- Neue IAW-Studie: Wenn die Wirtschaft anzieht und die Betriebe wieder mehr investieren, braucht Baden-Württemberg mehr qualifizierte Fachkräfte.
- Bereits heute hat fast jeder vierte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Baden-Württemberg einen akademischen Abschluss – mehr als im bundesweiten Schnitt.
- Martina Musati: „Mit Blick auf die demographische Entwicklung der nächsten Jahre sind alle Hebel zur Fachkräftesicherung zu nutzen, insbesondere Ausbildung.“
Martina Musati, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, erklärt mit Blick auf die Fachkräftesicherung: „Bereits heute wissen wir, dass in Baden-Württemberg rund 1,2 Millionen oder 25 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den nächsten 10 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden werden. Die Jahrgänge, die in den Arbeitsmarkt eintreten, sind durchschnittlich um knapp 40 Prozent kleiner als die, die ausscheiden. Deshalb ist es so entscheidend, jetzt in Aus- und Weiterbildung zu investieren. Unternehmen sollten auch in der aktuellen Krise an der hohen Ausbildungsbereitschaft festhalten. Eine Studie des IAW belegt eindrucksvoll für die vergangenen 15 Jahre, dass bei anziehender Konjunktur und steigenden Investitionen der Betriebe die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften steigt.“
IAW: Investitionen und Innovationen sorgen für Beschäftigungswachstum und höheren Bedarf an gut qualifizierten Arbeitskräften
Das Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) hat im Auftrag der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit in einer neuen Studie die Auswirkungen von Investitionen und Innovationen auf die Beschäftigungsentwicklung und Qualifikation der Beschäftigten in Baden-Württemberg im Zeitraum 2008 bis 2023 untersucht.
Die Studie untersucht zwei Arten von Investitionen:
- Ersatzinvestitionen sind Investitionen, um veraltete, abgenutzte oder ausgeschiedene Betriebsmittel wie Maschinen und Anlagen durch neue zu ersetzen, um die betriebliche Leistungsfähigkeit zu erhalten. Sie dienen der Erhaltung der Substanz.
- Erweiterungsinvestitionen dienen der Ausweitung der betrieblichen Leistungsfähigkeit, Produktions- oder Vertriebskapazität. Sie können für Wachstum sorgen.
Zudem definiert die Studie vier Formen von Innovationen:
- Bestehende Produkte verbessern
- Neue Produkte anbieten
- Produkte für einen neuen Markt anbieten
- Prozesse verbessern.
Die wichtigsten drei Ergebnisse der neuen IAW-Studie sind:
- Zwar sinkt der Anteil der Betriebe, die investieren, zwischen 2008 und 2023 von über 60 auf unter 50 Prozent. Positiv ist aber, dass über die Hälfte der Betriebe, die investieren, Erweiterungsinvestitionen tätigen und damit auf Wachstum setzen.
- Zwar setzen die innovierenden Betriebe insbesondere auf Produkt- und Prozessverbesserungen – und weniger auf Wachstum steigernde neue Produkte oder Märkte. Positiv ist aber, dass der Anteil der Betriebe mit Innovationen zwischen 2008 und 2023 von knapp 40 auf rund 50 Prozent steigt. Die Industrie ist besonders innovationsfreudig und engagiert sich überdurchschnittlich in Forschung und Entwicklung.
- Investitionen (insbesondere Erweiterungsinvestitionen) und Innovationen (insbesondere Produktinnovationen) sorgen dafür, dass der Bedarf an Fachkräften steigt.
Für die Jahre 2024 und 2025, in denen sich die Konjunktur weiter eingetrübt und Zollkonflikte zugenommen haben, liegen noch keine tiefergehenden Analysen vor. Die IAW-Studie zeigt aber, dass Baden-Württemberg eine gute Basis für eine wirtschaftliche Erholung besitzt, mit der die führenden Wirtschaftsinstitute für 2026 rechnen. Zudem unterstreicht die Studie, dass die Unternehmen vor allem gut ausgebildete Fachkräfte benötigen, wenn sie wieder stärker investieren und neue, wettbewerbsfähige Produkte entwickeln.
Arbeitgeber setzen schon heute auf gut ausgebildete Beschäftigte
In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der hochqualifizierten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Baden-Württemberg um knapp zwei Drittel erhöht. Gab es im Juni 2015 noch 668.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte mit einem akademischen Berufsabschluss, so waren es im Juni 2025 (neuester verfügbarer Wert) rund 1.099.000 – ein Plus von 65 Prozent (bundesweit: plus 62 Prozent). Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit akademischem Berufsabschluss an allen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg von 15 Prozent auf 22 Prozent (bundesweit: von 14 auf 21 Prozent). Der Südwesten hat eine überdurchschnittliche Dynamik bei der Beschäftigung von Fachkräften.
Die vollständige IAW-Studie finden Sie hier.