Konjunktur bremst Arbeitsmarkt aus

Landesweiter Anstieg fällt im Vest moderat aus: 78 Arbeitslose mehr als im März | Anstieg vollzieht sich ausschließlich im Bereich des SGB II | Quote verfestigt sich bei 8,3 Prozent 
 

30.04.2024 | Presseinfo Nr. 37

  • Landesweiter Anstieg fällt im Vest moderat aus: 78 Arbeitslose mehr als im März
  • Anstieg vollzieht sich ausschließlich im Bereich des SGB II
  • Quote verfestigt sich bei 8,3 Prozent 

Saisontypische Entwicklung von Konjunktur außer Kraft gesetzt

Im April zählte der Agenturbezirk Recklinghausen 27.255 arbeitslose Menschen und damit 78 mehr als im Vormonat (+0,3 Prozent). Gleichzeitig waren dies 649 mehr als im April vor einem Jahr (+2,4 Prozent). Die Arbeitslosenquote verblieb erneut bei 8,3 Prozent und lag damit um 0,1 Punkte über dem Vorjahresniveau.
„Nachdem im April nun im dritten Monat in Folge die Arbeitslosigkeit im Kreis Recklinghausen leicht angestiegen ist, müssen wir unsere Erwartungen an eine Frühjahrsbelebung zurückschrauben“, erläutert Agenturchef Frank Benölken. Die gesamtwirtschaftliche Lage, die in sehr verhaltenen Konjunkturprognosen mündete, sei auch im Vest spürbar: „Wir liegen hier durchaus im Trend, haben aber weniger als andere Städte in NRW im Vergleich zum Vorjahr an Arbeitslosigkeit aufgebaut. Die saisontypische Dynamik ordnet sich in diesem Jahr der konjunkturellen Logik unter und  die Entwicklung wird entscheidend davon abhängen, wie robust sich der Arbeitsmarkt gegenüber steigenden Preisen, geopolitischen Krisen und anhaltenden Fluchtbewegungen behaupten kann.“ 
Als positiv bewertet Frank Benölken das große Jobangebot: „Mit über 4.450 offenen Stellen bestehen im Vest zahlreiche Chancen für Menschen auf eine neue Beschäftigung. Dies sah vor einem Jahr noch deutlich anders aus, damals gab es über 600 Stellen weniger.“ 

Unterbeschäftigung geht zurück

Personen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen oder sich in einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit befinden, zählen in der Regel als unterbeschäftigt. Im aktuellen Berichtsmonat wurden insgesamt 33.977 Unterbeschäftigte im Kreis gezählt – das sind 96 Personen (-0,3 Prozent) weniger als im Monat zuvor. Im April 2023 waren es 40 Personen (+0,1 Prozent) mehr. Die Unterbeschäftigungsquote stagnierte auf dem Vormonatsniveau von 10,2 Prozent. Vor einem Jahr betrug sie 10,3 Prozent. Kurzarbeiter sind nicht in der Unterbeschäftigung enthalten.

Integration von Ukrainerinnen und Ukrainern im Vest   

Im April 2024 lebten 2.540 arbeitsuchende Menschen aus der Ukraine im Kreis Recklinghausen, was einem Anstieg von 320 Personen gegenüber demselben Monat des Vorjahres entsprach. An sie richten sich verstärkte Integrationsbemühungen des Jobcenters Kreis Recklinghausen sowie der Agentur für Arbeit Recklinghausen, sowohl um individuelle Integrationswege zu ermöglichen, bei denen die betreffenden Personen auf eigenen Beinen stehen und ihre Fähigkeiten zukunftsorientiert einbringen können, als auch um die Lücke dringend benötigter Arbeits- und Fachkräfte für die Region zu schließen, die der demographische Wandel mit sich bringt. Gegenüber Arbeitgebern werben Arbeitsagentur und Jobcenter dafür, Menschen aus der Ukraine schon dann eine Beschäftigungsperspektive zu bieten, wenn die vorhandenen Deutschkenntnisse noch ausbaufähig sind. 
So wurden im Verlauf der letzten beiden Wochen Kennenlerngespräche zwischen Ukrainerinnen und Ukrainern und regionalen Arbeitgebern organisiert, um beide Seiten miteinander ins Gespräch zu bringen und Anknüpfungspunkte für eine zukünftige Zusammenarbeit herauszustellen. 

Arbeitslosigkeit im SGB III rückläufig, Anstieg im SGB II 

Die Agentur für Arbeit Recklinghausen betreute zum Stichtag 6.693 Arbeitslose nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III). Das waren 27 oder 0,4 Prozent 
Menschen weniger als im März, jedoch 59 (+0,9 Prozent) mehr als im April 2023. In den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Recklinghausen (SGB II) fielen im vergangenen Monat 20.562 arbeitslose Menschen und damit 105 mehr als im März (+0,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 590 Menschen (+3,0 Prozent) mehr.
Mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit insgesamt, auch aus Beschäftigung
4.819 Menschen haben sich erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet, 120 (+2,6 Prozent) mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr waren es neun (-0,2 Prozent) weniger. Der Anteil an Zugängen aus Erwerbstätigkeit stieg dabei um 141 (+10,0 Prozent) auf 1.545. Die Zugänge aus Ausbildung und Maßnahmen zeigten sich mit 1.241 um 68 niedriger als im Vormonat.

