NRW-Arbeitsmarkt: Arbeitslosigkeit steigt im April leicht

Im April ist in Nordrhein-Westfalen die Arbeitslosigkeit leicht gestiegen. Zum Monatsende waren 793.110 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 3.270 Personen oder 0,4 Prozent mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit ebenfalls, 11.320 Menschen oder 1,4 Prozent waren mehr arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag wie bereits im Vormonat bei 7,9 Prozent, im Vergleich zum Vorjahr jedoch um 0,1 Prozentpunkte höher.

30.04.2026 | Presseinfo Nr. 9

„Üblicherweise sinkt die Arbeitslosigkeit im April. In den vergangenen vier Jahren war das jedoch drei Mal nicht der Fall. Grund ist die anhaltend krisenhafte Lage in der Weltwirtschaft, die sich sichtbar auch am Arbeitsmarkt in NRW auswirkt“, sagte Dirk Strangfeld, Geschäftsführer der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. „Damit hat die positive Entwicklung der vergangenen Monate einen Dämpfer bekommen. Das sehen wir mit Sorge. Die Unsicherheit in der Wirtschaft ist hoch, es fällt Unternehmen schon länger schwer, die zukünftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen. Das hat sich jetzt wieder verschärft, nicht zuletzt durch den Krieg im Iran und seine unmittelbaren Auswirkungen, etwa die allgemeine Preisentwicklung oder den neuerlichen Anstieg von Produktionskosten. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt lassen sich bereits jetzt beobachten. Gerade bei Personalentscheidungen zögern Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber erneut stärker. Das wird uns am Arbeitsmarkt in NRW wieder etwas zurückwerfen.“

Deutlich zeigt sich dieser Einfluss auf den NRW-Arbeitsmarkt durch einen Anstieg bei den Meldungen von Arbeitslosigkeit, sagte Strangfeld. „Im April gab es rund 2.500 Arbeitslosmeldungen mehr als vor einem Jahr und gut 5.000 mehr, als es in einem konjunkturell starken Jahr im April üblich gewesen wäre. Insgesamt meldeten sich fast 50.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeitslos, weil sie ihren Job verloren haben. Zwar liegt gleichzeitig die Zahl derer, die einen neuen Job beginnen konnten, nur leicht unter dem, was wir erwarten konnten, doch das Plus bei den neuen Arbeitslosmeldungen spricht eine deutliche Sprache.“

Von Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind Menschen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung. „Hier spielen zwei Faktoren eine Rolle“, sagte Strangfeld. „Beinahe 60 Prozent aller arbeitslosen Frauen und Männern fehlt eine Qualifikation, wodurch sie am Arbeitsmarkt weniger Chancen haben als Mitbewerberinnen und Mitbewerber. Für fast 440.000 arbeitslose Helferinnen und Helfer hält der Markt lediglich rund 23.000 offene Stellen bereit. Demgegenüber sind bei den Arbeitsagenturen für rund 220.000 arbeitslose Fachkräfte mit einer dualen Berufsausbildung annähernd 100.000 Stellen gemeldet.“

Dieses Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage ist nicht neu, sagte Strangfeld: „Das Fehlen von Fachkräften wird schon seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit offen thematisiert. Umso mehr kommen die aktuellen Krisen zur Unzeit. Denn einer der wichtigsten Wege, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu den gesuchten Fachkräften auszubilden, ist die Qualifizierung am Arbeitsplatz. Deshalb freuen wir uns auch sehr, dass die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die eine Weiterbildung absolvieren, in diesem Jahr weiter steigt – aktuell liegt sie in NRW mit aktuell fast 60.000 Frauen und Männern, die eine geförderte Qualifizierung absolvieren, noch einmal rund fünf Prozent über dem Vorjahr.“

Von Zurückhaltung ist derzeit auch der Ausbildungsmarkt geprägt, sagte Strangfeld weiter: „Obwohl wir wissen, dass wir jede einzelne Nachwuchskraft bereits in drei Jahren benötigen, liegt die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze auf einem historisch niedrigen Stand. Dabei zeigt sich gleichzeitig am Arbeitsmarkt deutlich, wie sehr junge Menschen mit Qualifikation gesucht werden. So sank im April gegen den Trend die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen unter 25 Jahren um 1,5 Prozent. Und von etwas über 790.000 arbeitslosen Menschen sind rund 13.000 oder rund 1,7 Prozent jünger als 25 Jahre und haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das zeigt uns deutlich, wie begehrt diese jungen Menschen am Arbeitsmarkt sind. Für uns ist damit auch die Hoffnung verbunden, dass die Unternehmen zwischen Rhein und Weser bei den Ausbildungsplatzangeboten in diesem Jahr noch einmal nachlegen werden. Unser Arbeitgeber-Service geht aus diesem Grund noch einmal verstärkt auf die Unternehmen zu und wirbt Ausbildungsstellen ein.“

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung

Im April waren in Nordrhein-Westfalen 793.110 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote blieb mit 7,9 Prozent auf dem Stand des Vormonats. Vor einem Jahr lag die Quote bei 7,8 Prozent.

