„Der Januar ist der Monat, in dem die Arbeitslosigkeit aus saisonalen Gründen immer am stärksten steigt. Doch trotz der Flaute in der Wirtschaft hat sich der Arbeitsmarkt zum Jahresbeginn robust gezeigt“, sagte Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Im Januar melden sich viele Menschen arbeitslos, deren Verträge befristet waren und Ende Dezember ausgelaufen sind, dazu kommen witterungsbedingte Einschränkungen in den Außenberufen sowie das Ende der zweieinhalb- und dreieinhalbjährigen Ausbildungen. Die gute Nachricht ist, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit um fast 31.000 Menschen, die sich arbeitslos gemeldet haben, leicht unter dem für den Januar langjährigen Durchschnitt von rund 32.000 Personen lag. Dementsprechend ist die Arbeitslosigkeit auch saisonbereinigt gesunken.“
Die Entwicklung am NRW-Arbeitsmarkt weist im Januar „Licht und Schatten“ auf, sagte Schüßler weiter. „Positiv ist, dass im Vergleich zum Vorjahr im Januar rund 3.000 Männer und Frauen oder fast zehn Prozent mehr eine neue Beschäftigung aufnehmen konnten. Auf der Schattenseite sehen wir dagegen, dass auch die Zahl der Menschen, die sich arbeitslos melden mussten, um fast drei Prozent oder rund 1.600 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer höher als vor einem Jahr liegt.“ Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen nur in der Arbeitslosenversicherung, und zwar deutlich um 19.195 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern oder 7,8 Prozent. „Die aktuell angespannte Lage in der Wirtschaft wirkt sich weiter auf den NRW-Arbeitsmarkt aus. Betroffen sind auch langjährige Mitarbeitende in den Unternehmen mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld. In der Grundsicherung ging im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Arbeitslosen hingegen zurück – um rund 9.000 Frauen und Männer oder 1,7 Prozent.“
Laut einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) könnte es in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu einer möglichen Entspannung am NRW-Arbeitsmarkt kommen. „Die Arbeitslosigkeit könnte demnach im Herbst zum ersten Mal seit drei Jahren wieder leicht sinken, um 1,3 Prozent. Doch aktuell steigt sie noch, im Januar waren noch rund 10.000 Menschen oder 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr arbeitslos. Bis sich eine gegenläufige Entwicklung einstellen kann, ist es noch ein weiter Weg. Schon im Februar könnte durchaus wieder die Grenze von 800.000 Arbeitslosen überschritten werden. Dazu kann schon eine durchschnittliche saisonale Entwicklung am NRW-Arbeitsmarkt führen.“
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung
Im Januar waren in Nordrhein-Westfalen 798.016 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 8,0 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote bei 7,9 Prozent.
Die Zahl arbeitsloser junger Menschen unter 25 Jahren stieg um 2.099 Personen oder 3,2 Prozent auf 67.952 junge Männer und Frauen. Das waren 1.006 Personen oder 1,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Mit 4,5 Prozent leicht überdurchschnittlich stieg die Arbeitslosigkeit der Männer. 442.464 Männer waren arbeitslos gemeldet, 18.887 Personen mehr als vor einem Monat und 6.649 Männer mehr als vor einem Jahr. Bei den Frauen stieg im Januar die Arbeitslosigkeit um 3,5 Prozent oder 12.112 Personen auf 355.552 Arbeitslose. Das entsprach einem Plus zum Vorjahr von 3.514 Personen oder 1,0 Prozent. Auch die Zahl älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer legte zu. Im Januar waren 10.781 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 50 Jahren mehr arbeitslos gemeldet als im Vormonat, im Vergleich zum Vorjahr stieg ihre Zahl um 8.459 Personen oder 3,2 Prozent auf nun 276.259 Männer und Frauen. Demgegenüber sank im Vergleich zum Vorjahr die Zahl arbeitsloser Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit um 2,3 Prozent oder 7.191 Personen. Hier waren im Januar 304.156 Personen arbeitslos gemeldet – 10.978 Männer und Frauen mehr als im Monat zuvor.
