Da auch in anderen EU-Ländern ein erheblicher demografischer Wandel und ein Mangel an gut qualifizierten Arbeitskräften zu verzeichnen ist, lässt sich der Fachkräftebedarf in Thüringen nicht mehr allein durch europäische Binnenmigration kompensieren. Die fortlaufende Anwerbung von Arbeitnehmenden aus Drittstaaten gewinnt deshalb an Bedeutung. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass auch die Pflegebranche im Freistaat ohne die Unterstützung ausländischer Beschäftigter vor personellen Engpässen stünde.
Anzahl von Beschäftigten aus Drittstaaten steigt weiter an
Insgesamt waren im November letzten Jahres 82.398 Ausländer in Thüringen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Darunter stammt über die Hälfte aus Drittstaaten. Zwischen 2020 und 2025 hat sich der Anteil der Beschäftigten, die aus Ländern außerhalb der EU stammen, deutlich erhöht. Während im Jahr 2020 noch 21.164 Personen aus diesem Kreis sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, stieg diese Zahl bis zum Jahr 2025 auf 46.422 an. Dies entspricht einer Steigerung von 119 Prozent und unterstreicht die hohe Bedeutung für den Arbeitsmarkt in der Region.
Jeder vierte ausländische Beschäftigte in Pflegeberufen stammt aus einem Drittstaat
Die gesteuerte Zuwanderung aus dem Ausland gilt als unabdingbar, um das bestehende Versorgungsniveau in Thüringen langfristig aufrechtzuerhalten. Im Dezember 2025 waren insgesamt 4.332 Ausländer allein in Pflegeberufen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon stammen 1.241 aus Drittstaaten, was einem Anteil von rund 29 Prozent entspricht. Der Großteil der Beschäftigten hat seinen Ursprung dabei in Vietnam (337), auf den Philippinen (164) und in Indien (152). Im Vergleich zu 2020 ist ihre Anzahl um 870 gestiegen. Diese Entwicklung zeigt, dass das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, welches 2020 in Kraft getreten ist, einen positiven Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs im Gesundheitssektor in Thüringen leistet.
„Triple Win“ unterstützt die Rekrutierung von Pflegepersonal
Das von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) getragene Programm „Triple Win“ rekrutiert seit 2013 erfolgreich Pflegekräfte aus Drittstaaten wie Tunesien, Indonesien, den Philippinen sowie Teilen Indiens. Da die Herkunftsländer einen Überschuss an Pflegepersonal aufweisen, wird dort kein Mangel verursacht. Durch diesen ganzheitlichen Service wird eine faire, strukturierte und für beide Seiten rechtssichere Arbeitsmigration in der Pflege garantiert. Seit dem Start des Programms wurden bundesweit über 8.600 Pflegekräfte und Auszubildende erfolgreich in rund 400 Einrichtungen vermittelt.
Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der BA-Regionaldirektion Sachsen-Anhalt – Thüringen schätzt ein:
Zitat:„Die Gewinnung von Fachkräften aus Drittstaaten ist ein entscheidender Hebel gegen den zunehmenden Fachkräftemangel. Damit Thüringen als Arbeitsort weiterhin attraktiv bleibt, braucht es eine gelebte Willkommenskultur in den Betrieben. Nur wenn Zuwanderung und langfristige Bindung Hand in Hand gehen, stabilisieren wir den Arbeitsmarkt dauerhaft. Gerade im Bereich der Pflege ist die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland ein zentraler Baustein, um die Versorgung langfristig zu sichern. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat uns im Jahr 2020 die rechtlichen Werkzeuge in die Hand gegeben, um den Zuzug von Pflegekräften aus Drittstaaten zu erleichtern. Nun müssen alle Akteure in Thüringen an einem Strang ziehen, um die Verfahren in der Praxis so schlank wie möglich zu gestalten, damit die dringend benötigten Fachkräfte zeitnah das Personal in den Einrichtungen unterstützen können.“
Weiterführende Links:
Informationen Programm „Triple Win“: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/personal-aus-dem-ausland/gesundheit-pflege/triple-win