„Nettigkeit ist so wichtig. Überall im Leben! Und sie zahlt sich aus, denn man bekommt dadurch so viel zurück“, sagt Frida. Die 19Jährige macht bei MATT Optik eine Ausbildung zur Augenoptikerin. Doch war ihr Weg, bis sie die Lehre begonnen hat, steinig: „Die Corona-Pandemie war der erste große Rückschlag bei mir. Ich war in der 8. Klasse und habe zu Hause nicht gelernt. Morgens habe ich mich eingeloggt und dann andere Dinge gemacht, als dem digitalen Unterricht zu folgen. Als die Schule wieder begonnen hat, hatte ich große Defizite und habe die Mittlere Reife nicht bestanden. Weil ich die 9. Klasse geschafft hatte, hatte ich einen Mittelschulabschluss und war nun weiterhin schulpflichtig“, berichtet die junge Frau über ihre Ausgangssituation. Schon zu diesem Zeitpunkt kam ihre ehemalige Berufsberaterin Sarah Kofler ins Spiel: „Zu vielen Schülerinnen und Schülern kommen wir durch die Sprechstunden an der Schule oder dadurch in Kontakt, dass die Klassen in unser Berufsinformationszentrum kommen. Aber es gibt auch die Möglichkeit, uns per Mail zu kontaktieren, wie Frida es damals getan hat. Denn wir sind auch für die jungen Menschen da, die die Schule bereits beendet haben und ihren beruflichen Weg noch suchen und für die, bei denen es in der Ausbildung nicht rund läuft“, erklärt Kofler und erinnert sich an ihr erstes Gespräch mit Frida: „Sie sagte, dass sie gerne etwas mit Menschen machen würde. Gemeinsam entwickelten wir die Idee, dass eine Ausbildung zur Kinderpflegerin das Richtige für sie sein könnte“, erklärt Kofler. Die junge Frau begann im September die Ausbildung. Doch leider passte es auch hier nicht, vor allem beim Miteinander in der Klasse. „In dem Moment war dann ein absoluter Tiefpunkt erreicht“, erinnert sich Frida. „Ich brach die Ausbildung im Dezember ab und bekam keinen Platz im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Dies hätte ich machen müssen, da ich ja noch schulpflichtig war. Ich hatte nichts zu tun und hing mit den falschen Leuten rum, was die Situation noch schlimmer machte. Im Januar hatte ich dann – unverschuldet – einen schweren Unfall. Und das hat mich im Nachhinein wahrscheinlich gerettet.“
An diesen Schlüsselmoment erinnert sich auch Berufsberaterin Sarah Kofler noch genau: „Frida hatte sich wieder bei uns gemeldet, weil sie ja die Ausbildung abgebrochen hatte. Als ich dann im Januar bei ihr anrief, um einen Beratungstermin zu vereinbaren, sagte mir ihre Mutter, dass sie nach einem Unfall schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Das hat mich in dem Moment wirklich tief getroffen, bei allem was sie schon durchgemacht hatte. Da sie nun auf unbestimmte Zeit krank war, musste ich Frida schweren Herzens abmelden und habe gesagt, dass sie sich wieder melden soll, wenn sie wieder zur Schule gehen kann.“ Und die junge Frau berichtet weiter: „Ich saß nach dem Unfall ein gutes halbes Jahr im Rollstuhl und musste wieder gehen lernen. Es war wichtig, dass ich einen guten Rückhalt durch meine Familie und die „richtigen“ Freunde hatte.“ Über die Krücken ging es für Frida wieder auf die Beine, und ab September bekam sie auch einen Platz im Berufsvorbereitungsjahr. Hier kreuzten sich die Wege von Sarah Kofler und Frida wieder: „Ich saß in Aibling in der Schule in der Sprechstunde und dann kam Frida. Das hat mich so gefreut“, erinnert sich die Berufsberaterin. „Ich erlebte sie weiterhin als sehr höflich und hoch motiviert. Gemeinsam schauten wir nach einem neuen passenden Ausbildungsberuf, der ihren Stärken und Interessen entspricht. Neben dem Umgang mit Menschen wünschte sich Frida ein gepflegtes Auftreten und Kreativität. Gemeinsam kamen wir auf die Idee, dass der Beruf der Augenoptikerin der Richtige für sie sein könnte.“
Durch ein Praktikum lernte Frida den Beruf kennen und merkte, dass dieser für sie passt. Eine geeignete Lehrstelle war bei MATT Optik in Rosenheim ausgeschrieben. Die junge Frau überzeugte im Auswahlverfahren und konnte ihre Ausbildung im September 2024 beginnen. „Frida punktete gleich mit ihrer Offenheit, ihrem positiven Auftreten und ihrem Interesse an den Inhalten des Berufs“, erzählt Augenoptikmeisterin Gabriella Bartl, die bei MATT Optik eine der Ansprechpartnerinnen für Frida ist. Und sie fügt hinzu: „Ich möchte Schülerinnen und Schülern den Tipp geben: Macht möglichst viele Praktika, dies ist ja zum Beispiel auch gleich jetzt in den Osterferien möglich, um den Beruf kennenzulernen, der zu Euch passt. Dafür reichen ein paar Tage. Und es kommt immer gut an, wenn Ihr Euch vorher ein paar Fragen überlegt, die Ihr während des Praktikums stellt. Das kann auch der Türöffner für die spätere Ausbildung sein.“
Berufsberaterin Kofler freut sich, dass Frida am Ende den Ausbildungsberuf gefunden hat, der zu ihr passt, und dass alles ohne Hilfen läuft. „Doch wir können Arbeitgebende und Auszubildende auch durch die Assistierte Ausbildung (AsA) unterstützen. Diese beinhaltet Hilfen beim Schulstoff und im sozialpädagogischen Bereich. Und es gibt weitere Unterstützungsmöglichkeiten, unter anderem auch spezielle für Menschen mit einer Behinderung. Informationen stehen unter www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/foerderung-ausbildung und die Kolleginnen und Kollegen vom Arbeitgeberservice informieren hierzu.“
Frida hat über das Praktikum den Ausbildungsplatz in ihrem Traumberuf gefunden. Sie steht im Geschäft, berät Kundinnen und Kunden bei der Suche nach der für sie passenden (Sonnen)Brille und über Pflegeprodukte. Immer wieder danken diese der jungen Frau für die kompetente Beratung und fragen, wie lange sie den Job schon macht. So muss die 19Jährige hin und wieder mit einem Augenzwinkern darauf hinweisen, dass sie noch in der Ausbildung ist. Sie möchte die Ausbildung erfolgreich abschließen und anschließend weiter in dem Beruf arbeiten.
Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz für heuer suchen, können gerne gleich eine Mail an schicken und einen Termin mit ihrer Berufsberaterin oder ihrem Berufsberater vereinbaren. Zudem stehen zahlreiche Angebote für Ausbildungs-, Studien- und Praktikumsplätze in der Jobbörse der Agentur für Arbeit unter www.arbeitsagentur.de/jobsuche/.