Am 27. Februar 2026 ist in Deutschland Equal Pay Day. Rechnerisch arbeiten Frauen vom Jahresbeginn bis zu diesem Datum „umsonst“, um das durchschnittliche Einkommen von Männern zu erreichen. Der Aktionstag macht sichtbar, dass Frauen im Durchschnitt weiterhin deutlich weniger verdienen – und dass die Ursachen der Lohnlücke weit über die Frage gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit hinausgehen.
Lohnlücke ist vor allem strukturell bedingt
Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts lag der unbereinigte Gender Pay Gap 2025 bundesweit bei 16 Prozent, in Bayern bei rund 19 Prozent. Der bereinigte Gender Pay Gap betrug in Deutschland 6 Prozent, in Bayern 7 Prozent. Dieser Wert ist kein direkter Nachweis von Diskriminierung, zeigt aber den Anteil der Lohnlücke, der durch bekannte Merkmale wie Beruf, Branche oder Arbeitszeit nicht erklärt werden kann und daher besondere Aufmerksamkeit verdient.
Ein wesentlicher Teil der Entgeltunterschiede entsteht durch strukturelle Faktoren wie Teilzeit, Erwerbsunterbrechungen und regionale Arbeitsmarktstrukturen. Dass der Gender Pay Gap in Bayern über dem Bundesdurchschnitt liegt, hängt unter anderem mit branchenspezifischen Beschäftigungsmustern, Tarifstrukturen und Arbeitszeitmodellen zusammen. Für wirksame Gegenmaßnahmen bedeutet das: Sie müssen regional passgenau ansetzen.
Transparenz schafft Handlungsspielräume
Ein zentraler Hebel für mehr Entgeltgerechtigkeit ist Entgelttransparenz. Mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie gewinnt dieses Thema weiter an Bedeutung. Transparente Entgeltstrukturen stärken die Informationsbasis von Beschäftigten und verändern Verhandlungsmacht. Ungleichbehandlung wird sichtbarer – und damit überprüfbar und korrigierbar.
Ohne faire Care-Arbeit keine Entgeltgleichheit
Entgeltungleichheit entsteht nicht nur im Betrieb, sondern wird maßgeblich durch die Verteilung unbezahlter Sorgearbeit beeinflusst. Der Gender Care Gap beschreibt den Zeitunterschied, den Frauen und Männer für Kinderbetreuung, Pflege und Haushalt aufwenden. Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend leisten Frauen täglich im Durchschnitt 43,4 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer.
Diese ungleiche Verteilung wirkt sich direkt auf Erwerbsbiografien aus. Häufigere Teilzeit, längere Erwerbsunterbrechungen und eingeschränkte Aufstiegs- und Weiterbildungsoptionen führen langfristig zu geringeren Einkommen. Auch Berufs- und Branchenentscheidungen sind oft an Vereinbarkeit gebunden und damit nicht frei von strukturellen Zwängen.
Petra Klebl-Denk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Weiden, bringt es auf den Punkt: „Wer einen Großteil der Sorgearbeit übernimmt, kann weniger Zeit in Qualifizierung, Erwerbsarbeit und Karriere investieren. Diese strukturelle Ungleichheit spiegelt sich unmittelbar im Einkommen wider.“
Auftrag zum Handeln – auch für die Arbeitsmarktpolitik
Der Equal Pay Day ist damit mehr als ein symbolischer Aktionstag. Er verweist auf die Notwendigkeit fairer Rahmenbedingungen über den gesamten Erwerbsverlauf hinweg – von der Berufswahl über Qualifizierung und Wiedereinstieg bis hin zu Aufstiegschancen.
Hier setzt die Arbeit der Agentur für Arbeit an. Sie unterstützt Frauen und Männer dabei, ihre Erwerbschancen unabhängig von Geschlecht und familiären Verpflichtungen zu sichern – durch Beratung, Qualifizierung und gezielte Begleitung beim Wiedereinstieg nach Familien- oder Pflegezeiten. Eine besondere Rolle übernehmen dabei die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, die zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf beraten, den beruflichen Aufstieg von Frauen fördern und Betriebe für chancengerechte Arbeitsbedingungen sensibilisieren. „Der Equal Pay Day erinnert uns daran, dass gleiche Bezahlung nicht von selbst entsteht. Sie ist das Ergebnis fairer Rahmenbedingungen über den gesamten Erwerbsverlauf hinweg – von der Berufswahl über Qualifizierung und Wiedereinstieg bis hin zu Aufstiegschancen. Dafür setzen wir uns ein“, so Petra Klebl-Denk.
„Mein Weg, meine Zukunft!“ – Angebote 2026
Unter dem Motto „Mein Weg, meine Zukunft!“ bieten die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt auch 2026 ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm an. Ziel ist es, Menschen im Erwerbsleben sowie beim beruflichen Wiedereinstieg zu begleiten und zu unterstützen.
Weitere Informationen finden Interessierte unter:
https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/weiden/chancengleichheit
Regionale Verdienstunterschiede im Überblick
Im Agenturbezirk zeigen sich weiterhin deutliche Einkommensunterschiede zwischen vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern. Im Landkreis Neustadt an der Waldnaab lag der durchschnittliche Verdienst von Frauen zuletzt bei 3.278 Euro, der von Männern bei 3.846 Euro. In der Stadt Weiden fiel der Unterschied mit 229 Euro am geringsten aus. Im Landkreis Tirschenreuth war die Differenz am größten: Frauen verdienten dort durchschnittlich 3.034 Euro, Männer 3.715 Euro. (Stichtag ist der 31. Dezember 2024)
Infokasten: Wichtige Begriffe rund um Equal Pay
Gender Pay Gap
Unterschied im durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen und Männern.
Bereinigter Gender Pay Gap
Der Teil der Lohnlücke, der bleibt, wenn Unterschiede in Beruf, Branche, Arbeitszeit, Qualifikation u. a. statistisch herausgerechnet werden.
Gender Care Gap
Unterschied in der täglich aufgewendeten Zeit für unbezahlte Sorgearbeit (z. B. Kinderbetreuung, Pflege, Haushalt).
Entgelttransparenz
Recht auf Information und Offenlegung von Entgeltstrukturen, um Ungleichbehandlung sichtbar und überprüfbar zu machen.