Arbeitsmarktbericht für Februar 2024

Seitwärtsbewegung und leichtes Beschäftigungswachstum auf dem Arbeitsmarkt im Freistaat

29.02.2024 | Presseinfo Nr. 4

Im Februar ist die Arbeitslosigkeit in Bayern im Vergleich zum Vormonat leicht zurück gegangen. Die Arbeitslosenquote liegt im Februar bei 3,8 Prozent. Insgesamt waren 294.150 Personen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern arbeitslos gemeldet, das sind 330 weniger als noch im Januar - ein Grund dafür ist der bisher milde Winter. Die Beschäftigung ist weiter leicht gestiegen.

Arbeitslosenzahl im Februar:-330 auf 294.150 (-0,1 %)
Arbeitslosenzahl im Vorjahresvergleich:+25.155 (+9,4 %)
Arbeitslosenquote im Vormonatsvergleich:3,8 Prozent (-0,1 Prozentpunkte)
Arbeitslosenquote im Vorjahr:3,6 Prozent
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (Dez.23):5,95 Mio. (+52.200 VJ Vergl.)
Arbeitslosigkeit

Der Bestand an Arbeitslosen liegt im Februar bei 294.150. Im Vergleich zum Vormonat Januar ist der Arbeitslosenbestand - wie saisonal üblich - leicht zurückgegangen (-330 bzw. 0,1 Prozent). Zum Vorjahresmonat zeigt sich dagegen eine deutliche Zunahme um 25.155 bzw. 9,4 Prozent. Mehr als die Hälfte dieses Anstiegs basiert auf arbeitslosen Ausländern. Deutliche Zuwächse sind u.a. bei arbeitslosen Ukrainern (+2.604), Syrern (+2.281), Afghanen (+967) und Rumänen (+1.067) zu verzeichnen. Mit einer Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent zählt die Gruppe der Ausländer:innen zu den besonders betroffenen Personengruppen.

Einen überdurchschnittlichen Anstieg bei der Arbeitslosenzahl sehen wir im Vorjahresvergleich auch bei den Jüngeren unter 25 Jahren (+ 3.214 bzw. 14,3 Prozent).
Die aktuelle konjunkturelle Flaute zeigt sich in der Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB III am deutlichsten: Im Vergleich zum Februar 2023 gab es einen Anstieg von 16.595 oder 11,8 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen in der Grundsicherung hat im Vergleich zum Vorjahr um 8.560 oder 6,7 Prozent zugenommen. 62 Prozent dieses Anstieges sind auf arbeitslose Ausländer zurückzuführen. Insbesondere ist diese Entwicklung an der deutlich gestiegenen Zahl der Langzeitarbeitslosen ersichtlich; diese liegt im Februar 2024 bei 65.904 – ein Plus von 5.743 oder 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Maßgeblich dafür ist eine große Zahl ukrainischer Staatsbürger, die sich seit dem 1. Juni 2023 in der Grundsicherung befinden.

„Der bayerische Arbeitsmarkt zeigt aktuell eine Seitwärtsbewegung. Der Rückgang des Arbeitslosenbestandes im Vergleich zum Vormonat ist minimal, die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt ist trotzdem in Summe als gut zu werten. Nicht zuletzt auch aufgrund des milden Winters werden weniger Menschen in den Außenberufen entlassen und gerade witterungsabhängige Unternehmen arbeiten ohne Unterbrechungen durch. Bayern hat im Bundesvergleich nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenquote mit 3,8 Prozent. Zudem liegt die Arbeitslosenquote bei gut einem Fünftel der bayerischen Stadt- und Landkreise (21 von 96) unter der Marke von 3,0 Prozent“, erklärt Dr. Markus Schmitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, der Bundesagentur für Arbeit.

„Die Bewegungskennzahlen (Zu- und Abgang von Arbeitslosen) zeigen im Februar aber eine gute Dynamik, d.h. es melden sich weniger Menschen arbeitslos als noch im Januar (-18.488 bzw. 19,6 Prozent). Auch beim Abgang sehen wir im Vergleich zum Vormonat eine Zunahme. Hier ist eine Steigerung um 13.535 bzw. 21,6 Prozent zu verzeichnen. Diese Entwicklungen zeigen, dass es langsam in Richtung Frühling geht und sich eine arbeitsmarktliche Erholung abzeichnet.
Den Anstieg bei der Arbeitslosigkeit von jungen Menschen unter 25 Jahren müssen wir im Auge behalten, auch wenn er saisonal üblich ist. Gründe dafür können bei Auszubildenden sein, dass z.B. im Rahmen der ersten Zwischenzeugnisse und dem bevorstehenden Ende der Probezeit Neu- und Umorientierungen stattfinden. Auch sind Jugendliche in Außenberufen durchaus stärker von der Winter-Arbeitslosigkeit betroffen als erfahrene Beschäftigte. Weiter sehen wir, dass die Zahl der arbeitslosen Ausländerinnen und Ausländer im Vergleich zum Vorjahr steigt. Ein Grund hierfür ist sicher, dass sich die weiter ansteigenden Zugänge von Geflüchteten in den Jobcentern in den Zahlen widerspiegeln.
Viele Geflüchteten beenden in diesen Monaten ihre Sprach- und Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Im Rahmen des Job-Turbos arbeiten wir intensiv mit dieser Zielgruppe und versuchen gezielt, diese Menschen direkt in Arbeit zu bringen. Diese Aufgabe wird kein Sprint, sondern ein Marathon, zu dem wir einen langen Atem sowie alle Akteure auf dem bayerischen Arbeitsmarkt brauchen“, sagt Schmitz.

