bei 7.483 unter dem Niveau des Vorjahrs (-11,9 Prozent).
„Steigende Arbeitslosigkeit einerseits und Fachkräftemangel andererseits sind derzeit eine der wesentlichen Herausforderungen für die aktive Arbeitsmarktpolitik. Auch auf dem regionalen Arbeitsmarkt ist es spürbar: Tiefgreifende strukturelle Veränderungen und der demografische Wandel verschärfen die Lage gleichzeitig. Deshalb ist eine effiziente Arbeitsvermittlung, die Ausbildungs- sowie Arbeitssuchende und Stellen passgenau zusammenbringt, wichtiger denn je. Wir im Verwaltungsausschuss - dem Herzstück der Selbstverwaltung in der Arbeitslosenversicherung vor Ort – unterstützen dabei: Auf dem Arbeitsmarkt, indem wir unsere Netzwerke nutzen, um u.a. pragmatisch und effizient Job-to-Job-Wechsel zwischen Betrieben, die Personal abgeben und Betrieben mit Personalbedarf zu organisieren. Auf dem Ausbildungsmarkt, indem wir immer wieder Impulse bei der Entwicklung innovativer Formate im Berufswahlprozess für junge Menschen setzen und uns gemeinsam mit den Netzwerkpartnern vor Ort aktiv bei der Umsetzung solcher Formate einbringen. Mit dem Herbstcamp 2025 in Krefeld, sowie erstmalig auch in Kempen, haben wir viele junge Menschen mit Startschwierigkeiten am Übergang Schule-Beruf erreicht. Durch gezielte Trainings, praxisnahe Begegnungen und Betriebsbesuche konnten wir ihnen Orientierung geben und sie neugierig machen. Denn gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten bleibt Ausbildung ein Schlüsselinvestment: Unternehmen, die heute in junge Menschen investieren, sichern sich die Fachkräfte von morgen. Wer Begeisterung für unsere heimische Wirtschaft mit ihren vielfältigen Berufsbildern weckt und Nachwuchs qualifiziert, legt das Fundament für eine starke wirtschaftliche Zukunft in unserer Region", so Kirsten Wittke-Lemm.
