Kurzfristig noch viele Ausbildungsplätze zu besetzen

Die aktuelle Wirtschaftskrise geht auch am Ausbildungsmarkt in Nordrhein-Westfalen nicht spurlos vorbei. 2026 wurden insgesamt 6,4 Prozent weniger betriebliche Ausbildungsstellen als im Vorjahr bei den Agenturen für Arbeit gemeldet. Doch kurz vor dem Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. September sollte der Fokus auf den Chancen und Möglichkeiten für Unternehmen sowie Bewerberinnen und Bewerber liegen, die sich nach wie vor in NRW bieten. 
Das sagten heute in einer Pressekonferenz Vertreter von Industrie und Handelskammer NRW, des Westdeutschen Handwerkskammertages, der Freien Berufe NRW sowie der Bundesagentur für Arbeit. Aktuell sind immer noch 23.359 Ausbildungsstellen kurzfristig zu besetzen, viele davon in Berufen, die vom Fachkräfteengpass gekennzeichnet sind und eine gute Zukunftsperspektive bieten.

28.08.2026 | Presseinfo Nr. 20

In NRW meldeten Unternehmen und Betriebe bis Ende August insgesamt 92.947 betriebliche Ausbildungsstellen bei den Agenturen für Arbeit, 6.319 weniger als vor einem Jahr. Im gleichen Zeitraum meldeten 105.686 Jugendliche Interesse an einer Ausbildung, 381 junge Menschen oder 0,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Als unversorgt galten zum Start des Ausbildungsjahres noch 25.844 Bewerberinnen und Bewerber, dazu kamen noch 12.418 junge Menschen, die zwar bereits eine Alternative haben, jedoch lieber in eine duale Berufsausbildung starten würden.

Um noch möglichst viele Ausbildungsplätze erfolgreich zu besetzen, unterstützen die Ausbildungsmarktpartner Unternehmen und Jugendliche mit gezielten Angeboten. Dazu gehören zum Beispiel Langzeitpraktika wie die Einstiegsqualifizierung, die es Unternehmen ermöglicht, Talente über einen längeren Zeitraum persönlich kennenzulernen, an die Ausbildung heranzuführen und nahtlos mit zum Teil verkürzter Ausbildungsdauer zu übernehmen. Jugendliche können berufliche Alternativen kennenlernen sowie persönliche und fachliche Kompetenzen entwickeln.

Obwohl in diesem Jahr fast ein ganzer gymnasialer Jahrgang ausgefallen ist, blieb die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber stabil. Die duale Ausbildung hat für junge Menschen spürbar an Attraktivität gewonnen. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft der NRW-Wirtschaft. Hier steht der qualifizierte Nachwuchs auf der Liste der Herausforderungen ganz oben. Der Arbeitsmarkt für junge Fachkräfte ist praktisch leergefegt, angesichts des demografischen Wandels sowie der technologischen Transformation in den Berufen kommt der Berufsausbildung eine Schlüsselrolle zu. Die Wirtschaft ist auf die jungen Menschen angewiesen.

Dirk Strangfeld, Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit:
„Wir wissen, die Wirtschaft befindet sich in der Transformation, Lernen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Mit einer Ausbildung legen Unternehmen und junge Menschen eine solide Basis, um zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Demographie als ein wesentliches Thema ist bereits unternehmerische Realität wie der Fachkräftebedarf. Es ist daher höchste Zeit, in die eigene und betriebliche Zukunft zu investieren.

Unternehmen und junge Menschen brauchen dafür nicht zu warten: Es stehen sofort attraktive Ausbildungsstellen und motivierte Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung! Die Agenturen für Arbeit unterstützen dabei. Mit Blick auf die Bewerberinnen und Bewerber: Gemeinsam blicken wir in der Berufsberatung auf Interessen, Talente und Stärken und finden oft mehrere passende Ausbildungsberufe mit ähnlichen Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten. Wer neben seinem Wunschberuf auch verwandte Berufe im gleichen Berufsfeld in den Blick nimmt, kann seine Chancen auf einen Ausbildungsplatz deutlich erhöhen. Das lohnt sich: Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der beste Start in ein erfolgreiches Berufsleben und der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.