Unterbeschäftigung

Die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) steigt im Vorjahresvergleich um 26.629 oder 7,4 Prozent auf 388.031. Die Zahl der Teilnehmenden an Förder-Angeboten der aktiven Arbeitsmarktpolitik liegt nach den aktuellen hochgerechneten Zahlen für Dezember 2023 bei 93.611 und liegt mit 7.362 bzw. 8,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. In fast allen Förder-Kategorien ist ein Anstieg zu verzeichnen, mit Ausnahme der Kategorie Beschäftigung schaffende Maßnahme; besonders deutlich fällt der Anstieg bei beruflicher Weiterbildung aus. Hier nahmen 36.070 Personen an einer beruflichen Weiterbildung teil, das sind 6.486 bzw. 21,9 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Auch die Inanspruchnahme von Fremdförderungen (in erster Linie Sprachekurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge) spielen dabei eine wichtige Rolle: 36.786 Fremdförderungen wurden im Februar in Anspruch genommen – 28.305 dieser Fremdförderungen wurden von Ukrainer:innen und Menschen aus Afghanistan und Syrien genutzt.

„Wir sehen, dass bei den Stellenanforderungen seitens der Unternehmen und bei den Menschen, die bei uns arbeitslos gemeldet sind, die Qualifikationsschere auseinandergeht. Genau da möchten wir mit guten Weiterbildungen unterstützen, so dass Unternehmen und Arbeitsuchende besser zusammenfinden. An den steigenden Teilnehmendenzahlen sehen wir, dass die Menschen bereit sind für Qualifizierung und den Weg der Qualifizierung aktiv mitgehen, d.h. die intensive Weiterbildungsberatung der Agenturen für Arbeit in Bayern trägt Früchte. Wir können so einen wertvollen Beitrag leisten, die bayerische Wirtschaft am Laufen zu halten“, so Schmitz.

Gemeldete Arbeitsstellen: Arbeits- und Fachkräfte werden weiterhin dringend benötigt

Im Februar wurden den bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcentern 28.176 zusätzliche Arbeitsstellen gemeldet; der Stellenbestand wächst auf 137.926 Stellen an. Mit Blick auf den Vormonat ist das ein deutliches Plus von 8.060 bzw. 40,1 Prozent. Der Blick zurück zeigt allerdings auch, dass der Stellenzugang mit -3.856 bzw. - 12,0 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres liegt.

„Natürlich nehmen wir auch wahr, dass Unternehmen zurückhaltender sind bei den Stellenbesetzungen, obwohl sie weiterhin Arbeits- und Fachkräfte benötigen. Auch unklare bundespolitische Weichenstellungen wirken mitunter dämpfend auf die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen. Wir beobachten aktuell auch sehr deutlich, dass sich die Entwicklungen beim Stellenzugang immer weiter differenziert. Einerseits in die Bereiche, die dringend Arbeits- und Fachkräfte benötigen: Der Bestand an gemeldeten Stellen nimmt bsw. im Wirtschaftszweig Gesundheit und Soziales (+3,7 %) oder im Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+4,9 %) zu. Auf der anderen Seite sehen wir die Wirtschaftszweige, die im Vergleich zum Vorjahr weniger Stellen melden, wie beispielsweise das Verarbeitende Gewerbe (-17,3 %) oder auch die Arbeitnehmerüberlassung (-11,6 %).
Die Transformation am bayerischen Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist in vollem Gange und genau das sehen wir hier: Neues entsteht und Bewährtes befindet sich im Übergang. Daher müssen wir gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern dafür sorgen, dass Bayern gestärkt aus dieser herausfordernden Zeit hervorgeht. Wir unterstützen deshalb Unternehmen wie Beschäftigte als Ansprechpartnerin für die Vermittlung, Ausbildung und Qualifizierung“, erläutert Schmitz.

Beschäftigung wächst weiter, aber weniger dynamisch

Nach den aktuellsten hochgerechneten Werten lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Bayern im Dezember 2023 bei 5.951.400.


„Im Dezember 2023 befanden sich in Bayern, im Vergleich zum Vorjahr, 52.200 bzw. 0,9 Prozent mehr Menschen in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aufgenommen. Wir sehen an der steigenden Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, dass der bayerische Arbeitsmarkt aufnahmefähig ist und weiterhin Arbeits- und Fachkräfte braucht“, erklärt Dr. Schmitz abschließend.