Die Unterbeschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent oder 16.157 Personen auf 960.272 unterbeschäftigte Menschen. Im Vergleich zum Vormonat stieg ihre Zahl um 20.284 Personen oder 2,2 Prozent. Die Unterbeschäftigung fasst die Gesamtzahl aller Menschen zusammen, die arbeitslos sind plus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die nicht als arbeitslos gelten. Auch Kundinnen und Kunden, die kurzfristig arbeitsunfähig sind oder beispielsweise mit einem Gründungszuschuss versuchen, eine Selbständigkeit zu etablieren, gelten nicht als arbeitslos.
Weniger offene Stellen als vor einem Jahr
Im Januar waren in NRW 127.146 offene Stellen gemeldet. Das waren zwar 1.607 mehr als im Vormonat. Vor einem Jahr waren jedoch 714 oder 0,6 Prozent mehr bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern zur Vermittlung gemeldet.
Weiterhin dominiert am Stellenmarkt die Nachfrage nach Fachkräften. Insgesamt waren für Menschen mit einer dualen Berufsausbildung im Januar 73.281 Stellen bei den Agenturen für Arbeit ausgeschrieben. Mit 23.053 offenen Stellen suchten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber deutlich weniger neue Mitarbeitende ohne abgeschlossene berufliche Qualifikation. Zwar ist auch für Fachkräfte die Arbeitsmarktlage schwieriger geworden. Dennoch sind sie seltener arbeitslos als Menschen ohne Qualifikation und haben auch bessere Chancen, zurück in Arbeit zu kommen. So waren in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 218.969 Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung gemeldet – 7.414 Personen oder 3,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig waren 440.369 Frauen und Männer ohne formale Qualifikation arbeitslos. Das waren 2.623 Personen oder 0,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Auf 100 offene Fachkraftstellen kamen damit im Januar 299 Arbeitslose mit einer Berufsausbildung. Im Bereich einfacher Helfertätigkeiten war die Konkurrenz deutlich höher: Hier bewarben sich rund 1.910 Menschen auf 100 offene Stellen.
Einen neuen Rekordwert gab es bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. 7.433.600 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gingen in NRW einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach – so viel wie noch nie in einem November (aktueller Datenstand in der Beschäftigungsstatistik). Allerdings steigt die Zahl der Beschäftigten nicht mehr annähernd so deutlich wie in den Jahren bis 2024. Im Vergleich zum Vorjahr stieg sie beispielsweise nur noch geringfügig um 3.100 Personen.
Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen
In allen sechs NRW-Arbeitsmarktregionen stieg im Januar die Arbeitslosigkeit: Während im Ruhrgebiet die Arbeitslosigkeit um 3,7 Prozent (plus 9.655 Personen) und damit unter dem NRW-Durchschnitt von 4,0 Prozent zulegte, stieg die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen in Ostwestfalen-Lippe um 4,7 Prozent oder 3.381 Personen. Im Münsterland stieg die Zahl der Arbeitslosen um 4,4 Prozent oder 2.085 arbeitslos gemeldete Menschen. Mit 4,1 Prozent lagen auch das Rheinland (plus 10.817 Personen) und das Bergische Land (plus 3.079 Personen) knapp über dem Landesdurchschnitt, in Südwestfalen nahm die Arbeitslosigkeit um 4,0 Prozent oder 1.982 Personen zu.
Mit 5,0 Prozent lag die Arbeitslosenquote im Januar im Münsterland am niedrigsten. Im Bergischen Land lag sie mit 7,9 Prozent annähernd auf dem NRW-Durchschnitt von 8,0 Prozent, im Ruhrgebiet lag sie mit aktuell 10,6 Prozent darüber.
Der Blick auf die NRW-Kommunen ergibt im Vorjahresvergleich ein uneinheitliches Bild: In Höxter sank im Januar die Arbeitslosigkeit um 10,3 Prozent, in Kleve und Heinsberg jeweils um 5,2 Prozent, in Coesfeld um 4,6 und in Borken um 3,6 Prozent. In Wuppertal stieg im gleichen Zeitraum die Arbeitslosigkeit um 12,5 Prozent, im Kreis Lippe um 9,4 Prozent, im Rhein-Kreis Neuss um 7,6 und in Bonn um 4,8 Prozent.
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