Der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Weiden stand 2025 unter dem Einfluss einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwächephase und befindet sich zugleich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Strukturelle Veränderungen, Digitalisierung und technischer Fortschritt prägen die Entwicklung zunehmend und werden den regionalen Arbeitsmarkt auch in den kommenden Jahren maßgeblich beeinflussen.
„Wir erleben keinen kurzfristigen Einbruch, sondern einen längerfristigen Wandel. Die Transformation des Arbeitsmarktes ist bereits im Gange und wird unsere Region nachhaltig verändern“, erklärt Bernhard Lang, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weiden. „Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen hat sich der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk insgesamt als vergleichsweise stabil erwiesen.“
Die breit aufgestellte Wirtschaftsstruktur wirkte weiterhin stabilisierend. Trotz struktureller Anpassungen und Beschäftigungsrückgängen in einzelnen Branchen blieb ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit aus.
Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2025
Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt 2025: 5.218 Personen
Veränderung gegenüber 2024: +271 Personen
Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt: 4,3 % (+0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr)
Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung steigen moderat
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren im Agenturbezirk Weiden 5.218 Personen arbeitslos gemeldet – ein Anstieg um 271 Personen beziehungsweise 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel dazu erhöhte sich auch die Unterbeschäftigung, die unter anderem Teilnehmende an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sowie kurzfristig Erkrankte umfasst. Sie lag bei durchschnittlich 6.428 Personen und damit um 171 Personen über dem Vorjahreswert.
Besonders betroffen vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren:
• Langzeitarbeitslose: 1.477 Personen (+7,4 %)
• Junge Menschen unter 25 Jahren: 551 Personen (+10,1 %)
Unterschiedliche Entwicklung in den Rechtskreisen
Rund 48 Prozent der arbeitslos gemeldeten Personen (2.503) wurden 2025 von den Jobcentern Weiden-Neustadt und Tirschenreuth betreut und erhielten Bürgergeld. 52 Prozent (2.715 Personen) waren Kundinnen und Kunden der Arbeitsagentur und bezogen Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.
Auffällig ist dabei die unterschiedliche Entwicklung: Während die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB III gegenüber dem Vorjahr um mehr als 11 Prozent (+274 Personen) zunahm, blieb die Zahl der Bürgergeldempfänger insgesamt nahezu stabil. Im Jobcenter Weiden-Neustadt stieg die Zahl leicht an, während im Jobcenter Tirschenreuth im Jahresdurchschnitt rund 30 Personen erfolgreich aus dem Leistungsbezug abgemeldet werden konnten.
Regionale Unterschiede: Stadt Weiden mit stärkstem Anstieg
Innerhalb des Agenturbezirks zeigten sich deutliche regionale Unterschiede. Den stärksten Anstieg verzeichnete die Stadt Weiden: Hier waren durchschnittlich 1.608 Personen arbeitslos gemeldet – knapp 10 Prozent mehr als im Vorjahr.
Im Landkreis Neustadt an der Waldnaab stieg die Zahl der Arbeitslosen um rund 5 Prozent auf durchschnittlich 2.017 Personen. Den geringsten Zuwachs verzeichnete der Landkreis Tirschenreuth mit einem Anstieg von knapp 3 Prozent auf durchschnittlich 1.594 Arbeitslose.
Stellenmarkt in der Nordoberpfalz spürbar unter Druck
Die schwache Konjunktur machte sich 2025 auch am Stellenmarkt deutlich bemerkbar. Zwar meldeten die Betriebe im Jahresverlauf insgesamt 4.729 neue Arbeitsstellen – ein leichtes Plus von 1,2 Prozent gegenüber 2024. Der durchschnittliche Stellenbestand lag jedoch deutlich unter dem Vorjahresniveau.
Im Jahresdurchschnitt waren 2.481 offene Stellen gemeldet. Das entspricht einem Rückgang von rund 15 Prozent beziehungsweise 404 Stellen im Vergleich zum Vorjahr. Erstmals lag der Stellenbestand damit wieder unter dem Vor-Corona-Niveau von 2019.
„Wir erleben seit einiger Zeit einen paradoxen Arbeitsmarkt“, erläutert Lang. „Unternehmen bauen Stellen ab, suchen aber gleichzeitig händeringend nach spezialisierten Fachkräften. Ursache ist eine wachsende Qualifikationslücke, verstärkt durch demografischen Wandel und Digitalisierung.“
Diese Passungsprobleme zeigen sich deutlich: Rund 84 Prozent der gemeldeten offenen Stellen richteten sich 2025 an Fachkräfte, während nur knapp 36 Prozent der Arbeitslosen über eine entsprechende Qualifikation verfügten. Gleichzeitig suchten über 60 Prozent der Arbeitslosen eine Helfertätigkeit, während nur rund 16 Prozent der offenen Stellen dieses Anforderungsniveau aufwiesen. Knapp 4 % der Arbeitslosen machten keine Angaben zur Qualifikation.
Kurzarbeit bleibt wichtiges Instrument
Kurzarbeit spielte auch 2025 eine zentrale Rolle zur Beschäftigungssicherung. Im Juni 2025 – dem aktuellsten Monat mit endgültigen Abrechnungsdaten – bezogen 1.315 Beschäftigte in 32 Betrieben Kurzarbeitergeld. Hochgerechnete Daten weisen für August 2025 bereits 34 Betriebe mit 1.839 Beschäftigten in Kurzarbeit aus.
Besonders betroffen waren die Wirtschaftszweige, die in der Metallerzeugung sowie in der Herstellung von Glas, Keramik und sonstiger Waren tätig sind.
