„Der Arbeitsmarkt entwickelte sich im Dezember wie ein Spiegelbild des ganzen zurückliegenden Jahres. Für das neue Jahr 2026 bedeutet das: Wir starten zwar ohne Aufschwung, aber auch ohne neuen Dämpfer“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Der Blick auf die wichtigsten Eckwerte des Arbeitsmarktes bestätigt das. Angefangen bei der Arbeitslosigkeit: Hier hat sich die Entwicklung nach zwei Jahren stabilisiert. Auch der leichte Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember um 1.300 arbeitslos gemeldete Männer und Frauen zeigt das. Denn ein leichter Anstieg im Dezember ist üblich, zudem fiel er deutlich moderater aus als jeweils in den zwei Jahren zuvor. Vor einem Jahr hatten wir zum Beispiel im Dezember ein Plus von 4.800 Arbeitslosen.“
„Diese Stabilisierung reicht aber noch nicht für eine positive Botschaft“, sagte Schüßler weiter. „Wir haben in NRW immer noch zwei Prozent oder fast 15.000 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr. Zudem könnten wir allein aufgrund der erwartbaren saisonalen Entwicklung spätestens im Februar noch einmal die Grenze von 800.000 arbeitslos gemeldeten Menschen überschreiten.“
Eine positive Nachricht bieten jedoch die Beschäftigungszahlen, sagte Schüßler: „Trotz der konjunkturellen Schwäche ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf einen neuen historischen Höchststand geklettert ist. Mit 7.433.500 Beschäftigten gingen im Oktober, dem aktuellen Datenstand, 2.800 Frauen und Männern mehr einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach als ein Jahr zuvor. Dieses geringe Plus führt zu einem neuen Rekordwert. Gleichzeitig sehen wir an der geringen Steigerung, dass wir in NRW möglicherweise auch ein Maximum erreicht haben. Grund dafür ist nicht nur die aktuell schwache Konjunktur und die damit verbundenen Zurückhaltung von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bei Neueinstellungen, sondern zum Beispiel auch, dass die demografische Grenze bei den Erwerbspersonen erreicht sein könnte. In den kommenden fünf Jahren werden rund 900.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen, darunter fast 500.000 Menschen mit einer dualen Fachkraftausbildung. Die entstehenden Lücken werden nicht alle durch nachrückende jüngere Menschen geschlossen werden können.“
Vom Stellenmarkt kommen derzeit wenig positive Signale, sagte Schüßler: „Am Stellenmarkt ist derzeit kaum Besserung in Sicht. Dieses Thema hat uns auch schon das ganze Jahr 2025 begleitet. Zwar wurden im Dezember bei den Agenturen für Arbeit und Jobcentern 3,8 Prozent mehr neue Arbeitsangebote gemeldet als ein Jahr zuvor. Einen echten Lichtblick gibt es deshalb aber trotzdem nicht. Denn zum einen sind diese rund 22.100 neu gemeldeten Stellen immer noch sehr wenige. Zum Beispiel wurden 2019, im Jahr vor der Covid-Pandemie, den Arbeitsagenturen im Dezember über 28.000 neue Jobangebote gemeldet. Zudem blicken wir auf ein Jahr zurück, in dem die Arbeitskräftenachfrage insgesamt noch einmal geringer war als im schwachen Vorjahr.“ 2025 meldeten Unternehmen bei den Agenturen für Arbeit insgesamt 278.854 zu besetzende Arbeitsangebote. Das waren 8.959 Stellen oder 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr.