Während die Arbeitslosigkeit insgesamt um 0,4 Prozent oder 3.270 Personen zulegte, sank die Zahl arbeitsloser junger Menschen unter 25 Jahren um 1,5 Prozent bzw. um 1.036 Personen. Die Jugendarbeitslosigkeit lag damit im April bei 68.394 jungen Männern und Frauen. Das waren 2.504 Personen oder 3,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Während die Zahl arbeitsloser Männer nur geringfügig um 0,1 Prozent oder 447 Personen zunahm, stieg die Zahl arbeitslos gemeldeter Frauen stärker als der Durchschnitt um 0,8 Prozent oder 2.823 Personen. 441.043 Männer waren arbeitslos gemeldet, bei den Frauen waren es im April 352.067 Arbeitslose. Die Zahl der Arbeitslosen älter als 55 Jahre stieg ebenfalls, um 1,6 Prozent oder 3.067 Personen auf nun 200.469 arbeitslos gemeldete ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über 55 Jahren. Die einzige Personengruppe, bei der die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr sank, waren arbeitslose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne deutsche Staatsangehörigkeit. So sank die Zahl der ausländischen Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat um 811 Personen oder 0,3 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat waren mit nun 299.109 arbeitslosen Frauen und Männern 2,9 Prozent oder 8.910 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit weniger arbeitslos gemeldet.

Die Unterbeschäftigung sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent oder 7.484 Personen auf 958.995 unterbeschäftigte Menschen. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl ebenfalls – um 2.498 Personen oder 0,3 Prozent. Die Unterbeschäftigung fasst die Gesamtzahl aller Menschen zusammen, die entweder arbeitslos sind sowie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, die nicht als arbeitslos gelten. Auch Kundinnen und Kunden der Arbeitsagenturen und Jobcenter, die kurzfristig arbeitsunfähig sind oder beispielsweise mit einem Gründungszuschuss versuchen, eine Selbständigkeit zu etablieren, gelten nicht als arbeitslos.

Zahl der neu gemeldeten offenen Stellen weiter gering

Im April waren in NRW 157.439 offene Stellen gemeldet. Das waren zwar 1.009 oder 0,6 Prozent mehr als im Vormonat. Doch lag die Zahl der neu gemeldeten Stellen mit 22.732 um 14,0 Prozent oder 3.961 deutlich unter dem Vorjahresmonat und auch um 2.291 oder 9,2 Prozent unter dem Vormonat.

Eine Konstante am Stellenmarkt bleibt die Nachfrage nach Fachkräften. Während für Menschen ohne eine aktuelle berufliche Qualifikation 23.062 offen Stellen angeboten wurden, gab es für Fachkräfte mit dualer Ausbildung im April 99.388 offene Jobangebot.

Zwar ist auch für Fachkräfte die Arbeitsmarktlage schwieriger geworden. Dennoch sind sie seltener arbeitslos als Menschen ohne Qualifikation und haben auch bessere Chancen, zurück in Arbeit zu kommen. So waren in den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 218.061 Fachkräfte mit dualer Berufsausbildung gemeldet. Doch gleichzeitig waren 437.348 Frauen und Männer ohne formale Qualifikation arbeitslos. Auf 100 offene Fachkraftstellen kamen damit im April 219 Arbeitslose mit einer Berufsausbildung. Im Bereich einfacher Helfertätigkeiten war die Konkurrenz deutlich höher: Hier bewarben sich rund 1.896 Menschen auf 100 offene Stellen.

In der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gab es im Februar, dem aktuellen Datenstand, einen geringfügigen Rückgang um 3.100 Personen auf nun 7.348.600 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Das waren 7.300 oder 0,1 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Der Arbeitsmarkt in den NRW-Regionen

In fünf von sechs NRW-Arbeitsmarktregionen stieg im April die Arbeitslosigkeit: In Südwestfalen sank die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen um 0,2 Prozent oder 113 Personen auf nun 50.638 Arbeitslose. Um 0,7 Prozent stieg hingegen die Arbeitslosigkeit in Ostwestfalen Lippe und im Ruhrgebiet. Im Ruhrgebiet waren 1.768 Personen mehr arbeitslos gemeldet als im Vormonat, insgesamt 266.919 Frauen und Männern. In Ostwestfalen-Lippe stieg die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen 540 Personen auf 75.728 Arbeitslose. Genau im Landesdurchschnitt mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent bei den Arbeitslosen lag das Bergische Land im April. Hier waren 78.040 Menschen arbeitslos gemeldet, 343 Personen mehr als einen Monat zuvor. Das Münsterland meldete ein Plus von 0,3 Prozent oder 124 arbeitslos gemeldeten Menschen. Damit galten hier 48.061 Menschen als arbeitslos. Im Rheinland stieg die Arbeitslosigkeit um 608 Personen oder 0,2 Prozent auf 273.724 Arbeitslose.

Mit 4,9 Prozent lag die Arbeitslosenquote im April im Münsterland am niedrigsten. Im Bergischen Land lag sie mit 7,8 Prozent 0,1 Punkte unter dem NRW-Durchschnitt von 7,9 Prozent, im Ruhrgebiet lag sie mit aktuell 10,6 Prozent am höchsten.

Weitere Informationen:

Weitere Zahlen, Daten und Fakten zum NRW-Arbeitsmarkt lesen Sie hier