„Kurzarbeit hilft Betrieben, Nachfrageschwankungen zu überbrücken und Beschäftigte zu halten“, so Lang. Gleichzeitig weist er auf Unsicherheiten für 2026 hin, da die verlängerte Bezugsdauer zum Jahresende 2025 ausgelaufen ist.
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nimmt weiter ab
Der bereits 2024 angedeutete Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setzte sich 2025 fort. Zum Stichtag 30. Juni 2025 waren 87.929 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein Minus von 1.053 Personen beziehungsweise 1,2 Prozent.
Den stärksten Rückgang verzeichnete der Landkreis Tirschenreuth (–4 Prozent). In der Stadt Weiden blieb die Beschäftigung nahezu stabil, während der Landkreis Neustadt an der Waldnaab sogar einen leichten Zuwachs von 0,4 Prozent (+120 Personen) aufwies.
Ursachen waren u.a. die Ziegler-Insolvenz, Betriebsschließungen kleinerer Unternehmen sowie geringere Ersatz-Einstellungen in Betrieben mit Kurzarbeit. Besonders deutlich brach die Leiharbeit ein (–20 Prozent), gefolgt vom Gastgewerbe (–8 Prozent) sowie Verkehr und Lagerei (–7,1 Prozent).
Weniger tschechische Arbeitskräfte in der Grenzregion
2025 arbeiteten 13.033 ausländische Beschäftigte im Agenturbezirk. Rund 70 Prozent stammten aus EU-Staaten, etwa 32 Prozent aus Drittstaaten. Während die Zahl der Drittstaatsangehörigen anstieg, ging die Zahl der EU-Beschäftigten um knapp 5 Prozent zurück.
Die größte Gruppe stellten weiterhin tschechische Staatsangehörige (5.572). Gegenüber dem Vorjahr arbeiteten jedoch 361 Tschechinnen und Tschechen weniger im Agenturbezirk, insbesondere im Landkreis Tirschenreuth. Viele Grenzpendler orientieren sich nach einem Jobverlust neu oder kehren in ihren Heimatmarkt zurück.
Entwicklung bei Ukraine und den acht Hauptherkunftsländern von Asylbewerber*innen
Im Dezember 2025 waren 515 Ukrainer arbeitslos gemeldet, 57 mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ukrainer auf 760 Personen (+149).
Bei Menschen aus den acht Hauptherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien waren im Dezember 2025 365 Personen arbeitslos gemeldet (–86 im Vergleich zum Vorjahr). 985 Personen waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 72 mehr als im Vorjahr.
„Geflüchtete und Zugewanderte – darunter auch Menschen aus der Ukraine und den sogenannten acht Hauptherkunftsländern – sind ein wichtiger Bestandteil unseres regionalen Arbeitsmarktes. Sie tragen dazu bei, Beschäftigung kurzfristig zu stabilisieren. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass Migration allein den demografischen Wandel nicht ausgleichen kann, sondern immer Teil eines umfassenderen Lösungsansatzes sein muss“, betont Lang.
Fazit und Ausblick: Transformation verlangt Qualifizierung und Offenheit
Für das Jahr 2026 erwartet Bernhard Lang trotz weiterhin angespannter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen keinen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Weiden. Entscheidend sei jedoch, dass die angekündigten wirtschaftspolitischen Impulse nun greifen. „Wenn die versprochenen Maßnahmen aus der Politik Wirkung entfalten, rechnen wir frühestens ab der zweiten Jahreshälfte 2026 mit positiven Effekten für unsere Region“, so Lang.
Eine gemeinsame Analyse der regionalen Arbeitsmarktakteure im vergangenen Herbst habe gezeigt, dass sich der Strukturwandel weiter fortsetzt. Während insbesondere öffentliche Verwaltung, Erziehung sowie das Gesundheitswesen Beschäftigungszuwächse verzeichnen, sei in der Industrie weiterhin mit Arbeitsplatzverlusten zu rechnen.
Vor diesem Hintergrund betont Lang die Bedeutung von Flexibilität und Qualifizierung auf beiden Seiten des Arbeitsmarktes:
„Arbeitssuchende sollten offen sein für Tätigkeiten außerhalb ihrer ursprünglichen Qualifikation. Gleichzeitig müssen Unternehmen auch Bewerberinnen und Bewerbern Chancen eröffnen, deren Profile nicht zu hundert Prozent passen. Deshalb investieren wir konsequent in Qualifizierung und Weiterbildung.“
Der Arbeitsmarkt befinde sich insgesamt in einer Phase tiefgreifender Transformation, die durch Digitalisierung und den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz zusätzlich beschleunigt werde. Verlässliche Aussagen zu den konkreten Beschäftigungseffekten seien derzeit noch nicht möglich. Klar sei jedoch: „Der Mensch wird sich an neue Anforderungen anpassen müssen. Kompetenzen im Umgang mit KI, aber auch kommunikative, kreative und strategische Fähigkeiten werden künftig eine noch größere Rolle spielen.“
Lang unterstreicht zudem die zentrale Bedeutung von Migration für die Fachkräftesicherung. Zwar entwickle sich die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte – einschließlich Geflüchteter – weiterhin positiv, dies allein reiche jedoch nicht aus, um den demografischen Wandel abzufedern. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wären jährlich rund 400.000 Nettozuwanderungen erforderlich, um das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland langfristig stabil zu halten.
„Deshalb unterstützen wir unsere regionalen Betriebe bereits heute mit internationalen Recruiting-Projekten, etwa zur Besetzung von Ausbildungsplätzen. Unser Ziel ist es, Fachkräfte langfristig für die Nordoberpfalz zu gewinnen – wissend, dass dies nur ein Baustein einer umfassenden Lösung sein kann.“