Arbeitsmarkt im Dezember

Arbeitslosigkeit in Hessen erreicht höchstes Niveau seit 2020 

07.01.2026 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitslosigkeit in Hessen erreicht höchstes Niveau seit 2020 

  • Arbeitslosigkeit in Hessen steigt zum Ende des Jahres
  • Arbeitslosenquote beträgt 5,8 Prozent
  • Beschäftigung in Hessen weiter gewachsen

Frankfurt – Zum Jahresende ist die Arbeitslosigkeit in Hessen weiter angestiegen. Im Dezember waren rund 204.600 Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einer Steigerung von knapp 2.250 Personen gegenüber November und von gut 10.300 gegenüber dem Vorjahr. Der hessische Arbeitsmarkt schließt damit das Jahr 2025 mit einem Jahresdurchschnitt von knapp 206.000 Arbeitslosen ab. In 2024 waren es durchschnittlich rund 11.000 Arbeitslose weniger und in 2023 sogar 24.600. Parallel ist auch die Zahl der freien Stellen zum Jahresende weiter auf 42.000 gesunken. Gleichzeitig steigt die Beschäftigung weiter leicht an. 

„Die Arbeitslosigkeit in Hessen hat in 2025 den höchsten Stand der letzten fünf Jahre erreicht und liegt sogar über dem Niveau der Corona-Pandemie. Ursächlich sind hierbei nicht nur strukturwandelbedingte Insolvenzen und Entlassungen, sondern zeitgleich eine starke Zurückhaltung bei Neueinstellungen“, fasst Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt zusammen. „Von Aufbruchstimmung ist in Hessens Wirtschaft nicht viel zu erkennen. Im Gegenteil: Die Insolvenzen sind im Vergleich zum Vorjahr um über ein Drittel gestiegen und die freien Stellen sinken stetig.“

Sein Blick auf die weitere Entwicklung fällt wenig positiv aus: „Unsere Frühindikatoren lassen für die kommenden Monate noch keine positive Trendwende erkennen. Im Gegenteil: Wir erleben derzeit eine Kombination aus konjunktureller Krise, Strukturwandel und den Folgen der demografischen Entwicklung. Die angegangenen Reformen in den Bereichen Energiekosten, Entbürokratisierung oder Fachkräftesicherung sowie staatliche Investitionsinitiativen erreichen den hessischen Arbeitsmarkt bislang nicht im erhofften Umfang.“

Arbeitslosigkeit verfestigt sich auf hohem Niveau 

Im Dezember 2025 waren in Hessen 204.639 Menschen arbeitslos gemeldet und damit 2.248 Personen mehr (1,1 Prozent) als im November und 10.302 Personen bzw. 5,3 Prozent mehr als im Dezember 2024. Die Arbeitslosenquote beträgt 5,8 Prozent und lag mit 0,1 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Im Dezember 2024 lag sie bei 5,5 Prozent. 

Auch saisonbereinigt ist die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um 2.000 Personen gestiegen. Die bereinigte Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 5,9 Prozent.

Die Zunahme der Arbeitslosigkeit erstreckt sich über alle Personengruppen. 

Von allen Arbeitslosen in Hessen wurden im Dezember 72.586 bzw. 35,5 Prozent von den Agenturen für Arbeit betreut. Damit ist die Gruppe der Bezieher von Arbeitslosengeld (Rechtskreis SGB III) um 3,1 Prozent gegenüber November gestiegen. In den hessischen Jobcentern waren im Dezember 132.053 Menschen in der Grundsicherung / im Bürgergeld als arbeitslos gemeldet. Ihre Zahl ist damit nahezu konstant geblieben. Ihr Anteil an allen Arbeitslosen entspricht 64,5 Prozent. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit seit Dezember 2024 ist damit fast zu drei Vierteln auf den Rechtskreis SGB III zurückzuführen.

Bestand und Neuzugang bei Arbeitsstellen weiter rückläufig 

Der Stellenbestand der hessischen Arbeitsagenturen fällt gegenüber dem Vorjahr um 10,7 Prozent auf 42.089 offene Stellen. Der Stellenrückgang findet dabei über alle Anforderungsniveaus gleichermaßen statt. Der Stellenzugang im Dezember lag mit 7.768 gemeldeten Stellen (-4,5 Prozent) ebenfalls deutlich unter dem Vorjahreswert. Stellenbestand und Zugang haben damit im Jahresdurchschnitt 2025 den niedrigsten Stand seit 2022 erreicht.

Beschäftigung in Hessen gewachsen

Gemäß den jüngsten verfügbaren Daten aus Oktober stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hessen leicht auf 2.801.100 Personen. Gegenüber dem Vorjahr (+10.100) ist dies ein Anstieg von 0,4 Prozent. Damit liegt Hessen unverändert in der Spitzengruppe der Bundesländer mit dem größten Beschäftigungswachstum und über der Entwicklung des Bundes, die derzeit nur 0 Prozent beträgt.

„In Hessen steht dem Anstieg der Arbeitslosigkeit bislang noch immer eine kontinuierlich steigende Erwerbstätigkeit gegenüber. Hessen ist damit das Flächenbundesland mit dem größten Beschäftigungszuwachs. Ein vertiefter Blick offenbart jedoch sehr unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Branchen. Neben dem Wachstumsbereich Transport und Logistik sind es vornehmlich steuer- oder beitragsfinanzierte Branchen, die diese positive Entwicklung befördern. Auf der anderen Seite verschwinden immer mehr Arbeitsplätze im produzierenden Bereich. So sind seit 2019 im verarbeitenden Gewerbe 41.000 Arbeitsplätze verlorengegangen. Im selben Zeitraum fand in überwiegend steuer- oder beitragsfinanzierten Bereichen wie beispielsweise im Gesundheitswesen oder dem öffentlichen Sektor ein Stellenaufbau von über 72.000 Stellen statt“, ordnet Martin die Beschäftigungsentwicklung ein.

Bei der Betrachtung der Branchenentwicklungen hat die Arbeitnehmerüberlassung eine Indikatorfunktion für die Wirtschaftsentwicklung. Der Anteil der hierin beschäftigten Personen ist im Vergleich zum Vorjahr mit -9,1 Prozent erneut am stärksten eingebrochen. Auch im Verarbeitenden Gewerbe (- 3,2 Prozent), wozu auch die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie (- 3,6 Prozent) und die Herstellung von Vorprodukten (-5,4 Prozent) zählt, fand ein weiterer Abbau an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen statt.

Die größten Zuwächse weisen unverändert die Wirtschaftszweige Verkehr und Logistik (+3,7 Prozent), Heime und Sozialwesen (+ 3,4 Prozent), das Gesundheitswesen (+3,1 Prozent) sowie die Öffentliche Verwaltung (+2,9 Prozent) auf. 

Arbeitsmarkt in den hessischen Regionen: Fulda unverändert mit niedrigster Arbeitslosenquote 

In Hessen lagen 9 der 26 hessischen Kreise bei der Arbeitslosenquote über dem Landeswert von 5,8 Prozent. Fulda weist hessenweit die niedrigste Quote mit 3,7 Prozent aus. Danach folgt der Vogelsbergkreis (4,1 Prozent), Hersfeld-Rothenburg (4,3 Prozent) und Marburg-Biedenkopf (4,4 Prozent). Die höchsten Arbeitslosenquoten weisen die Städte Offenbach (9,4 Prozent), Kassel (8,8 Prozent), Wiesbaden (8,0 Prozent) sowie Frankfurt (6,9 Prozent) auf.