Trotzdem fehlen in vielen Berufen weiterhin qualifizierte Fachkräfte, sagte Schüßler: „Aktuell betrifft das 45 Berufe, die deutliche Fachkräfteengpässe haben, in weiteren Berufen stehen wir kurz davor. Das gefährdet den geschäftlichen Erfolg der betroffenen Unternehmen sowie mittelfristig auch Arbeitsplätze. Gleichzeitig halten sich viele Unternehmen aber auch mit Neueinstellungen zurück. Das ist besonders für alle Menschen eine große Herausforderung, die arbeitslos sind. Aufgrund der fehlenden Arbeitsangebote bleibt es auch 2026 für sie schwer, den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen. Eine Trendwende ist derzeit leider nicht abzusehen. Wir starten also in das neue Jahr, wie wir das alte beendet haben: Auf der einen Seite mit fehlenden Arbeitsangeboten, auf der anderen mit Engpässen bei qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“
Für Schüßler bildet sich hier die zentrale Herausforderung für die Arbeitsmarktpolitik ab – das sogenannte „qualifikatorische Mismatch“. „Damit ist gemeint, dass es, trotz des Rückgangs der Stellenangebote, immer noch über 125.000 offene Stellen in NRW gibt, die aber häufig nicht ohne Weiteres besetzt werden können, da die größere Zahl der Arbeitslosen nicht über die für diese Arbeitsplätze gewünschte Qualifikation verfügt. Auch wenn es selbst bei den Fachkräften zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit gekommen ist, zeigt sich der Arbeitsmarkt für gut qualifizierte Menschen weiterhin robust. Das sieht anders aus für Menschen, die keinen formalen Berufsabschluss haben“. Während aktuell nur 24.205 offene Helferstellen zur Verfügung stehen, konkurrieren hier 427.746 Frauen und Männern um diese Angebote. „Auf 100 Stellen kommen am Stellenmarkt für Menschen ohne formalen Berufsabschluss derzeit 1.767 Bewerberinnen und Bewerber. Bei den Fachkräften sind es derzeit 278 Arbeitslose auf 100 Stellen.“
Zum anderen verändert sich die Welt der Berufe derzeit rasant, sagte Schüßler. „Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz fordern in vielen Fällen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Weiterbildung und Qualifizierung. Der Wandel ist da. Das gilt insbesondere auch für Fachkräfte. Das ist nicht zuletzt eine Herausforderung für ihre Unternehmen, die in die Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeitenden investieren müssen, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben.“
Vor diesem Hintergrund formulierte Schüßler die Ziele der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter für 2026: „Unsere Aufgabe für 2026 ist klar. Wir wollen zum einen Arbeitsuchende und Betriebe noch besser zusammenbringen und die Chancen am Arbeitsmarkt insbesondere von Menschen ohne Berufsabschluss durch Qualifizierung stärken. Dort, wo Fachkräfte fehlen – etwa in Pflege, Erziehung, Sozialarbeit und technischen Berufen – wollen wir mit Weiterbildung, Umschulung und gezielter Fachkräftegewinnung neue Chancen eröffnen. Zur Fachkräftesicherung gehört aber auch die Weiterbildung und Qualifizierung der Mitarbeitenden in den Unternehmen. Insbesondere in kleinen und mittleren Betrieben gibt es noch Nachholbedarf. Eine wichtige Rolle kann dabei auch die Möglichkeit zur Teilqualifizierung von Mitarbeitenden spielen: Beschäftigte erwerben dabei Schritt für Schritt einzelne berufliche Kompetenzen, die direkt im Arbeitsalltag eingesetzt werden können. Bis hin zu einem vollwertigen Berufsabschluss. Auch hier sehen wir für die Arbeitsagenturen eine Aufgabe: Neben der Beratung können sie auch die Förderung von Qualifizierung beisteuern.“
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
In Nordrhein-Westfalen waren im Dezember 767.017 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 1.307 Personen oder 0,2 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosigkeit um 2,0 Prozent oder 14.700 Personen höher. Die Arbeitslosenquote veränderte sich nicht zum Vormonat und blieb bei 7,6 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote im Dezember bei 7,5 Prozent.
Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Dezember ging dabei vollständig zu Lasten der Männer. Bei ihnen stieg die Zahl der Arbeitslosen um 2.575 Personen oder 0,6 Prozent auf jetzt 423.577 arbeitslos gemeldete Männer. Gleichzeitig sank die Zahl arbeitsloser Frau um 1.268 Personen oder 0,4 Prozent auf 343.440 weibliche Arbeitslose. Darin spiegelt sich die aktuelle Entwicklung in den unterschiedlichen Branchen wider. Sogenannte „typische Männerberufe“, also solche, in denen die Mehrzahl der Beschäftigten männlich sind, verbuchten im Verlauf des vergangenen Jahres zum Teil deutliche Rückgänge bei den beschäftigten Arbeitskräften. Bestes Beispiel ist das verarbeitende Gewerbe. Hier hat die Zahl der Beschäftigten innerhalb eines Jahres um 29.100 Beschäftigte oder 2,2 Prozent abgenommen. Zuwachs gibt es hingegen in Berufen, die häufig von Frauen ergriffen werden, so zum Beispiel im Gesundheitswesen. Die Zahl der Beschäftigten legte hier im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent oder 16.200 Personen zu.
