Bilanz und Ausblick: Arbeitsmarkt in Mittelholstein
Thorben Sauck, Leiter der Agentur für Arbeit Neumünster, zieht eine Bilanz des Jahres 2025 und gibt einen Ausblick auf 2026
• Leichter Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung
• Durchschnittliche Arbeitslosenquote gleichbleibend bei 5,5 Prozent
• Trotz bestehender Unwägbarkeiten verhalten optimistisch für 2026
• Arbeits- und Fachkräftesicherung bleibt die zentrale Herausforderung
„Rund drei Jahre Rezession und Stagnation sind auch an Mittelholstein nicht gänzlich unbemerkt vorübergangen, im Vergleich mit anderen Regionen sind wir jedoch mit einem „blauen Auge“ davongekommen,“ resümiert Sauck und erklärt: „Unser Vorteil besteht in einer geringeren Abhängigkeit von Großbetrieben. Mit ihrem Branchenmix gehören viele der kleinen und mittleren Unternehmen nicht zu den „Problembranchen“. Dennoch führte die schwächere wirtschaftliche Entwicklung in einzelnen Branchen zur Zurückhaltung bei Neueinstellungen bzw. in Teilen auch zu Entlassungen.
Auf der anderen Seite bleibt der Arbeits- und Fachkräftemangel die größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt, die sich durch die demographische Entwicklung noch verschärfen wird,“ so Sauck in seinem Fazit.
Etwas mehr Arbeitslose – Quote unverändert
Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen stieg im Vergleich zum Vorjahr im Jahresdurchschnitt 2025 um 2,1 Prozent (plus 215) auf 10.666. Ein differenziertes Bild zeigt sich im Vergleich der beiden Rechtskreise. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren bei der Agentur für Arbeit (Arbeitslosengeld I / SGB III) 3.779 Personen arbeitslos gemeldet (plus 285 oder 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und in den beiden Jobcentern im Agenturbezirk (Bürgergeld / SGB II) 6.887 Personen (minus 70 oder 1,0 Prozent).
„In dieser unterschiedlichen Entwicklung zeigt sich die konjunkturelle Betroffenheit. Zwar vermeiden Unternehmen Entlassungen, um ihre Fachkräfte möglichst zu halten. Sie sind aber auch zurückhaltender bei Neueinstellungen. Für Arbeitsuchende gibt es weniger offene Stellen und die Stellen, die neu besetzt werden sollen, haben höhere Anforderungen,“ so Sauck und macht deutlich: „Wer ohne aktuell verwertbare berufliche Qualifikation arbeitslos wird, hat es schwer, eine neue Arbeitsstelle zu finden.“
Da vorhandene Qualifikationen sich häufig nicht mit den Anforderungen decken, rät Sauck Betrieben, ihre Beschäftigten „zukunftsfähig“ fit zu machen. „Mir ist wichtig, dass sich Beschäftigte, Arbeitsuchende und die Unternehmen offen für berufliche Qualifizierungen zeigen. Sie treffen bei der Agentur für Arbeit auf vielfältige Unterstützungsangebote. Berufliche Ausbildung und Qualifizierung sind der Schlüssel für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt“, so Sauck.
Die durchschnittliche Arbeitslosenquote hat sich 2025 mit 5,5 Prozent gegenüber 2024 nicht erhöht. Das verdeutlicht einen robusten Arbeitsmarkt. Diesen hat Mittelholstein seiner Branchenstruktur zu verdanken.
Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten leicht gesunken
Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung liegen aktuell zum Stichtag 30.06.2025 vor. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Bezirk der Agentur für Arbeit Neumünster ist im Vergleich zum Vorjahresquartal (Stichtag 30.06.2024) um 0,3 Prozent auf 129.518 gesunken. Dies betrifft insbesondere die Wirtschaftsbereiche Arbeitnehmerüberlassung, Logistik und das verarbeitende Gewerbe.
Den größten Anteil an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Mittelholstein hat das Gesundheits- und Sozialwesen (17,3 Prozent), gefolgt vom Handel (16,8 Prozent), der Erbringung wirtschaftlicher Dienstleistungen* (13,0 Prozent) und dem verarbeitenden Gewerbe (10,7 Prozent). Der Anteil der Zeitarbeit liegt unverändert bei 0,6 Prozent.
Positiv ist ein Anstieg sozialversicherungspflichtig Beschäftigter mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Zum Stichtag 30.6.2025 lag ihr Anteil mit 1.203 Personen bei 0,8 Prozent (plus 129 Personen im Vergleich zum Vorjahresstichtag). Innerhalb dieser Zahl sind auch Menschen aus den Asylherkunftsländern und der Ukraine. Der Arbeitsmarkt profitiert hier von der Einwanderung der Menschen, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind.
Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten ist um 555 oder 2,8 Prozent auf 19.273 gesunken.
Ausblick
Herausforderung ist und bleibt 2026 die Transformation des Arbeitsmarktes.
Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung stellen an Unternehmen und Beschäftigte höhere Anforderungen. Zugleich führt der demografische Wandel zu einer veränderten Bevölkerungs- und Kundenstruktur.
Diese veränderten Rahmenbedingungen gilt es anzunehmen. Ausbildung und Qualifizierung sind die richtigen Hebel, die alle Beteiligten ansetzen müssen. „Wir arbeiten eng mit unseren Netzwerkpartnern zusammen und bieten Unterstützung in vielfältiger Weise für Arbeitnehmende und Arbeitgebende an. In diesem Zusammenhang setzen wir ebenfalls weiterhin auf das Gewinnen von Nachwuchs für die betriebliche Berufsausbildung“, so Sauck.
„2026 befinden wir uns nach meiner Einschätzung in einem Übergangsjahr. Integration in Arbeit gelingt nur bei wirtschaftlichem Aufschwung. Wie sich die geopolitischen Rahmenbedingungen verändern werden, kann niemand voraussehen. Die Herausforderungen der Transformation gepaart mit dem demografischen Wandel haben wir im Blick. Das lässt mich verhalten optimistisch sein“, meint Sauck.