Mehr Abgänge aus Arbeitslosigkeit insgesamt, auch mehr in Beschäftigung

Im Verlauf dieses Monats konnten 4.743 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und damit 33 mehr als im März (+0,7 Prozent) und 110 mehr als im April vor einem Jahr (+2,4 Prozent). 1.253 Männer und Frauen haben im letzten Monat eine neue Beschäftigung gefunden, 110 mehr (+9,6 Prozent) als im Vormonat und 159 mehr als im Vorjahresmonat (+14,5 Prozent). Höher als im Vormonat fielen mit 1.171 (+78) die Abgänge in eine Ausbildung oder Maßnahme aus.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen

Personenkreis

Bestand

Veränderungen zum Vormonat

Jüngere unter 25 Jahre

2.119

-4

-0,2%

darunter Jugendliche

unter 20 Jahre

464

-2

-0,4%

50 Jahre und älter

9.955

+83

+0,8%

Langzeitarbeitslose

13.616

+28

+0,2%

Schwerbehinderte

2.170

34

+1,6%

Ausländer

10.095

-16

-0,2%

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Geschäftsstellen

 

Geschäftsstellenbezirk

Arbeitslosenquote

April 2024

   März 2024

    April 2023

Recklinghausen

8,1

8,2

7,7

Castrop-Rauxel

6,4

6,4

6,6

Datteln

7,3

7,2

7,0

Dorsten

6,5

6,4

6,6

Herten

9,7

9,6

9,5

Marl

9,9

9,9

9,6

Gladbeck

10,6

10,7

11,1

Agenturbezirk RE

8,3

8,3

8,2

Stellenzugang und -bestand nehmen zu

Im Verlauf des Monats meldeten Unternehmen dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Recklinghausen 627 Stellenangebote, 31 (+5,2 Prozent) mehr als im März. Insgesamt stehen im Agenturbezirk derzeit 4.459 Stellen zur Besetzung aus, 35 mehr als vor einem Monat. Vor einem Jahr lag der Stellenbestand um 626 Vakanzen niedriger.
Zwei von drei neu gemeldeten Stellen bezogen sich auf sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (z.B. Vermietung von beweglichen Sachen, Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften, Reisebüros, Wach- und Sicherheitsdienste, Garten- und Landschaftsbau), freiberufliche Dienstleistungen (z.B. Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung, Architektur- und Ingenieurbüros), den Handel sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Der Ausbildungsmarkt

Von Oktober 2023 bis April 2024 haben sich bei der Agentur für Arbeit insgesamt 3.469 Bewerber für Berufsausbildungsstellen gemeldet, 82 weniger als im letzten Jahr (-2,3 Prozent). Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen beträgt 2.927 und stieg damit um 497 (+20,5 Prozent).  
Es befinden sich derzeit noch 1.982 Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche, das sind 176 mehr (+9,7 Prozent) als im Vorjahr. Die Zahl noch nicht besetzter Aus-bildungsstellen liegt bei 1.759 und damit um 14 unter dem Wert des letzten Jahres. Auf 100 betriebliche Berufsausbildungsstellen kommen heute 119 Bewerber gegenüber 148 im letzten Jahr. Anders ausgedrückt: Jedem Bewerber stehen 0,84 Stellen zur Verfügung, während es im letzten Jahr noch 0,68 waren. 
„Drei Monate vor Ausbildungsbeginn ist der Markt noch stark in Bewegung. Viele Jugendliche haben sich bisher noch nicht festgelegt, welchen Beruf sie erlernen oder bei welchem Arbeitgeber sie dies tun möchten. Zur Entscheidungsfindung kann beitragen, Beruf und Arbeitgeber in einem Kurzpraktikum besser kennenzulernen und dabei hinter die Kulissen zu schauen. Das kann ich nur empfehlen, denn es schützt vor blauäugigen Entscheidungen, die später vielleicht in einem Abbruch münden würden.“ Arbeitgeber sollten dies aktiv anbieten und auf Jugendliche zugehen: „Suchen Sie den Kontakt mit ihren potenziellen Azubis da, wo sie sich aufhalten. Sei es im Internet oder an angesagten Locations. Und zeigen Sie, dass sie für die Werte stehen, die jungen Menschen heute besonders wichtig sind. Soziale Verantwortung, Zukunftstechnologien und Nachhaltigkeit sind den meisten wichtiger als ein Tankgutschein oder eine Prämie beim erfolgreichen Abschluss.“ 

Über die kreisweite Hotline 02361/40-2021 sowie das E-Mail-Postfach Recklinghausen.Berufsberatung@arbeitsagentur.de können Beratungen (auch per Video) stattfinden, Termine vereinbart und Fragen geklärt werden. Arbeitgeber können freie Ausbildungsstellen unter 0800 / 4 5555 20 melden.