Die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren stieg leicht um 124 Personen oder 0,2 Prozent auf 65.853 Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote bei jungen Menschen blieb auf dem Niveau des Vormonats bei 6,2 Prozent. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit sank dagegen um 468 Personen oder 0,2 Prozent. Die Gruppe der Ausländer ist die einzige, die im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang in der Arbeitslosigkeit verbuchen kann: um 5.119 Personen oder 1,7 Prozent auf jetzt 293.178 Frauen und Männer.
Positiv entwickelte sich die Unterbeschäftigung. Sie sank im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent oder 887 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich ebenfalls ein Minus 13.821 Personen oder 1,5 Prozent. Insgesamt galten 938.533 Personen als unterbeschäftigt. Die Unterbeschäftigung ergibt sich aus der Zahl aller arbeitslosen Menschen plus der Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Auch Kundinnen und Kunden, die kurzfristig arbeitsunfähig sind oder beispielsweise mit einem Gründungszuschuss versuchen, eine Selbständigkeit aufzubauen, gelten nicht als arbeitslos, aber unterbeschäftigt.
Geringe Zahl neu gemeldeter Arbeitsstellen
Im Dezember wurden in NRW 22.138 offene Stellen neu gemeldet. Das waren 1.758 oder 7,4 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Stellenmeldungen um 807 oder 3,8 Prozent zu. Insgesamt waren bei den Arbeitsagenturen 125.539 Stellen gemeldet – 224 oder 0,2 Prozent weniger als im Vormonat und 3,1 Prozent oder 4.063 weniger als im Vorjahr.
Am Stellenmarkt dominiert weiterhin die Nachfrage nach Fachkräften. 74.946 Arbeitsangebote für Fachkräfte mit einer dualen Berufsausbildung waren bei den Agenturen für Arbeit gemeldet. Diesen standen rechnerisch 208.530 arbeitslose Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung gegenüber. Das Verhältnis betrug damit 278 Arbeitslose mit einer Berufsausbildung auf 100 offene Fachkraftstellen. Ungünstiger war die Arbeitsmarktsituation für die 427.746 Bewerberinnen und Bewerber, die über keine formale berufliche Qualifikation verfügten. Hier lagen nur 24.205 offene Stellen vor. Im Bereich einfacher Helfertätigkeiten bewarben sich damit 1.767 Menschen auf 100 offene Stellen.
Im Oktober, dem aktuellen Datenstand in der Beschäftigungsstatistik, arbeiteten in NRW 7.433.500 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig. Damit waren 2.800 Personen mehr als im Vorjahr sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das bedeutet einen neuen historischen Höchststand. Zum Vergleich: Die aktuelle Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem sozialversicherungspflichtigen Job liegt in NRW um rund eine Millionen Beschäftigte höher als vor zehn Jahren.
Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen im Dezember 2025
Die sechs Arbeitsmarktregionen boten im Dezember ein uneinheitliches Bild. Im Ruhrgebiet und im Rheinland sank die Arbeitslosigkeit um jeweils 0,1 Prozent, das entsprach im Ruhrgebiet einem Minus von 188 Personen, im Rheinland von 221 arbeitslos gemeldete Menschen. In den vier weiteren Regionen legte die Arbeitslosigkeit zu. Am stärksten betroffen war Südwestfalen mit einem Plus von 1,3 Prozent oder 609 Personen und jetzt 49.070 Arbeitslosen. Den geringsten Anstieg gab es in Ostwestfalen, wo 214 Menschen sich zusätzlich arbeitslos melden mussten. Das entsprach einem Zuwachs von 0,3 Prozent auf jetzt 72.514 arbeitslose Frauen und Männern.
Die niedrigste Arbeitslosenquote hat weiterhin das Münsterland mit 4,8 Prozent – ohne Veränderung zum Vormonat und 0,2 Punkte unter dem Vorjahresmonat. Im Ruhrgebiet lag die Quote bei 10,3 Prozent. Hier gab es ebenfalls keine Veränderung zum Vormonat. Jedoch stieg die Quote im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Punkte.
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