Dass viele junge Menschen diese Chance erkennen, zeigt sich auch am weiterhin steigenden Interesse an einer dualen Ausbildung. Das ist auch ein Erfolg unserer gemeinsamen Aktionen am Ausbildungsmarkt: Gemeinsam kann man etwas bewegen!“

Ralf Stoffels, Präsident der Industrie- und Handelskammern NRW
„Ausbildung ist ein wichtiger Schlüssel, um Fachkräfte zu sichern und Wertschöpfung in Nordrhein-Westfalen zu halten. Trotz hoher Kosten und schwieriger Rahmenbedingungen engagieren sich die Betriebe weiter und bieten zahlreiche Ausbildungsplätze an.

Wer noch auf der Suche ist oder sich bisher nicht entschieden hat, sollte deshalb jetzt die Chance nutzen und sich frühzeitig bewerben. Auch Schülerinnen und Schüler, die 2027 ihren Schulabschluss machen, sollten sich schon heute mit ihrer beruflichen Zukunft beschäftigen, verschiedene Berufe kennenlernen, durch Praktika erste praktische Erfahrungen sammeln und frühzeitig Kontakte zu Unternehmen knüpfen.

Wer sich rechtzeitig orientiert und Einblicke in die Arbeitswelt gewinnt, schafft eine gute Grundlage für die eigene berufliche Zukunft.“

Bernd Zimmer, Vorsitzender Freie Berufe NRW
„Gerade in Zeiten von wirtschaftlicher Unsicherheit und einem rasanten Fortschritt der KI stehen die Freien Berufe als solider Partner an der Seite der jungen Menschen und bieten krisenfeste Ausbildungsplätze an.

Zugleich ist die nächste Generation das Fundament für den Erfolg unserer Apotheken, Büros, Kanzleien und Praxen. Dabei sind die Anforderungen an die Auszubildenden so vielfältig wie die Berufe selbst: Sie reichen vom tiefen Zahlenverständnis im Steuerwesen über medizinisches Interesse im Gesundheitswesen bis hin zu echtem Organisationstalent im Praxis- und Kanzleialltag. Was all diese Berufe eint, ist die unmittelbare Nähe zum Menschen, die für ein starkes Miteinander steht und gerade in Krisenzeiten den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Dank der flächendeckenden Präsenz der Freien Berufe sind die Anfahrtswege kurz, wirtschaftlich sinnvoll und ökologisch nachhaltig. Somit ist die duale Ausbildung ein idealer Einstieg und exzellentes Sprungbrett, das jungen Menschen vielfältige und attraktive Karrierewege ermöglicht.“

Andreas Oehme, Geschäftsführer Westdeutscher Handwerks-kammertag e.V.
„Wer Zukunftssicherheit sucht, ist im Handwerk richtig. Handwerksbetriebe suchen Talente mit jedem Schulabschluss, vom ersten Schulabschluss bis zum Abitur. Sie bieten beste Bildungs- und Karrierechancen bis hin zur Selbstständigkeit.

Zudem stehen sie für Tätigkeiten, die auf absehbare Zeit nicht durch Künstliche Intelligenz ersetzt werden. Dazu kommt etwas, das viele junge Menschen suchen: sinnstiftende Arbeit, Abwechslung und das gute Gefühl, am Ende des Tages zu sehen, was man geschaffen hat. Noch suchen viele Ausbildungsbetriebe Auszubildende, mit denen sie bereits in diesem Jahr einen Ausbildungsvertrag abschließen können. Deshalb lohnt es, sich persönlich in einem Betrieb vorzustellen.“

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